In diesen Situationen verkauft ihr euch im Job unter Wert, ohne es zu merken

Wir alle wollen uns im Job von unserer besten Seite zeigen und eben auch, was wir drauf haben. Doch nicht immer gelingt das – und manchmal merken wir es nicht einmal. Das muss jetzt aufhören.

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Ich kann das! Nein, warte. Doch nicht. © Pexels (CC0)

„Super Präsentation, das hast du echt gut aufbereitet!“, sagte eine Kollegin zu mir. Und statt breit zu grinsen und zu sagen „Yeah, danke!“ und mir selbst auf die Schulter zu klopfen, weil ich eine coole Sau bin, sagte ich: „Äh, ja, danke – ich war mir gar nicht so sicher, ob das wirklich gut ist. Aber ich hatte auch gar nicht so viel Zeit.“ Vorhang zu, Abgang, Vollidiot. Was war das denn?

Und das auch noch, obwohl ich mich eigentlich als selbstbewussten Menschen bezeichnen würde. Vielleicht bin ich also zu ehrenhaft, um mich mit Federn zu schmücken, die mir nicht zustehen? Nun ja, das – oder vielleicht bin ich in diesen Momenten eben doch nicht so selbstbewusst, wie ich dachte. Was ist das nur, dass viele von uns sich dauernd unter Wert zu verkaufen? Oder ein Kompliment ohne weiteren Kommentar nicht annehmen können?

Wie wollen wir uns von unserer besten Seite zeigen, wenn wir sie gleich wieder relativieren, sobald die jemand sieht? Oder sie sogar komplett verneinen? Wieso stellen wir unser Licht ungefragt unter den Scheffel – und merken das manchmal sogar nicht einmal mehr, weil es uns so in Fleisch und Blut übergegangen ist?

Das muss aufhören, wenn man im Job weiterkommen will – denn niemand will eine Führungsperson über sich sitzen haben, die bei einer gut gemeisterten Aufgabe gleich rumstottert, dass ihr diese Ehre ja gar nicht gebühre. Wirklich nicht? Dann mach Platz für jemanden, dem sie gebührt! In welchen Situationen wir besonders dazu neigen und was man ändern kann, hat Kat Boogard hat für The Muse aufgeschrieben. Wir haben uns das mal angesehen.

1. Wenn man zu neuen Herausforderungen viel zu oft nein sagt

Ja, ins kalte Wasser springen ist hart. Und ja, manchmal muss man da auch wieder raus und es wartet nicht sofort jemand mit einem warmen, trockenen Handtuch, um dein gewagtes, aber gescheitertes Experiment wieder in Ordnung zu bringen. Aber auch das gehört im Leben eben dazu. Und manchmal schafft man es ja auch, sich warm zu schwimmen. Trotzdem trauen sich das viele deutlich zu selten. Entweder aus einer echten Angst vor dem Ungewissen oder aber schlicht aus purer Gewohnheit. „Wie, das soll ich jetzt machen? Aber wieso, das mache ich doch nie!“ Exakt.

Aber willst du wirklich die sein, die nie über ihren Schatten springt? Die nichts wagen kann? Ist doch Quatsch. Wer wachsen will, muss sich auch mal etwas stellen, das man bisher noch nie gemacht, gesagt, getan hat. Und das kann schon ganz im Kleinen anfangen. Etwa, in dem man sich vornimmt, im nächsten Monat zu allem ja zu sagen, zu dem man sonst aus Bequemlichkeit nein sagen würde. Mal sehen was passiert – aufregend wird’s auf jeden Fall. Und so ein paar Abenteuer im Alltag können wir doch alle gebrauchen.

2. Wenn du deine eigenen Errungenschaften runterspielst

Mein eigenes Erlebnis zu Beginn des Textes zeigt es ja deutlich: Es ist einfach nur dämlich, seine eigenen Erfolge runterzuspielen. Denn wie sehr ärgern wir uns, wenn wir wissen, dass wir eine super Performance hingelegt haben – und die wird dann von jemand anderes schlecht gemacht. Wie viel Sinn macht es also, selbst dieser andere zu sein? Richtig, gar keinen. Auch wenn es wahrscheinlich ein ganz natürlich Impuls ist, denn die meisten von uns wollen nicht die Person sein, die sich zu sehr an sich selbst erfreut. Aber zwischen: Ich kann nichts und ich kann alles, liegt ein verdammt weites Feld – und das kann man durchaus bespielen, ohne zum arroganten Egozentriker zu werden. Nimm also die nächsten Komplimente einfach mal an und widerstehe dem Wunsch, gleich etwas hinterherzuschieben, dass das Gesagte schmälert. Das ist am Anfang gar nicht so leicht, aber irgendwann geht es in Fleisch und Blut über – versprochen.

3. Wenn du das „Für und Wider“ eindeutig zu oft durchspielst

Kennt ihr diese Situation, dass eure Meinung oder auch Entscheidung gefragt ist und dann haut ihr etwas raus, weil es euch Erfahrung und/oder Bauchgefühl sagen, doch auf einmal… „Ach nein, warte, das ist eine furchtbare Idee!“ „Wie wäre es, wenn wir es so machen.“ „Nein, nein doch nicht, das habe ich noch gar nicht wirklich durchdacht…“

Na klar, bei wichtigen Themen sollten Vorschläge auch zwei oder drei Mal durchdacht werden. Aber man sollte seine Aussagen wirklich nicht dauernd selbst relativieren. Denn wie sollen andere euch vertrauen, wenn ihr es selbst nicht könnt? Setzt doch lieber ein: „Mein erster Gedanke dazu wäre, …“ davor. Damit zeigt ihr, dass es möglicherweise noch Diskussionsbedarf besteht, ohne dass der Aussage gleich etwas Negatives anhängt – nämlich eure Inkompetenz.

4. Wenn du in Gesprächen zu schnell von dir ablenkst

Tausend Mal selbst erlebt, tausend Mal als Zaungast gehört: Man befindet sich auf einem (Netzwerk-)Event, zwei Menschen treffen aufeinander und dann passiert das: „Und was machst du so?“ Darauf gibt das Gegenüber eine knappe Antwort von zwei bis drei Sätzen und setzt dann zum: „Aber genug von mir, ich habe von deinem spannenden neuen Job gehört, erzähl mal“. Zack, und schon hat man das Gespräch von sich weggeschoben und kann sicher gehen, dass der andere am nächsten Tag niemandem erzählen wird, wie viel spannendes wir zum Thema XY zu erzählen hatten.

Netzwerken ist immer ein Geben und ein Nehmen und da sollte man schon ein paar Worte zu sich sagen können. Versuch doch einfach das nächste Mal, den Ball nicht gleich wieder abzugeben, sondern erzähle ein wenig mehr von dem, was bei dir los ist und was sich beruflich gerade so bewegt hat – dein Leben ist nämlich meist sehr viel spannender, als du denkst.

5. Wenn du dich einfach nicht genug ins Spiel bringst

Eigentlich wolltest du deine Chefin ja noch einmal an die gewünschte Gehaltserhöhung erinnern – aber es passt einfach nie und sie hat ja auch so viel um die Ohren. „Die hat das sicher noch auf dem Schirm und kommt bald auf mich zu.“ Du hast eine super Idee, wie man das aktuelle Projekt noch mehr pushen könnte – aber dann denkst: „ist das wirklich ein guter Plan..?“ Und wartest doch lieber noch ab. Oder wenn du endlich mit dieser neuen Sportart anfangen willst, dir dann aber einfällt: So sportlich bist du doch gar nicht.

Tja, dann verkaufst du dich einfach unter Wert. Es ist die eine Sache, Herausforderungen oder neue Möglichkeiten auszuschlagen, wenn sie einem in den Weg fallen – aber ihnen von selbst permanent aus dem Weg zu gehen, ist eine schwierige Strategie, wenn man irgendwann woanders hinkommen will, als dahin, wo man aktuell steht. Wenn du das nächste Mal vor einer dieser Situationen stehst, dann renn los und wirf dich ins Geschehen. Und bevor du jetzt ein  „Aber!“ in die Runde schmeißt, überleg dir lieber, was das Schlimmste wäre, was passieren würde, wenn du das tust. Meist ist das nämlich nicht so wild, wie man denkt.

Schon klar, ihr wollt nicht die Person sein, die permanent von den eigenen Erfolgen, dem Job, dem überragenden Privatleben erzählt – und damit anderen auf die Nerven geht. Aber wie gesagt: Zwischen „Ich bin nix“ und „Ich bin alles“ liegt ganz viel Raum, der bespielt werden kann und soll. Nutzt das und zeigt, wer ihr seid!

Von Silvia Follmann auf EDITION F.

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