Bei den Finnen ist Sport Staatssache

41 Prozent der Europäer machen mindestens einmal die Woche Sport. Bei der jüngsten EU-Studie zur körperlichen Betätigung zeigte sich, Schweden (70 Prozent), Dänemark (68 Prozent) und Finnland (66 Prozent) sind am bewegungsfreudigsten. In Finnland gehört Sport zum Alltag.

jussihellsten/Instagram

Die Finnen gehören mit den Schweden und Dänen zu den sportlichsten Europäern. jussihellsten/Instagram

Sie schwimmen und springen über Seile in ehemaligen Luftschutzbunkern oder besuchen Aerobickurse in einer Schokoladenfabrik  – Finnen machen wirklich überall Sport. Grund dafür ist die staatliche Förderung körperlicher Bewegung. Seit 2013 setzt das finnische Gesundheitsministerium das Vorhaben „On the Move“ um – Finnen haben demnach ein Recht darauf, sich körperlich zu bewegen. „Es ist fast ein Sozialrecht, Bürgern Sportmöglichkeiten anzubieten“, sagt Hanna Vehmas, Sportwissenschaftlerin an der Universität Jyväskyla, gegenüber npr.com.

Finnen schwimmen im Luftschutzbunker tissiposki/imgur

Das sei so „ein nordisches Ding“, meint Vehmas, das seit der 70er Jahre vorherrsche – der Zeit, in der Finnland begann, selbst in den kleinsten Städten Sporthallen zu subventionieren. Heute gäbe es mehr als 30.000 Sporteinrichtungen in ganz Finnland. Bei 5,4 Millionen Einwohnern teilen sich 180 Finnen eine Sporteinrichtungen – so gut ist das Verhältnis nirgends auf der Welt.

Die Finnen lieben das Sport-Überangebot. Viele fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit, laufen Ski, schwimmen in den ganzjährig geöffneten Schwimmbädern oder spielen Futsal im Verein.

Finnen machen Workout im Luftschutzbunker tissiposki/imgur

„Heutzutage fördern 90 Prozent der Arbeitgeber die Fitness ihrer Angestellten“, sagt der finnische Gesundheitsexperte Ossi Aura gegenüber npr.com. Die Unternehmen investieren in die Sportlichkeit ihres Personals jährlich rund 200 Euro pro Mitarbeiter. Die Ausgaben können sie nicht nur steuerlich absetzen, sondern haben im Endeffekt auch gesünderes Personal: „Dadurch, dass die Krankschreibungen reduziert werden, werden das Zusammengehörigkeitsgefühl und der Teamgeist gestärkt sowie das Image des Arbeitgebers verbessert“, sagt Matleena Livson vom Finnischen Sportbund.

Finnen schwimmen in Luftschutzbunkern tissiposki/imgur
Finnen springen über Seile im Luftschutzbunker tissiposki/imgur

Doch die Sport-Euphorie in dem nordischen Land könnte jäh abebben. Denn die staatlichen Mittel sollen gekürzt werden. Grund dafür sei die zunehmende Kommerzialisierung des Sports, sagt Vehmas. „Sportangebote zu schaffen ist immer mehr zur Aufgabe der Privatwirtschaft geworden“, sagt die Sportwissenschaftlerin. „Sportmachen ist stärker als zuvor ein Konsumgut geworden, etwas, das du dir kaufen musst. Und entweder du kannst es dir leisten oder nicht.“