In diesem Computerspiel gibt es endlich schwule Fußballer

Im Football Manager 2018 können sich Spieler zukünftig als schwul outen. Damit ist es das erste Spiel, das sich mit dem Thema Homosexualität im Profifußball beschäftigt.

Fußballer*innen – ob hetero oder homo oder trans oder asexuell – haltet zusammen! © Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Fußball ist in Deutschland immer noch ein männlich konnotierter Sport: Wer kein heterosexueller Cis-Mann ist, hat wenig zu melden. Frauen werden nicht ernst genommen – selbst wenn sie die Spiele pfeifen – und homosexuelle Männer sind quasi unsichtbar.

Die neue Version des Spiels Football Manager ist da schon etwas fortschrittlicher: Dort kann es passieren, dass sich ein Spieler des Teams outet. Kurz darauf bekommt der Manager eine Nachricht, dass sich die Einnahmen des Vereins erhöht hätten – aufgrund der Unterstützung der LGBTQ-Szene. „Ein Grund, warum wir uns dazu entschieden haben, das zu machen, ist, dass es nun mal schwule Fußballer gibt. Allein gemessen an der Anzahl der Profispieler muss es welche geben, die schwul sind, aber sich nicht outen wollen“, sagte Entwickler Miles Jacobson der BBC. „Ich finde es komisch, dass das immer noch ein Problem im Fußball ist.“ Das Team um Jacobson wolle mit der Funktion zeigen, dass ein Coming-out keine große Sache sei. Sie wollen niemanden missionieren, wohl aber das Thema normalisieren.

Im Spiel können sich allerdings nur die unlizensierten, computergenerierten Spieler outen. Echte Fußballer wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi könnten die Entwickler verklagen. Ob ein Coming-out im Spiel vorkommt, ist zufällig und in manchen Fällen auch abhängig von dem Land, in dem es gespielt wird. „Wir haben uns rechtlich beraten lassen, weil es in einigen Ländern immer noch illegal ist, schwul zu sein. In diesen Fällen respektieren wir deren Gesetze, falls ein Spieler in einem solchen Land lebt, wird es dort kein Coming-out geben“, sagte Jacobson.

Ein schönes Zukunftsszenario

Sicherlich wäre es toll, wenn es eine solche Coming-out-Funktion nicht geben müsste. Wenn es tatsächlich keine große Sache wäre. Dass es für die Betroffenen aber oft so ist, zeigte ein Interview mit Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Er outete sich 2014, nachdem er den Profisport beendet hatte. Auf die Frage, warum es denn nötig sei, so offen über seine Sexualität zu reden, antwortete er: „Immer wenn ich über einen Fußballer lese, der seine Frau betrogen hat sorry, aber das passiert , wird über seine Sexualität geredet. Selbst wenn ich ins Büro gehe und auf dem Schreibtisch eines Kollegen ein Foto der Partnerin sehe, sagt er mir, dass er heterosexuell ist.“

Es ist sicherlich kein Zufall, dass Profifußballer und andere Sportler*innen oft erst nach dem Ende ihrer Karriere über ihre Homosexualität sprechen  wenn überhaupt. Der Deutsche Fußball Bund hat das Problem erkannt und versucht seit Jahren mit verschiedenen Kampagnen gegen Homophobie im Profifußball vorzugehen. Besonders erfolgreich scheint das bislang aber nicht zu sein, denn aktuell gibt es in der Bundesliga keinen offen homosexuellen Fußballer.