In Deutschland werden 10 Menschen pro Tag HIV-positiv getestet

Heute beginnt in Durban (Südafrika) die Welt-Aids-Konferenz. Mit dabei sind Forscher*innen, Politiker*innen und Betroffene. Sie tauschen neueste Erkenntnisse aus und wollen einen gemeinsamer Aktionsplan für die Zukunft entwickeln. Wie ist die momentane Situation in Deutschland?

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Aids-Schleife als Symbol für Solidarität © Photo by China Photos/Getty Images

Die Welt-Aids-Konferenz ist die weltweit größte Convention zu einer Krankheit. Laut einer aktuellen Pressemitteilung beschäftigen sich die Teilnehmer*innen dieses Jahr besonders mit dem Einfluss diskriminierender Gesetze und Politik in Ländern, die den Zugang zu HIV-Prävention und Behandlung erschweren oder sogar unmöglich machen. In mindestens acht Staaten werden beispielsweise Männer und Trans-Frauen, die der dort illegaler Homosexualität verdächtigt werden, zu erniedrigenden „Anal-Tests“ gezwungen. Die zerstören die Arzt-Patient*innen-Beziehung und erschweren so die HIV-Prävention.

Die Situation in Deutschland

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen gibt an, wie viele positive HIV-Tests im jeweiligen Jahr gemacht wurden. Die Neudiagnosen steigen in Deutschland langsam, aber stetig an. Im Jahr 2015 wurden 3674 Menschen positiv getestet. Das sind durchschnittlich 10.06 Menschen am Tag. Die Zahl der Neudiagnosen sagt allerdings nichts über die Neuinfektionen aus. Die schätzt das Robert Koch-Institut konstant auf 3200 Menschen im Jahr.

Holger Wicht, Pressesprecher der deutschen Aids-Hilfe, sagt im Interview mit ze.tt, die gestiegenen Neudiagnosen seien eher als gutes Zeichen zu sehen – bedeute es doch, dass die Präventionsbotschaften ankommen und sich mehr Menschen auf HIV testen lassen. Einen geringen Anteil an den Neudiagnosen haben auch Migrant*innen, die bereits positiv nach Deutschland einreisen und hier erneut positiv getestet wurden.

Die nachfolgende Karte zeigt die HIV-Neudiagnosen aus dem Jahr 2015 je 10.000 Einwohner in Deutschland. In Hamburg und Berlin sind die Neudiagnosen am höchsten, in Brandenburg und Thüringen dagegen am niedrigsten. Gründe dafür sind laut Wicht spekulativ: Es kann beispielsweise daran liegen, dass in Metropolen mehr Menschen mit HIV infiziert sind. Gleichzeitig sind HIV-Tests verfügbarer als in ländlicheren Regionen.

Noch immer wird HIV in Deutschland stigmatisiert. Dabei muss die Krankheit schon lange kein Todesurteil mehr sein – viele Ärzt*innen und Sozialarbeiter*innen im Bereich HIV vergleichen die Infektion mit dem Virus eher mit Diabetes. HIV ist eher als chronische Krankheit zu betrachten, mit der es sich bei Therapietreue gut leben lässt. Das höchste Risiko, sich anzustecken, haben Menschen, die Drogen injizieren und ihre gebrauchte Spritzen tauschen. Danach folgt ungeschützter Analverkehr, danach ungeschützter Vaginalverkehr.

Dank der Einführung der antiretroviralen Therapie (ART) vor 20 Jahren gibt es eine hochwirksame Therapiemöglichkeit. Betroffene nehmen inzwischen eine Tablette am Tag und sind so quasi nicht mehr ansteckend. Sex mit einem Menschen, der sich in Therapie befindet, wird als Safer Sex eingestuft.

Mit der PrEP gibt es eine Pille, die die Infektion mit HIV verhindert, solange sie täglich eingenommen wird. Für Risikogruppen wie Männer, die mit Männern Sex haben, Sexarbeiter*innen und Transsexuelle ist sie ein hochwirksames Instrument zur HIV-Prävention sein. In Deutschland ist die PrEP bisher allerdings nicht zugelassen.

Jede*r Mensch – ob Risikogruppe oder nicht – sollte sich regelmäßig auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen und über mögliche Risikosituationen und Safer-Sex-Strategien informieren. Das geht beispielsweise bei den Testhelden.

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