Jugendwort 2015: Hefte raus, Vokabeltest!

Langenscheidt hat gesprochen: Smombie ist das Jugendwort des Jahres 2015. Es waren aber auch noch ein paar schöne andere Kuriositäten im Rennen. Könnt ihr unsere Lieblingsworte der Long- und Shortlist richtig zuordnen?

Pink Sherbet Photography/Flickr/CC BY 2.0

Wie sähe ein Vokabeltest mit den Nominierten des Jugendwortes 2015 aus? Wir haben einen gebaut. Pink Sherbet Photography/Flickr/CC BY 2.0

Seit 2008 (damals war das Jugendwort „Gammelfleischparty“ für Ü30-Partys) sucht Langenscheidt nach dem Jugendwort des Jahres – und jedes Mal mosern Kritiker, viele der Begriffe würden nicht wirklich von jungen Leuten verwendet, die Aktion sei großer Mist. 

Wir finden: Ob die Jury nun Smombie, merkeln oder Tinderella wählt, ist herzlich egal. Man muss die ganze Sache mit Humor nehmen und darf ruhig ein bisschen mit den Worten rumspinnen. Auf zum Vokabeltest: Könnt ihr in der folgenden Geschichte unsere Lieblingsworte der Long- und Shortlist aus 2015 richtig zuordnen?

  • Tinderella
  • threestaren
  • shippen
  • Smombie
  • Alpha Kevin
  • Discopumper
  • bambus
  • Earthporn
  • Swaggetarier
  • merkeln
  • rumoxidieren
  • Augentinnitus

Unter der Dusche beschließt Philipp, sein Leben zu ändern. Zunächst trennt er sich von dem lästigen -ipp am Namensende – und das bewirkt bereits eine Menge. Ohne das -ipp fühlt sich Phil plötzlich nicht mehr wie ein ___________ ___________ (1), sondern cool. Von nun an wird er nur noch ___________ (2), immer.

Er beschließt, Clementine warten zu lassen. So eifrig wie sie datet, dürfte die ___________ (3) es inzwischen gewohnt sein, auf Verabredungen warten zu müssen. Phil duscht so lange, bis seine Haut dampft wie eine Vulkanlandschaft. Als könne ihm jeder seine Verwandlung ansehen, schlendert er breitbeinig in die Innenstadt, um im Café seines Kumpels Gustav noch ein wenig ___________ (4).

Was Gustav auf der Facebook-Seite als „heimeliges Lädchen“ beschreibt, macht eher den Eindruck eines Festsaals: Acht helle Holztafeln bieten genug Platz, als dass sich sämtliche ___________ (5) der Stadt mit iPhones und MacBooks vor den ausdruckslosen Fratzen daran versammeln können. Als Phil eintritt, schäkert Gustav gerade mit einer Skinny-Jeans-Trägerin herum. Gustav sieht immer noch aus wie ein verdammter ___________ (6): Breite Schultern, Sunny-Boy-Grinsen, Freundschaftsbändchen am Handgelenk. Sein Blick fällt auf Phil und er deutet seinem Flirt mit einer sanften Berührung an, dass er bald wieder zu ihr zurückkomme.

„Philipp, mein Lieber!“
„Nur noch Phil.“
„Nur noch Phil?“ Gustav packt ihn an beiden Armen und forscht in seinem Gesicht wie eine besorgte Mutter nach Symptomen für eine Krankheit. „Seit wann?“
„Einer Stunde.“
___________ (7)!“, entfährt es Gustav. „Komm, ich mache dir einen Kaffee. Habe einen neuen äthiopischen, wird dir schmecken.“
Gustav hebelt mit dem Rücken zu Phil an der Kaffeemaschine herum.
„Viel los bei dir. Coole, kreative Leute.“
„Die sehen nur so aus“, erwidert Gustav. „In Wirklichkeit sind das ein Haufen ___________ (8), die vor ihren Freunden einen auf nachhaltig machen und zuhause die Batterien in den Restmüll kloppen. Die ___________ (9) den ganzen Tag nur so rum. Ich sag dir: An manchen Tagen bekomme ich so einen ___________ (10) von denen – ich brauche dringend Urlaub.“
„Und die, mit der du eben gesprochen hast? Deine Freundin?“
Gustav verzieht das Gesicht.
„Freundin“, sagt er abfällig. „Ich hab keine Zeit zum ___________ (11). Ich bin viel zu gern frei und mache mein eigenes Ding. Bald gönn ich mir mal wieder ein wenig ___________ (12) und reise durch die Gegend. Norwegen, Schweden, die Ecke.“

Er stellt Phil den Kaffee hin und dekoriert die Tasse mit einem Keks. Und als Phil den Kaffee aus Äthiopien vor sich sieht, dessen Oberfläche ein Ahornblatt aus Sahne ziert, wird ihm bewusst: Seit der Dusche hat sich nichts an seinem Leben geändert. Als könne ein fehlendes -ipp am Namensende etwas ändern. Als würde sein Glück von einem lässigen Gang und coolen Worten abhängen. Ohne den Kaffee anzurühren verabschiedet sich Philipp von Gustav und wählt eine Nummer. „Clementine?“, sagt er. „Entschuldige die Verspätung, ich bin gleich da.“


Auflösung

  1. Alpha Kevin; Vollidiot, der dümmste von allen; den Begriff strich Langenscheidt von der Nominiertenliste
  2. threestaren; etwas zu 100 Prozent perfekt machen
  3. Tinderella; Frau, die exzessiv Online-Dating betreibt
  4. rumoxidieren; chillen, entspannen
  5. Smombie; Symbiose aus Smartphone und Zombie, Menschen, die wie gebannt auf ihr Handy starren
  6. Discopumper; meist männliche Person, die nur trainiert, um im Club gut auszusehen
  7. bambus; krass, cool
  8. Swaggetarier; Vergetarier aus Image-Gründen
  9. merkeln; nichts tun, keine Entscheidungen treffen, keine Äusserungen von sich geben
  10. Augentinnitus; das Gefühl, von dummen Menschen umgeben zu sein
  11. shippen; eine Beziehung beginnen (hergeleitet vom Englischen „relationship“)
  12. Earthporn; Beschreibung einer atemberaubenden Landschaft

Hinweis: Dieser Artikel ist am 13. November um 12 Uhr um das Siegerwort des Jahres ergänzt und entsprechend verändert worden.