In Brandenburg wurde ein ganzer Wald gestohlen

Unbekannte haben acht Hektar Wald gerodet und das Holz heimlich abtransportiert. Die Besitzerin bemerkte den Diebstahl erst Monate später. 

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Ein Kiefernwald in Brandburg. Ein ähnliches Waldstück haben Unbekannte abgeholzt. © picture alliance / ZB

Ist es möglich, einen Wald zu stehlen? Rund 2.000 Bäume, die auf einer Fläche von gut elf Fußballfeldern stehen? Offenbar geht das. Bei Premnitz, rund 80 Kilometer westlich von Berlin, haben Unbekannte über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten einer privaten Waldbesitzerin Baum um Baum gestohlen. Erst am vergangenen Wochenende bemerkte sie den Diebstahl und erstatte Anzeige bei der Polizei. Viel war da von ihrem Kiefernwald nicht mehr übrig. Die Polizei berichtet, dass „lediglich ein kleiner Teil der Baumstämme noch aufgestapelt und abholbereit“ am Waldrand lag. Die Bäume waren bis zu 30 Meter hoch und teilweise 120 Jahre alt.

Ein „Rekordfall“

„In dieser Größenordnung hatten wir das noch nie“, sagt ein Polizeisprecher und Sebastian Seidel, Förster und Gründer eines Vereins gegen Holzdiebstahl, spricht von einem „Rekordfall“. Er schätzt den Wert des gestohlenen Holzes auf etwa 100.000 Euro, die Polizei möchte keine Angaben machen.

Aber wie stehlen die Diebe das Holz? Seidel sagt, dass sie in der Regel nach bereits gefällten Bäumen Ausschau halten, die am Waldrand zur Abholung bereitliegen. Sie kommen mit einem Lastwagen, der einen Kran montiert hat und laden die Stämme auf den Laster. „Da passen bis zu 300 Baumstämme drauf“, sagt Seidel. Der Wert einer Ladung: rund 2.000 Euro.

Als Brennholz verkauft oder ins Sägewerk

Häufig verkaufen die Diebe die Stämme dann als Brennholz und liefern sie falscher Herkunftsangabe an Sägewerke. Noch immer sei es sehr leicht, die entsprechenden Papiere zu fälschen, sagt Seidel. Für Spaziergänger ist es schwer, Diebe von regulären Waldarbeitern zu unterscheiden. Beide benutzen dieselbe Ausrüstung und ähnliche Fahrzeuge.

Aufgrund der Größenordnung geht die Polizei im aktuellen Fall von Profis aus – von denen bislang jedoch jede Spur fehlt. „Noch haben sich keine Zeugen gemeldet“, sagt der Sprecher. Dass die Waldbesitzerin den Diebstahl erst nach gut zwei Monaten bemerkte, ist wohl Pech. „Es gibt keine Pflicht, regelmäßig nach seinem Wald zu schauen“, sagt er. So konnten die Diebe zwischen dem 1. Dezember und dem 7. Februar Baum um Baum fällen und abtransportieren – erst da fiel der Besitzerin auf, dass von ihrem einstigen Wald nur noch Baumstümpfe übrig waren.

Aktualisierung, 11. Februar:

Der Holzdiebstahl ist aufgeklärt. Kommunikation scheint in der Familie der Waldbesitzerin keinen sehr hohen Stellenwert zu haben: Wie sich jetzt herausstellt, hatte der Sohn die Bäume fällen lassen, seiner Mutter aber nichts davon gesagt. Wie Polzeisprecher Heiko Schmidt dem Berliner Kurier sagte, habe er ihr helfen wollen. Er hatte sich nach dem Zeugenaufruf bei der Polizei gemeldet.