In Frankreich muss künftig angegeben werden, ob Modelfotos retuschiert wurden

Das Gesetz könnte dazu beitragen, dass weniger junge Menschen an Magersucht erkranken.

Frankreich ist im internationalen Vergleich Vorreiter, was den Kampf gegen Magersucht angeht. Foto: Maurizio Gambarini dpa

Vor etwa vier Jahren zog ein YouTube-Video durch so ziemlich alle Timelines des Internets. Im Zeitraffer sah man, wie sich eine junge Frau nach einem Fotoshooting durch Lichteinstellungen, Make-up und Photoshop zu etwas transformierte, das ihrem natürlichen Selbst nur noch entfernt glich.

Das fertige Foto hatte am Ende etwa so viel mit der Frau zu tun, wie eine Tütentomatensuppe mit frischen Tomaten.

Auch wenn die meisten Menschen wissen, dass die wunderschönen Menschen auf Hochglanzmagazinen nur dank Photoshop so perfekt aussehen, streben trotzdem viele nach so glänzenden Haaren, so großen Augen, so vollen Lippen und so flachen Bäuchen wie auf eben diesen Fotos. Auch wenn die Menschen auf diesen Fotos Ideale sind, die ohne Bildbearbeitungsprogramme kaum zu erreichen sind.

Ab 1. Oktober tritt in Frankreich nun ein Gesetz in Kraft, laut dem jedes Bild, bei dem die Figur eines Models nachträglich per Bildbearbeitung verändert wurde, gekennzeichnet werden muss. Wenn also abgebildete Models dicker oder dünner, größer oder kleiner gemacht werden, muss ein Hinweis platziert werden: retouched photograph oder photographie retouchée. Ohne diesen Hinweis drohen mehrere Zehntausend Euro Strafe.

Der Kampf gegen die Magersucht

Ziel des Gesetzes ist es, Magersucht zu bekämpfen. Das Problem mit künstlich entstellten Fotos ist, dass sich gerade viele junge Menschen sich diese Körpermaße zum Vorbild nehmen. 2011 verurteilte die American Medical Association Bildbearbeitung mit folgender Begründung: „Eine Vielzahl von Studien zeigt eine Verbindung zwischen von Medien verbreiteten unrealistischen Körperfotos und Essstörungen sowie anderen Gesundheitsproblemen bei Kindern und Jugendlichen.“

Zusammen mit der Kennzeichnungspflicht für bearbeitete Bilder hat Frankreich zudem ein Gesetz verabschiedet, das Magersucht bei Models eindämmen soll. Damit diese in Frankreich arbeiten dürfen, brauchen sie eine Bestätigung von einem Arzt, dass ihr Gesundheitszustand mit ihrer Arbeit vereinbar ist. Dabei wird der Body-Mass-Index in Relation zur Größe bewertet.

Wie der Spiegel schreibtleiden rund 600.000 junge Menschen in Frankreich unter Essstörungen, davon 40.000 unter Anorexie. Bei den 15- bis 24-Jährigen sind Essstörungen die zweithäufigste Todesursache nach Straßenunfällen.

Das nun in Kraft tretende Photoshop-Gesetz scheint bereits erste Auswirkungen zu haben: Die internationale Bilddatenbank Getty Images hat angekündigt, keine Fotos mehr von Models anzubieten, bei denen durch Bildbearbeitungsprogramme die Körperform geändert wurde.