Jimmy Kimmels Wutrede: Man kann nichts gegen Massaker wie in Las Vegas tun? Von wegen!

„Kein Amerikaner braucht ein Maschinengewehr. Oder gleich zehn davon.“

"Warum lassen unsere Politiker zu, dass so etwas weiter passieren kann?" Screenshot: Youtube

Sonntag, 22 Uhr. Zehntausende Menschen lauschen der Musik von Jason Aldean. Er ist der letzte Act des Tages auf dem Route 91 Harvest, einem dreitägigen Countrymusik-Festival in Las Vegas. Dann fallen Schüsse.

Aus dem 32. Stock eines Hotels, das neben dem Festivalgelände steht, erschießt der 64-jährige Stephen Paddock am Sonntagabend mindestens 59 Menschen. Mehr als 400 müssen verletzt in Krankenhäuser gebracht werden.

In zehn Koffern hatte der Täter mehr als 30 Pistolen und Gewehre in die Suite im 32. Stockwerk geschafft. Dann schlug er den Ermittlern zufolge zwei Löcher in die Fenster und schoss durch Zielfernrohre mit Waffen, die er zu voll- oder halbautomatischen Waffen umgebaut hatte, auf die Besucher*innen des Countrymusik-Festivals auf der anderen Seite der Straße. Der Täter war bis dahin nicht auffällig gewesen, keine Vorstrafen, keine Verbindungen zu radikalen Netzwerken, keine diagnostizierten psychischen Störungen. Die Polizei bezeichnete ihn als „einsamen Wolf“.

Warum ist das erlaubt?

Kann man etwas tun, um solche Terrorattacken von bis dahin unscheinbaren Menschen zu verhindern? Ja, kann man. Der TV-Moderator Jimmy Kimmel meldete sich nun mit einem emotionalen Appell an Politiker*innen und Mitmenschen zu Wort. Seine Message: Befreit das Land aus dem Würgegriff der Waffenlobby. Führt strengere Waffengesetze ein, denn niemand braucht voll- oder halbautomatische Waffen, um sich selbst verteidigen zu können.

Kimmel, der sonst eher seichte Abendunterhaltung macht, war aufrichtig den Tränen nahe. Las Vegas ist seine Heimatstadt. „Wenn uns jemand mit einem Bart attackiert, zapfen wir Telefone an, führen Einreisebeschränkungen ein, bauen Mauern und setzen jede mögliche Maßnahme um, die verhindern kann, dass so etwas wieder passiert. Aber wenn ein Amerikaner eine Waffe kauft und andere Amerikaner tötet, dann gibt es nichts, was wir dagegen tun können“, kritisiert Kimmel im Video.

Nicht nur bei dem Attentat in Las Vegas, auch bei der Schießerei in Orlando sind voll- oder halbautomatische Waffen eingesetzt worden. „Diese Waffen benutzt man nicht zur Selbstverteidigung“, so Kimmel. „Diese Waffen sind dafür da, in kürzester Zeit möglichst viele Menschen zu töten.“ Der Attentäter von Las Vegas hatte zehn davon im Hotelzimmer. Er hatte die Waffen scheinbar auf legale Weise erstanden.

„Warum ist das erlaubt?“, fragt Kimmel. „Warum lassen unsere Politiker*innen zu, dass so etwas passieren kann? Oder besser gesagt, warum lassen wir es zu, dass sie weiter zulassen können, dass so etwas passiert?“

Die USA haben ein Problem: Waffen

Mit aller Klarheit diagnostiziert der Moderator eines der gravierendsten Probleme der USA: Waffengewalt. Geschätzt 300 Millionen Waffen sind in privaten Händen, das macht etwa eine Waffe pro Amerikaner*in. Laut Daten des Gun-Violence-Archivs gibt es in den USA durchschnittlich an neun von zehn Tagen ein sogenanntes mass shooting, bei dem vier oder mehr Menschen verletzt oder getötet werden.

Nach jedem neuen Vorfall wurde erneut über strengere Waffengesetze diskutiert. Umgesetzt wurden diese bisher nicht. Im Gegenteil: Barack Obama hatte zwar ein Gesetz verabschiedet, dass es Menschen mit psychischen Störungen erschwert hätte, auf legalem Weg Waffen zu kaufen. Donald Trump hat dieses Gesetz im März allerdings rückgängig gemacht.

„Ich hasse es, über diese Dinge zu sprechen. Lieber würde ich jeden Abend über Dinge lachen. Aber das wird in letzter Zeit zunehmend schwieriger“, schließt Kimmel im Video. Es fühlt sich so an, als hätte jemand ein Fenster zur Hölle geöffnet. Es geht mir heute Abend auch nicht um Waffenkontrolle. Es geht um den gesunden Menschenverstand. Der gesunde Menschenverstand besagt, dass niemals irgendetwas Gutes davon kommen kann, einem Menschen zu erlauben, Waffen zu besitzen, die 527 Amerikaner*innen bei einem Konzert ausschalten können.“

Beten allein, wie es Donald Trump als Reaktion auf das Attentat tat, genüge nicht. Es sei an der Zeit, die Gesetze zu ändern.

Korrektur, 5. Oktober: In einer früheren Version des Artikels stand: „Laut Daten des Gun-Violence-Archivs gibt es in den USA durchschnittlich an neun von zehn Tagen ein sogenanntes mass shooting, bei dem vier oder mehr Menschen sterben.“ Tatsächlich sagen die Daten des Gun-Violence-Archivs aber, dass bei mass shootings vier oder mehr Menschen verletzt oder getötet werden.