In Webshops gibt es Schlauchboote für die Flucht über das Mittelmeer

Im Internet bieten Firmen „besonders stabile“ Boote speziell für die Flucht über das Mittelmeer an. Es ist nicht der einzige Wirtschaftszweig, der von der Not Geflüchteter profitiert.

Geflüchtete nahe Lampedusa © Chris McGrat/Getty Images

Auf der chinesischen Shoppingseite alibaba.com werden normalerweise T-Shirts, Autos und Klimaanlagen verkauft. Gibt man den Begriff Refugee in das Suchfeld ein, erscheinen Container im Wert von 2.000 bis 2.400 Euro, die als preiswerte Unterkunft für Geflüchtete oder „besonders hochwertige” Boote für Geflüchtete angepriesen werden.

[Außerdem bei ze.tt: Warum Geflüchtete in überfüllten Lagern und unbeheizten Zelten schlafen]

Die Firmen hinter den Inseraten heißen etwa Dora Zhang Yiwu Hider Water Sports Supplies Co oder Fion Liao Zhejiang Anji Huayu Boat Development Co und sitzen in Shanghai und Ningbo. Fast alle in China. Manche Boote werden explizit für die Rettung von Geflüchteten angeboten, andere für Flüchtende selbst. 

Die Firma Huayu Bootsfahrten verkauft Boote für Geflüchtete ab 700 Euro. Sie sitzt im Yangtze River Delta in China und ist auf aufblasbare Schlauchboote spezialisiert. Die Hersteller beschreiben seine Arbeit selbst so: „Mit einem professionellen Team produzieren wir Treibboote, Sturmboote und bieten jedes Jahr neue Designs, die sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene begrüßt werden.“

Vorschläge für den Suchbegriff „Refugee“ auf dem chinesischen Shoppingportal © Screenshot alibaba.com

Lukrativer Wirtschaftszweig

Doch nicht nur, dass das chinesische Shoppingportal Kapital aus der humanitären Krise schlägt. Wie die FAZ berichtet, boomt auch in Deutschland ein regelrechtes Flüchtlingsbusiness. Nach deren Recherchen verdienen Hotels, Ärzt*innen, Feldbettenhersteller*innen, Containerfirmen, Putzfirmen, Krankenkassen und Baufirmen besonders gut daran. 2016 kamen etwa 280.000 Geflüchtete nach Deutschland. Im Jahr zuvor waren es 890.000. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein Wirtschaftszweig entsteht, der versucht, mit dem Schicksal dieser Menschen Geld zu machen.

So stiegen etwa die Umsätze von deutschen Matratzenhersteller*innen um mehr als ein Fünftel durch die Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015 an. Auch internationale Funkbetreiber, die sich auf sogenannte Ethno-Tarife spezialisiert haben, sehen in den Geflüchteten eine neue Zielgruppe. Zahlreiche leerstehende Immobilien und Hotels wurden zu Quartieren umfunktioniert, wie dieses Jahr auch in Berlin mit einer großen Hotelkette heftig diskutiert wurde.

Grundsätzlich ist es eine logische ökonomische Folge: Die Nachfrage auf Produkte steigt, ein funktionierender Markt deckt diesen Bedarf. Wenn jedoch Bootsverkäufer*innen in China die aussichtslose Lage von Menschen als Verkaufsargument missbrauchen, ist das einfach erbärmlich. So bekommt Alibaba’s Werbeslogan „Global trade starts here“ einen ziemlich bitteren Beigeschmack.