Italien will Menstruationsurlaub einführen und alle rasten aus

In Italien wird über die Einführung eines Menstruationsurlaubes diskutiert. Ob dieser die Situation der Betroffenen verbessern würde, steht allerdings noch zur Debatte.

Nicht alle Frauen menstruieren regelmäßig. Foto: Adrian Sava | CC0

Produktiv zu sein, während dein Uterus versucht, seine Innenwände abzuschälen, ist nicht gerade leicht. Zumal der ganze Spaß gern von stechenden Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Krämpfen und natürlich blutiger Unterwäsche begleitet wird. Wenn zu menstruieren sich also anfühlt wie eine Magen-Darm-Grippe, warum stehen Frauen dann keine bezahlte Urlaubstage während ihrer Periode zu?

Italien stimmt ab

Das dachten sich wohl auch Maria Iacono, Romina Mura, Simonetta Rubinato und Daniela Sbrollini. Die Abgeordneten hatten einen entsprechenden Vorschlag im italienischen Parlament eingebracht. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, könnten menstruierende Personen mit einem ärztlichen Attest bis zu drei Tage bezahlten Urlaub im Monat nehmen.

Italien wäre der erste Staat in Europa, der so ein Regelung einführen würde. Was hier kontrovers diskutiert wird, ist in anderen Ländern allerdings ein alter Hut. In Asien steht Menstruierenden je nach Land ein Urlaub von ein bis drei Tagen zu, wenn sie unter starken Beschwerden leiden – und das teilweise schon seit den 1940er Jahren!

So einfach ist es aber nicht

An Staaten wie Japan, Südkorea und Taiwan lässt sich allerdings auch ablesen, wie solche Gesetze Frauen zum Verhängnis werden können. Immer weniger Frauen nehmen ihr Recht in Anspruch, aus Angst vor Repressalien. Sie fürchten, nicht als vollwertige Mitarbeiterinnen gesehen zu werden und ihre Vorgesetzten zu verärgern, sollten sie den Menstruationsurlaub zu häufig in Anspruch nehmen.

[Außerdem bei ze.tt: Meine Periode und ich – eine Hassliebe in Bildern]

Das Hauptproblem ist, dass Menstruationsurlaube nichts nützen, wenn die Gesellschaft selbst sexistisch ist. Sich ein oder zwei Tage freizunehmen, wird von männlichen Kollegen und Vorgesetzten als Schwäche gesehen, wenn diese nicht verstehen, wie der weibliche Körper funktioniert.

Eine Menstruation ist aber eben nicht einfach bloß Blut, das rausläuft, es ist für 90 Prozent der Frauen mit Schmerzen verbunden. Aktuelle Studien legen sogar nahe, dass manche Regelschmerzen sich genauso schlimm anfühlen wie ein Herzinfarkt. Kein Wunder also, dass die meisten Menstruierenden sich einfach nur zu einem Ball zusammenrollen und mit einer Wärmflasche im Bett verkriechen wollen.

Gut gedacht, nichts gewonnen

Die Idee, Frauen einen Menstruationsurlaub zuzugestehen ist gut. Wenn solche Gesetze dazu führen, dass Mitarbeiterinnen gegängelt und diskriminiert werden, sind sie aber eine Katastrophe. Am Ende nähren sie dann nur die Überzeugung vieler Maskulisten, dass Frauen zum Arbeiten einfach nicht gemacht sind.

[Außerdem bei ze.tt: Blut-Brunnen-Protest: Schweizerinnen wehren sich gegen zu teure Tampons]

So schmerzlich diese Erkenntnis ist, sie enthüllt einen anderen entscheidenden Missstand in den meisten Gesellschaften: Wir müssen ehrlicher über Perioden sprechen. Nicht nur, damit Frauen sich nicht mehr dafür schämen, sich wegen starker Regelschmerzen krankzumelden, sondern auch um das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein zu erhöhen. Die Tabuisierung des Themas führt nämlich auch dazu, dass tatsächlich behandlungswürdige Periodenschmerzen, zum Beispiel auf Grund einer Endometriose, von Frauen und Gynäkolog*innen nicht erkannt werden.

Vielleicht sollten wir also damit anfangen, dass an Schulen nicht nur über Fortpflanzung, sondern auch über Regelschmerzen gesprochen wird. So könnte die nächste Generation von Kollegen und Vorgesetzten vielleicht besser verstehen, warum ein bezahlter Menstruationsurlaub das Mindeste ist, was man Mitarbeiter*innen anbieten sollte.