Im Winter kommt der erste Studiengang für Veganer

Tierethik, BWL, Lebensmittelrecht: Wer sich für Ernährung ohne tierische Produkte interessiert, kann sich bald in einem Studium damit auseinandersetzen.

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Neuer Studiengang gefällig? Studier doch "Vegan Food Management" © cydonna / photocase.de

Vom Wintersemester an kann man an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) seinen Abschluss in „Vegan Food Management“ machen – es ist der erste vegane Bachelor-Studiengang Europas.

An drei Standorten der privaten Hochschule – nämlich in Bamberg, Bielefeld und Köln – sollen die Studenten dann unter anderem die vegane Ernährungslehre, Tierschutz und Unternehmensführung lernen.

Umsonst ist das Studium nicht: Mit rund 23.500 Euro müssen die „Vegan Food Management“-Studenten rechnen.

„Vegan Food Management“ – eine Reaktion auf den Vegan-Trend

Mareike Leissmann hat Europas ersten veganen Studiengang mitentwickelt.
Mareike Leismann hat Europas ersten veganen Studiengang mitentwickelt.

Mareike Leismann leitet die Programm- und Qualitätsentwicklung der FHM, sie hat den neuen Studiengang maßgeblich mitentwickelt. ze.tt sagt sie: „Ich bin selber Veganerin, und habe in den letzten Jahren gemerkt, dass es viele junge Menschen gibt, die sich sehr für Veganismus interessieren, aber leider kein Angebot gefunden haben, das zu ihnen passt.“

Ernährungswissenschaften, Gesundheitswissenschaften – vor allem in der Nähe von Bielefeld, dem Hauptsitz der FHM, würde in diesen Studiengängen vegane Themen kaum berücksichtigt. Deshalb jetzt also bald „Vegan Food Management“ an der FHM.

Maximal 40 Studenten an jedem Standort, also insgesamt 120 in Bamberg, Bielefeld und Köln sollen ab dem Wintersemester studieren dürfen. Einige Bewerbungen haben die FHM auch schon erreicht, genaue Zahlen will Leismann aber nicht nennen.

Kaum Grundsatzdiskussionen

Zusammen mit der Berliner „Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz“ hat die FHM den Lehrplan entworfen: Im Mittelpunkt steht nicht der Veganismus als Theorie, sondern Entwicklung und Verkauf von veganen Produkten in der Lebensmittelbranche.

Die „Vegan Food Management“-Organisatorin ist vom Erfolg des neuen Studiengangs schon jetzt überzeugt: „Wir wollen keine Spezialisten ausbilden, die später nicht am Arbeitsmarkt bestehen. Für die Fachhochschule des Mittelstands die Berufsbefähigung der Studierenden sehr wichtig, deshalb auch der hohe BWL-Anteil im Lehrplan.“

Vier Kernthemen soll das Studium umfassen: Allgemeine Wirtschaftskompetenz, personale und soziale Kompetenz, Aktivitäts- und Handlungskompetenz und natürlich Vegan-Food-Kompetenz.

Auch Nicht-Veganer sind willkommen

Bewerben kann sich jeder mit Hochschul- oder Fachhochschulreife, Berufspraktiker mit Abschluss sind ebenfalls zugelassen. Sogar Nicht-Veganer dürfen dabei sein – auch wenn sich Leismann sicher ist: „Wir gehen schon davon aus, dass man spätestens nach dem Besuch aller Module von dieser Ernährungsform auch tatsächlich überzeugt ist.“

Bis September ist die Bewerbungsphase noch offen, das erste Uni-Seminar soll voraussichtlich am 10. Oktober starten. „Vegan Food Management“ ist für die FHM kein Experiment, das nach einem Jahr wieder abgesetzt wird. Auch für die nächsten Jahre ist der Studiengang bereits fest im Lehrplan eingeplant.

Zukunftssorgen müsse man sich mit einem Bachelor in „Vegan Food Management“ nicht machen, versichert Leismann: „Die vegane Lebensweise ist nicht mehr wegzudenken.“ Die FHM sieht für ihre Absolventen sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.