Japanischer Forscher entdeckt zufällig, wie Eis nicht mehr schmilzt

Stellt euch vor, ihr müsstet euch mit eurem Eis nie wieder Stress machen, weil es nicht mehr zerfließt. In Japan ist das jetzt Realität – und zwar ohne Chemiekeule.

Die unendliche Schönheit eines nichtschmelzendes Eises. © Stocksnap / Hannah Morgan

Der Eiscremegenuss ist immer auch ein Kampf mit der Zeit. Sind wir beim Schlotzen nicht schnell genug, wird das Eis zu einer zuckrigen Brühe. Wirklich genießbar ist das dann nicht mehr.

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Doch womöglich gehört das Thema bei uns schon bald der Vergangenheit an. In Japan tut es das bereits: Ein Forscher entdeckte zufällig, dass Eis unter Zugabe eines einzigen organischen Stoffes nicht mehr schmilzt, wie The Asahi Shimbun berichtet.

„Mach mal irgendwas mit Erdbeeren“

Das Biotherapy Development Research Center beauftragte einen Pâtissier aus Miyagi im Nordosten des Landes, ein neues Konfekt auf Basis eines in Erdbeeren enthaltenen Polyphenols zu entwickeln. Aufgrund der Tsunamikatastrophe in der Region hatte es die lokale Erdbeerproduktion schwer in den vergangenen sechs Jahren. Die Qualität der Früchte schwankte seither stark, also mussten neue Marketingwege her, um den Bäuer*innen zu helfen.

Die Lösung sollte sein, aus der Pampe der B-Ware Polyphenole zu extrahieren und mit deren Hilfe ein neues Lebensmittel zu kreieren. Natürliche Polyphenole kommen in verschiedenen Pflanzen vor, etwa als Farb- oder Geschmacksstoffe.

Doch das Experiment misslang: Der Pâtissier beschwerte sich darüber, dass Milchprodukte fest würden, sobald er den Stoff hinzugeben würde. Er dachte, irgendwas stimme nicht mit den Erdbeeren.

Diese Aussage machte Tomihisa Ota hellhörig. Der Pharmazie-Professor der Kanazawa-Universität begann, mit Polyphenol aus Erdbeeren in Verbindung mit Speiseeis zu forschen. Und entwickelte eines, das nicht mehr schmilzt, selbst nach einer halben Stunde bei 30 Grad im Schatten nicht.

Das Eis ist bereits ein Verkaufsschlager

„Das Eis bleibt am Stiel länger in seiner ursprünglichen Form und es wird schwer, es zum Schmelzen zu bringen“, sagt Ota. Eis besteht aus Fett, gefrorenem Wasser und Luftblasen. Wenn es zu warm wird, werden die Eiskristalle flüssig, die Luftblasen gehen kaputt, das Eis schmilzt. Das Polyphenol zwingt das Fett dazu, sich wie ein Schutzfilm über Wasser und Luftblasen zu legen. Et voilá: Das Eis schmilzt nicht mehr, weil das Wasser nicht durch den Fettschutzfilm kommt.

Das Biotherapy Development Research Center produziert das nichtschmelzende Wassereis laut Asahi Shimbun in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Formen seit April und verkauft es erfolgreich in einem kleinen Geschäft in Kanazawa, es beliefert außerdem Outlets in Osaka und Tokio. Der Chef der Herstellerfirma sagt, das Eis schmelze nicht einmal dann, wenn man es unter einen Fön halte.

Doch das Polyphenol garantiert nicht nur stressfreien Eisgenuss; der Stoff wirkt zudem gesundheitsfördernd. Er hemmt Entzündungen und kann sogar Krebs vorbeugen. Bleibt zu hoffen, die deutsche Eisproduktion lässt sich von den Kolleg*innen aus Japan inspirieren – dann könnten auch wir vielleicht schon kommenden Sommer nichtschmelzendes Eis genießen.