In Island könnte eine dichtende Piratin Premierministerin werden – richtig Bock hat sie aber nicht

Nachdem letzte Woche der amtierende Premierminister von Island, Sigmundur David Gunnlaugsson, wegen der Enthüllungen um die Panama Papers zurück getreten ist, gewinnt die Piratenpartei dort neuen Einfluss – und mit ihr Parteichefin Birgitta Jonsdottir.

© Halldor Kolbeins/AFP/Getty Images)

Dichterin und Piratin – gute Voraussetzungen? © Halldor Kolbeins/AFP/Getty Images)

Island erlebt derzeit einen massiven politischen Umbruch der politischen Stimmung. Wären gerade Wahlen, würden laut einer Meinungsumfrage des Instituts Gallup und den isländischen Medien fast die Hälfte der Bevölkerung die Piratenpartei wählen. Aktuell hält sie gerade mal drei Sitze im Parlament. Im Herbst stehen die nächsten Wahlen an – die könnten die Piraten beflügeln.

An der Spitze der Piratenpartei steht momentan Birgitta Jonsdottir, die die Partei 2012 mit gründete und zuvor für WikiLeaks arbeitete. Sie war beispielsweise verantwortlich für die Veröffentlichung eines ursprünglich geheim gehaltenen Videos, das einen Hubschrauber-Angriff des US-Militärs in Baghdad zeigte, durch den 12 Menschen getötet wurden, darunter zwei Journalist*innen der Nachrichtenagentur Reuters.

[Ausserdem bei ze.tt: Panama Papers: Ein Blick hinter die Kulissen]

Jonsdottir sagte in einem Interview mit Reuters, ihre Piratenpartei gehöre zu derselben globalen Bewegung, die auch den Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders in den USA und den griechischen Premierminister Alex Tsipras mit seiner linksgerichteten Partei Syriza hervorgebracht hat. Ihre ersten politischen Schritte wären es, eine neue Verfassung zu erlassen. Aber sie ist sich nicht sicher, ob sie den Job überhaupt will.

„Das ist nichts, worüber ich nachdenke. Ich hatte letztens sogar einen Albtraum darüber – und dazu gleich ein Gedicht geschrieben“, sagte sie Reuters. In einem anderen Interview erklärte sie jedoch, dass sie dann bereit stünde, wenn niemand sonst den Job machen will oder kann.

Ersatz innerhalb der Partei gäbe es genug, denn die Piratenpartei hat ein Rotationsprinzip für ihre Parteichef*innen, daher kommen ebenfalls Helgi Hrafn Gunnarsson oder Asta Helgadottir für den Posten in Frage.