Jo Cox war eine der engagiertesten Politikerinnen Großbritanniens

Ein Angreifer mit Verbindungen zur Neonazi-Szene hat die britische Politikerin Jo Cox ermordet. Sie war eine leidenschaftliche Kämpferin für Menschenrechte und Menschlichkeit.

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Helen Joanne „Jo“ Cox wurde gestern ermordet. Sie war bekannt für ihren Kampf um Menschenrechte. © dpa

Die Brutalität ist schwer zu glauben: Nach einer Bürgersprechstunde hat ein Angreifer in Birstall auf offener Straße auf die britische Politikerin Jo Cox geschossen. Dann stoch der Täter mit einem Messer auf sie ein und trat die am Boden liegende Frau schließlich mit Füßen. Im Krankenhaus erlag sie ihren Verletzungen.

Was am gestrigen Abend in Großbritannien passierte, lässt um Fassung ringen. Wieso musste Jo Cox, 41 Jahre alt, Politikerin, Ehefrau und Mutter von zwei Kindern sterben?

Das Motiv des 52-jährigen Angreifers sei unklar, berichtet The Guardian. Eine psychische Krankheit könne die Polizei nicht ausschließen. Augenzeugen berichten, der Täter habe vor dem Angriff „Britain first“ gerufen, eine Parole und der Name einer rechtsradikalen Partei in Großbritannien, die den Brexit fordern. Cox hatte sich im Parlament für einen Verbleib Englands in der EU ausgesprochen. Der Angreifer hatte offensichtlich Verbindungen zur amerikanischen Neonazi-Szene. Das zeigen Dokumente, die dem Southern Poverty Law Center vorliegen.

Jo Cox galt seit Jahren als unermüdliche Idealistin und Verfechterin der Menschenrechte. „Jo kämpfte immer gegen den Hass, der sie nun getötet hat“, sagte ihr Ehemann, Brendan Cox, in einer Erklärung am gestrigen Abend. Seine Frau habe immer an eine bessere Welt geglaubt. Ihre Energie und Freude würde die meisten anderen Menschen erschöpfen. Jo Cox jedoch habe unerlässlich weitergekämpft – für mehr Menschlichkeit.

Eine leidenschaftliche Verfechterin der Menschenrechte

Ihr Engagement zeigt sich sofort bei einem Blick auf ihren Lebenslauf. Helen Joanne „Jo“ Cox studierte an der University of Cambridge, machte 1995 dort ihren Abschluss in Sozial- und Politikwissenschaften. Dem Telegraph erzählte sie in einem Interview, die Erfahrung an der Universität glich für sie einem Kulturschock. Sie sei in ihrer Kindheit nie wirklich politisch interessiert gewesen.

Nach dem Uniabschluss arbeitete Cox zunächst für mehrere Hilfsorganisationen. Von 2002 bis 2009 war sie für die Hilfsorganisation Oxfam tätig, die sich gegen Armut und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen einsetzt. Auf politischer Ebene kämpfte Cox mit der Organisation dafür, die Zivilbevölkerung zu schützen und Ursachen von Konflikten in Krisenregionen zu beseitigen.

Als Leiterin einer globalen Kampagne zur Verringerung von Mütter- und Kindersterblichkeit, an der sie von 2009 bis 2011 arbeitete, half sie, 40 Milliarden US-Dollar für ein Projekt des UN-Generalsekretärs Ban Ki-Moon zu sammeln, das im vergangenen Jahr gestartet ist.

Cox engagierte sich bis 2014 nebenher für verschiedene Kinderrechts-Organisationen, darunter die National Society for the Prevention of Cruelty to Children, die Kinder vor Missbrauch schützt. Für die NGO Save the Children, wo sie auch ihren Ehemann Brendan kennenlernte, sprach sie sich im britischen Parlament für die Unterstützung von Kindern in Syrien aus.

Cox war außerdem überzeugte Frauenrechtlerin. Seit ihrer Wahl als Abgeordnete ins Parlament im Mai 2015 war es ihr ein Anliegen, mehr Frauen für eine Karriere in der Politik zu begeistern. Politisch galt sie als progressiv, ihre Mitglieder*innen in der Labour Party nannten sie einen „rising star“.

Politiker*innen in Europa tief betroffen

Der plötzliche Tod von Jo Cox, der politischen Quereinsteigerin, macht traurig und wütend. Blickt man auf das, was Jo Cox für die Menschheit leistete, wird klar, dass sie eine Politikerin war, von deren Schlag es viel mehr geben müsste – gerade in Zeiten, in denen Menschen wie Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus der USA sind.

Medien, ihre Kolleg*innen und internationale Politiker*innen nehmen Anteil an ihrem Tod: