In Berlin wird ein Baumhaus in einem Haus gebaut

Es befindet sich null Meter über der Erde und noch dazu in einem Haus. Trotzdem nennen die Initiator*innen es Baumhaus. Denn es geht dabei auch darum, wofür ein Baumhaus steht: zusammenkommen, träumen und Nähe zur Natur. 

„Wir haben uns als Ziel gesetzt, dass wir vor dem Berliner Flughafen fertig sind“, sagt Karen Wohlert und lacht. Vor mehr als fünf Jahren hat sie gemeinsam mit dem New Yorker Scott Bolden angefangen, ein besonderes Baumhaus im Berliner Bezirk Wedding zu planen. Das Ziel: In den Räumen sollen Menschen zusammenkommen, Projekte planen, Workshops geben oder sich auf Veranstaltungen treffen. Ein Raum für Menschen, die die Welt verbessern wollen, fasst Bolden das Konzept zusammen.

Auch die Einrichtung passt zu der Idee des Baumhauses. © Susanne Dickel

Eigentlich waren die beiden davon ausgegangen, dass sie schon 2013 eröffnen könnten. „Ich hätte nie angefangen, hätte ich gewusst, dass es so lange dauert“, sagt Wohlert. Inzwischen ist sie aber ganz froh, dass das Projekt nicht in der geplanten Zeit fertig geworden ist. So habe das Konzept reifen können. Aber jetzt soll es wirklich bald soweit sein. Die ersten Initiativen nutzen die halbfertigen Räume schon jetzt. Wedding0Waste zum Beispiel, die sich um Abfallvermeidung kümmern. Es gibt Coachings oder Jam Sessions. Eine Gruppe der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) nutzt das Baumhaus als Abholort: Landwirt*innen aus der Umgebung bringen hier Essen vorbei, das die Mitglieder des Vereins abholen können.

Ein Ort zum Träumen

Dass das Baumhaus nun fast fertig ist, war lange nicht sicher. Immer wieder stand das Projekt kurz vorm Scheitern. „Aber dann passierte das nächste Wunder“, erinnert sich Bolden. Plötzlich standen Menschen vor der Tür, die sie unterstützen wollten. So kam das Geld für das Baumhaus durch Crowdfunding zusammen, außerdem nahmen Bolden und Wohlert einen Kredit auf. Doch die vielleicht größte Hilfe waren die unzähligen Arbeitsstunden, die ehrenamtliche Helfer*innen in dem Haus verbracht haben. Im Februar beispielsweise kamen Mitglieder von Earthship Deutschland vorbei und werkelten ein Wochenende lang von früh bis spät mit. Die Earthship-Community setzt sich für nachhaltiges Bauen ein. Sie konstruiert Häuser aus recyceltem Material, die ohne Heizung auskommen und für die Bewohner Energie produzieren und Wasser aufbereiten.

„Fallingwater“ – eines der bekanntesten Häuser des Architekten Frank Lloyd Wright. © Chris Melszer / dpa

Das passt perfekt zum Konzept des Baumhauses. Die Nähe zur Natur ist überall zu erkennen: an den blattartigen Lampen, den Pflanzkästen, die übereinander an der Wand angebracht sind, an den astartig gewundenen Strukturen an den Wänden. Dafür haben sich Bolden und Wohlert von Filmen wie Avatar oder Herr der Ringe inspirieren lassen, aber auch von Architekten wie Frank Lloyd Wright oder Antoni Gaudí. Wenn Bolden über den katalanischen Baumeister spricht, spürt man seine Begeisterung: „Gaudí nahm ein Gebäude wie einen Samen, legte ihn in den Boden und alles wuchs nach oben.“

So natürlich gewachsen, so fließend soll das Baumhaus auch wirken. Ein Ort zum Träumen, ein bisschen unwirklich. Ein Ort, wie es ihn mitten in der Stadt eigentlich nicht geben kann.

Bauarbeiten im Baumhaus Berlin. © Baumhaus Berlin