Iranische Männer tragen Kopftuch, um Solidarität mit Frauen zu zeigen

Seit der Iranischen Revolution 1979 sind Frauen im Iran dazu verpflichtet, Haar und Nacken in der Öffentlichkeit zu verdecken. Für die Kampagne „My Stealthy Freedom“ zeigen sich Männer jetzt im Hijab.

Foto: Instagram masih.alinejad

Männer tragen Hijab. #meninhijab #mystealthyfreedom Foto: Instagram masih.alinejad

„Seit meiner Kindheit sind Frauen in meiner Generation dazu gezwungen, Kopftücher zu tragen. Seit Jahren müssen wir diese Einschränkung unserer Würde ertragen“, sagt Masih Alinejad. Die Journalistin und Aktivistin lebt zurzeit in New York.

2004 initiierte sie die Kampagne My Stealthy Freedom, welche Frauen dazu ermutigt, sich „in einem heimlichen Moment“ ohne Kopftuch zu zeigen. Mashi ruft Frauen dazu auf, sich an nicht-öffentlichen Plätzen ohne Kopftuch zu fotografieren und diese Bilder zu veröffentlichen.

Die Kampagne entwickelte sich zu einer Bewegung in den Sozialen Medien. Der Guardian berichtete, dass die Facebook-Seite von „My Stealthy Freedom“ allein nach zehn Tagen schon 130.000 Likes zählte. Heute hat die Kampagne mehr als eine Millionen Fans.

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„In unserer Gesellschaft ist die weibliche Identität nur durch den Mann bestimmt. Oft vermitteln religiöse und politische Autoritäten, dass der Mann die Macht über die Frau haben sollte. Deshalb dachte ich, es sei fantastisch, auch Männer dazu zu ermuntern, sich für die Rechte von Frauen einzusetzen“, sagte Alinejad dem Independent.

Seit dem 22. Juli ruft sie mit dem Hashtag #meninhijab Männer dazu auf, sich in Kopftuch und mit ihren unverdeckten Frauen abzulichten. Bisher erreichten sie 30 Fotos von mutigen Männern, die ihrem Aufruf folgten. Manche posten ihre Fotos auch direkt bei Instagram, schrieb der Independent.

Die iranische Regierung hält jedoch dagegen: Auf öffentlichen Plakaten verurteilen sie Frauen ohne Kopftuch als unwürdig. Frauen, die sich auf der Straße ohne Kopfbedeckung zeigen, drohen Geld- oder sogar Gefängnisstrafen.

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Das begrenzt sich nicht nur auf das Leben auf der Straße. Im Mai berichtete der Independent, dass iranische Polizisten acht westlich gekleidete Models verhafteten, weil sie „unzüchtige Fotos“ von sich posteten. Eine Abgeordnete wurde ihres Amtes verwiesen, weil man im Internet Fotos von ihr ohne Kopftuch entdeckte.

Männer berichteten, dass sie sich immer für den Hijab-Zwang ihrer Mütter und Schwestern schämten und dass ihre männlichen Verwandten das oft genauso sähen. Bei der iranischen Hitze sei es oft unerträglich, in solcher Kleidung aus dem Haus zu gehen.

Diese Männer möchten den Frauen auf Augenhöhe begegnen und geben ihnen auf diese Weise ein Stück verlorene Würde zurück.

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