In dieser Stadt sollen die Bürger*innen ein Jahr länger leben

Acht Jahre lang begleiten Forscher*innen die Verwaltung der baden-württembergischen Stadt Gaggenau. Ihr Ziel: Die Bewohner*innen sollen durch Verbesserungen ein Jahr länger leben. Ein Anruf beim Bürgermeister.

Stadt Gaggenau.

30.000 Einwohner, 11.000 Arbeitsplätze: Gaggenau in Baden-Württemberg. Stadt Gaggenau.

Gaggenau liegt 30 Kilometer südlich von Karlsruhe und soll bald Modellstadt werden. Acht Jahre lang wollen Forscher*innen dort untersuchen, welche Lebensumstände ein besonders hohes Alter ermöglichen. „Noch nie konnte in einem Feldversuch dieser Größe ein solches Unterfangen umgesetzt werden“, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) der Deutschen Presseagentur. Das Projekt in der 30.000-Einwohner*innen-Kommune steht unter dem Motto „Ein gutes Jahr mehr“ und wird vom Mannheimer Zentrum für seelische Gesundheit begleitet. Das Land gibt dafür jährlich 350.000 Euro.

ze.tt hat mit dem 60-jährigen Bürgermeister Christof Florus (parteilos) gesprochen.

Christof Florus ist noch sieben Jahre im Amt. © Stadt Gaggenau

Glückwunsch, Herr Florus, Ihre Bürger leben bald ein Jahr länger.
Das ist die Aussage des Mannheimer Professors Joachim Fischer, der das Projekt begleitet. Ich sage eher: ‚Gaggenau soll lebenswerter werden‘.

Ist ihre Stadt denn momentan nicht lebenswert?
Im Gegenteil. Wir haben eine tolle Lage im Murgtal, Vollbeschäftigung, 190 Vereine und tolle Betreuungsangebote für Jung und Alt.

Warum brauchen Sie dann das Projekt?
Ich bin Perfektionist, man kann Dinge immer besser machen.

Was genau wird in Ihrer Stadt in den acht Jahren passieren?
Das ist schwer zu erklären. An erster Stelle steht eine Bestandsaufnahme. Wir prüfen zum Beispiel in Kindergärten und Schulen, welche Rolle Sport und Ernährung spielen. Wir erheben dort Daten, vergleichen sie mit Benchmarks und schauen dann, wo wir gegebenenfalls besser werden können. So können wir zum Beispiel später Diabetes verhindern. Das werden wir auf alle Bereiche ausweiten – vom Baby bis zum Senior. Das sind viele kleine Details. Wie sich das statistisch auf das Alter der Bürger auswirkt, wird man dann sehen.

Klingt bürokratisch.
Das wird sehr praxisnah. Wir machen ja jetzt schon viel. Wir haben zum Beispiel im Seniorenbereich betreutes Wohnen und Essen auf Rädern. Künftig bekommen wir dafür noch wissenschaftliche Unterstützung. Man kann das mit anderen Städten vergleichen und optimieren, es ist wie eine Art Controlling.

Ist es nicht unfair, dass eine Stadt, der es ohnehin schon gut geht, die Unterstützung bekommt?
Es war Zufall, weil ich Professor Fischer auf einer Konferenz kennengelernt habe, bei der es ums Gesundheitsmanagement ging. Der Rest ist dann im persönlichen Gespräch entstanden. Ob noch andere Städte in der Auswahl waren, weiß ich nicht. Aber für die Forscher ist es ein Vorteil, weil ich hier ein gutes Netzwerk habe und die Stadt nicht so groß ist.