„Ich weiß nicht, ob ich meiner Mutter ohne ihrer Demenz so nahe gekommen wäre“

Vor acht Jahren erkrankt Katja Ruges Mutter an Alzheimer-Demenz. Die Krankheit, die ganz vielfältige Symptome haben kann, verändert das Leben für beide. Doch Katja findet ihren eigenen Weg, damit umzugehen.

„Irgendwann hat meine Mutter angefangen, imaginäre Menschen zu sehen”, erzählt Katja Ruge. Sie berichtet von unbekannten Freund*innen, mit denen sie sich stundenlang unterhalten hätte, Kaffeetrinken war. „Als ich dann irgendwann geschnallt habe, dass nur sie diese Personen sieht, habe ich begonnen, mich einzuklinken. Ich habe sie dann einfach gefragt, wie es so mit ihren neuen Bekannten gewesen sei.”

Vor drei Jahren, im Alter von 63 Jahren, bekam Katjas Mutter ihre Alzheimer-Diagnose. Die Krankheit veränderte ihr Leben in kleinen Schritten. Erst wurden die spontanen Besuche bei ihrer Tochter seltener, dann zog sie sich aus ihrem Freundeskreis zurück, verbrachte ihre Zeit lieber alleine. „Sie muss schon etliche Jahre Probleme auf der Arbeit gehabt haben”, erzählt die Hamburger Fotografin. Erst im Nachhinein hat sie erfahren, dass ihre Mutter teilweise vierzehn Stunden an ihrem Arbeitsplatz verbracht hat und verzweifelt versuchte, ihre Aufgaben zu bewältigen. „Ich weiß nicht, ob das so ein Generationsding ist”, sagt sie, „aber in der Generation meiner Mutter wird einfach viel zu wenig darüber geredet, wenn man nicht mehr so funktioniert, wie man es von sich aus gewohnt ist”.

Wer an Demenz denkt, denkt meist an den Gedächtnisverlust. Dabei sind die Alzheimer-Symptome ganz vielfältig. Orientierungs- und Sprachstörungen gehören genauso zu dem Krankheitsbild wie zum Beispiel Störungen des Urteilsvermögens. Menschen mit Alzheimer-Demenz leben in ihrer eigenen Welt, wodurch sich Rollen- und Beziehungsmuster ändern. Für Angehörige ist das nicht immer leicht zu akzeptieren. „Als Außenstehender muss man das erst einmal lernen zu begreifen und das braucht total viel Zeit”, meint Katja.

Mittlerweile hat sie einen Umgang mit der Erkrankung ihrer Mutter gefunden. Wenn dann mal wieder Katzen aus den Wänden kommen, spielt sie einfach mit. „Ihr zu sagen, dass das nicht der Realität entspricht, macht keinen Sinn”, sagt sie – ganz im Gegenteil: zu akzeptieren und kreativ darauf zu reagieren, vermeide Stress und schließlich auch emotionale Distanz.