Instagram will nicht, dass du diese Bilder siehst

Zwei Instagrammerinnen halten die Zensurwut der Fotoplattform für äußerst fragwürdig. Mit einem Buch voller verbannter Bilder strecken sie dem Unternehmen jetzt den Mittelfinger entgegen.

Wenn Instagram ein Foto zensiert, dann erhalten User*innen eine entsprechende Info. So weit, so nett. Doch die Benachrichtigung offenbart nicht, um welches Bild es sich genau handelt. Man muss selbst nach dem Loch im Feed suchen und den Grund für die Zensur kann man in den meisten Fällen bloß erahnen.

„Das macht das betroffene Bild in unseren Köpfen wichtiger, vielleicht weil wir länger darüber nachdenken“, schreiben Arvida Byström und Molly Soda im Vorwort ihres neuen Buches. Pics or It Didn’t Happen ist den verbannten Bildern gewidmet – Instagrams ungewollten Stiefkindern, die oft aus unerfindlichen Gründen beiseite geschafft wurden.

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Um die Bilder aufzutreiben, starteten Byström und Soda einen Aufruf, sammelten gebannte Fotos und fassten sie zusammen. Beim Betrachten offenbart sich schnell, dass Instagram nach kruden Regeln Inhalte entfernt. Nacktheit ist nicht erlaubt, okay, aber warum wird ein bekleideter Frauenhintern gelöscht – etwa weil er für die Fotoplattform zu propper oder nicht weiß genug ist oder weil zu viele Haare zu sehen sind?

Die beiden Autorinnen verstehen ihr Buch auch als Diskussion über Körper. „Speziell darüber, welche Körper als ‚gefährlich‘ und welche als ‚sicher‘ wahrgenommen werden“, schreiben sie. Für Byström und Soda ist dabei eine klare Bevorzugung von gängigen Schönheitsidealen zu erkennen. „Nimm zum Beispiel zwei Bilder von Menschen, die den gleichen Badeanzug tragen, eine Person hat ihre Bikinizone rasiert oder gewachst, die andere nicht. Das Bild mit dem haarlosen Körper läuft weniger Gefahr, gelöscht zu werden.“

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Ergänzt wird der Bildband um drei Texte, die sich inhaltlich mit der widersprüchlichen Zensurpolitik Instagrams auseinandersetzen. Gutes Futter für alle, die ihr Argumentationsarsenal gegen große Social-Media-Plattformen aufstocken wollen.

„Pics or It Didn’t Happen“ ist im April bei Prestel in Deutschland erschienen. Wir zeigen eine Auswahl der Bilder mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

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