In Saudi-Arabien dürfen Frauen endlich Auto fahren

Saudi-Arabien erlaubt Frauen Mitte nächsten Jahres erstmals das Autofahren. Die Neuregelung ist Teil eines größeren Reformplans.

Aktivistin Manal Al Sharif kämpft schon länger für die Rechte der Frauen. © MARWAN NAAMANI/AFP/Getty Images

Bislang ist Saudi-Arabien das einzige Land weltweit, in dem Frauen nicht Autofahren dürfen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur meldet, hat der König des Landes, Salam, jetzt per Dekret erlassen, dass Frauen das Autofahren in Zukunft erlaubt sein wird. Doch bevor es in dem konservativen Königreich so weit ist, dauert es noch etwas. Erst im Juni 2018 soll die Änderung in Kraft treten.

Wie die Süddeutsche berichtet, gibt es in Saudi-Arabien bisher kein Gesetz, das es Frauen verbietet, ein Auto zu lenken. Die Behörden würden ihnen aber keinen Führerschein ausstellen. Zudem hätten die ultrakonservativen Kleriker*innen allerlei Bedenken dabei, Frauen ans Steuer zu lassen. Von möglicher Unfruchtbarkeit, größerer Vergewaltigungsgefahr und fehlenden Gehirnkapazitäten ist die Rede, wie der Zusammenschnitt von AJ+ zeigt.

Conservative Saudis Discuss Women Driving

These Saudi misogynists must be freaking out that women might be able to drive in 2018.

Posted by AJ+ on Tuesday, September 26, 2017

Frauen, die sich in der Vergangenheit trotzdem hinters Steuer wagten, wurden verhaftet und auch mit Gefängnisaufenthalten bestraft. So auch Manal al-Sharif, die sich 2011 dabei filmen ließ, wie sie durch die Stadt Khobar fährt und das Video anschließend ins Netz stellte. Die Aktion wurde im Internet viel geklickt. Manal al-Sharif wurde vorübergehend festgenommen. Obwohl sie wieder freikam, lebt sie mittlerweile in Australien. Saudi-Arabien mache sie und die anderen neun Millionen Frauen dort zu Sklavinnen, erklärte sie gegenüber der Welt.

[Außerdem auf ze.tt: Saudi-Arabien gründet Rat der Mädchen – ohne Mädchen]

Reform versus Repression

Die nun eingeleitete Änderung ist Teil einer breit angelegten Reform-Agenda des 32-jährigen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der im Juni 2017  die Thronfolge übernahm. Unter dem Titel Vision 2030 will er die Wirtschaft umbauen und von den Öleinnahmen unabhängiger machen. Aber auch gesellschaftlich soll sich das Land verändern. So durften zum Nationalfeiertag am Wochenende Frauen erstmals bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag in einer Sportarena teilnehmen, allerdings nur in einem separaten Bereich. Im Juli erlaubte das Bildungsministerium die Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht staatlicher Schulen.

Trotzdem ist Saudi-Arabien noch weit von westlichen Standards entfernt. Kritiker*innen werten die Ausweitungen der Frauenrechte sogar nur als Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen. So wies Human Rights Watch erst Mitte September darauf hin, dass die Regierung mehr als 20 einflussreiche Kleriker*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen festgenommen hatte: „Die angeblichen Bemühungen der Saudis, den Extremismus zu bekämpfen, sind nur Show, wenn die Regierung Menschen am Ende für ihre politischen Einstellungen einsperrt“.