Ich will nie wieder Rape-Witze in der Werbung sehen!

Eine Firma wirbt mit dem Slogan „Rape us now“ – vergewaltige uns jetzt. Autorin Josefine Schummeck erklärt, warum das absolut nicht witzig ist. 

© Screenshot SuperGurl/Facebook

© Screenshot SuperGurl/Facebook

Kennt ihr das Wort „rape culture“? Es ist eine englische Wortschöpfung, die Verharmlosungen von sexueller Gewalt zusammenfasst. Es geht dabei nicht nur um hässliche Sätze wie „Selbst Schuld, wenn sie so einen kurzen Rock anzieht“ bei einem konkreten Vorfall. Es gibt viel perfidere Formen, die sexuelle Übergriffe als Missverständnis abtun oder zu einem Witz machen. Das sind Lyrics wie „I know you want it“ in Blurred Lines. Oder der Slogan „Rape us now“.

Zusammen mit dem Bild eines jungen Models hatte die Modemarke SuperGurl aus Singapur am 30. November für einen Ausverkauf geworben. Sofort brach ein Shitstorm aus: Die Werbung sei „ekelhaft“, „bösartig“ und „unverzeihlich“.

Noch am selben Tag entschuldigte sich die Firma offiziell. Sie habe niemanden beleidigen wollen.

Hat sie aber.

Und ach, am Ende sei der Grafikdesigner Schuld. Die Erkenntnis, dass es ein „ernsthafter Fehler“ gewesen sei, setzte sich glücklicherweise am Ende doch noch durch.

Aber fällt das nicht vorher auf? Ich versuche mir vorzustellen, wie ein kreatives Team zusammensitzt und über einen Slogan nachdenkt. Jemand sagt: „Die sollen mal schön viel kaufen und uns richtig ausnehmen. ‚Rape us now‘ wäre doch witzig“. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass eine Frau das sagen würde. Aber das tut nicht mal etwas zur Sache. Es will mir einfach nicht in den Kopf gehen, wie überhaupt jemand so etwas sagen kann!

Wir dürfen sexuelle Gewalt nicht verharmlosen

Diese Rape Culture muss ein Ende haben. Das bedeutet: keine witzig gemeinten Vergewaltigungs-Punchlines mehr in der Werbung. Keine Bilder mit minderjährig-aussehenden Models in eindeutig zweideutigen Posen. Schon gar nicht, wenn die Zielgruppe junge Mädchen und Frauen sind. Denn solche Bilder können ihre Selbstwahrnehmung und -darstellung negativ beeinflussen. Aber auch beim Zuschauer entsteht unbewusst ein Bild, das der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht gerade zuträglich ist: der Frau als attraktives Objekt.

Dieser Text soll übrigens keine feministische Missionierung sein. Auf dem Bild der Kampagne hätte genauso gut ein junger Mann abgebildet sein können. Das ändert nichts daran, dass Vergewaltigung von Menschen kein Witz ist – egal welchen Geschlechts.

Dieser Fail von SuperGurl ist leider kein Einzelfall: Bekanntestes Beispiel für geschmacklose Werbung ist American Apparel. 2014 gab es weltweit Aufregung wegen eines Lolita-Motivs, bei dem sich ein Model in Schuluniform gekleidet nach vorne beugte und den halb nackten Po zeigte. 

Mit Kampagnen wie diesen werden glücklicherweise keine Verkaufszahlen in die Höhe getrieben, sondern das Image ruiniert. Sieht man an American Apparel: Das Label verkündete im Oktober dieses Jahres die Insolvenz. Das macht Hoffnung.