Junge Eltern erzählen, worauf sie beim Festivalbesuch mit Kindern besonders achten

Kinder haben auf Festivals nichts verloren? Junge Eltern erzählen, warum ein Festivalbesuch ein Erlebnis für die ganze Familie sein kann.

Die vierjährige Nama aus Israel © Jane Nagler

Für viele bedeutet ein Festivalbesuch besonders eines: feiern, trinken, sich gehen lassen. In diese Vorstellung passen Kinder eigentlich überhaupt nicht. Doch was, wenn der Nachwuchs einmal da ist? Heißt es dann Festivaltraum, lebe wohl oder nimmt man die Kinder einfach mit? Wir haben Eltern auf dem Ozora Festival in Ungarn gefragt, warum Festivals und Kinder für sie zusammen gehören, welche Erfahrungen sie gemacht haben und was andere Eltern beachten sollten.

Atar, Nama (4) und Michael (4) aus Israel

Atar und die vierjährige Nama aus Israel. © Jane Nagler

Atar: Warum ich es liebe, mit meinen Kindern aufs Festival zu gehen? Schau dir die Kleine an, sie ist glücklich. Und wenn sie glücklich ist, bin ich es auch. Auf ein Festival zu gehen ist für unsere ganze Familie wie eine Abenteuerreise, die uns alle jedes Mal ein kleines bisschen stärker macht. Wir haben hier einen Shop, verkaufen unsere Sachen und genießen gleichzeitig die gemeinsame Zeit miteinander.

Eltern sollten aber unbedingt auf den Charakter der eigenen Kinder achten, es sind zarte Seelen, die auch so behandelt werden müssen. Nama ist offen für alles, sie mag den Trubel, liebt Menschen und war schon als Baby auf Festivals, ist es daher gewöhnt. Ich kenne aber Kinder, für die so ein großes Festival ein Albtraum wäre. Wenn Nama gestresst ist, merke ich es sofort und widme ihr noch mehr Zeit und Zuneigung. Alleine lassen würde ich meine Kinder sowieso nie.

Nach Sonnenuntergang gehe ich mit Nama auch mal nach unten zur Musik oder zur Kids-Area, vorher ist es für Kinder auch mit Sonnenschutz einfach zu warm und wir bleiben alle im Schatten. In dieser Zeit passt mein Mann oder ein guter Freund auf Michael auf. Den Konsum von Rauschmitteln nimmt Nama jetzt noch nicht wirklich wahr. Dennoch bin ich sehr bedacht darauf, wie ich mich vor ihr verhalte, denn kleine Kinder eifern ihren Eltern immer nach. Ich lebe ihr vor, dass ein Festival nicht bedeuten muss, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen oder viel Alkohol zu trinken, sondern ein Erlebnis sein kann, das ihre Familie noch näher zusammenbringt.

Luisa und ihre fünfjährige Tochter aus Deutschland

Luisa (rechts) mit ihrer Freundin Jasmin und deren Tochter Joelle an der Kochstelle. © Jane Nagler

Luisa: Ich finde es wunderschön, alles, was mir Freude bereitet, mit meinem Kind zu teilen. Festivals sind für uns wie ein Familienurlaub, und da gehören meine Kinder natürlich dazu, auch wenn ich gestehen muss, dass auch ich dem Thema früher eher skeptisch gegenüberstand. Inzwischen weiß ich aber, dass ein Festival mit der Familie wie ein riesiger Abenteuerspielplatz für alle sein kann, auf dem Kinder genau so viel entdecken können, wie wir Eltern. Um es für die ganze Familie so angenehm wie möglich zu gestalten, muss man bei der Planung einige zusätzliche Dinge beachten. So sollte man einen Kinderwagen mitnehmen, um mobil zu bleiben, wenn die Kleinen müde werden. Super wichtig ist auch genügend Sonnenschutz am Zeltplatz und unterwegs, und Hörschutz, auch wenn ich mich mit ihr auf keinen Fall auf den Mainfloor stellen würde.

Auf jedem Volks- oder Bierfest sehen Kinder Schlimmeres.“

Ganz grundsätzlich sollten sich Eltern vorher genau über das jeweilige Festival informieren und sichergehen, dass dort nicht nur Party und Exzess im Vordergrund stehen. Ohne geht es zwar nicht, doch das gehört nun mal auch zur Realität, vor der wir die Kleinen nicht abschirmen können. Sollte es dazu kommen, dass sie sieht, wie jemand über die Stränge schlägt und nachfragt, dann erkläre ich ihr, warum es der*demjenigen schlecht geht. Und ganz ehrlich, auf jedem Volks- oder Bierfest sehen Kinder Schlimmeres. Die meisten Menschen auf Festivals wie diesem, ob sie nun bewusstseinsverändernde Substanzen nehmen oder nicht, sind total herzlich und hilfsbereit, vor allem auch zu Kindern. Und wenn die Kleinen dieses Zwischenmenschliche mitnehmen und nachleben, kann das für sie nur von Vorteil sein.

Kinga, Marton, Matthias (7 Wochen) und Soma (4 Jahre) aus Ungarn

Kinga: Mein Kleinster ist erst sieben Wochen alt, das ist natürlich eine Herausforderung. Bei diesen Temperaturen müssen wir immer einen großen Schattenplatz finden. Für Soma ist das alles easy, er kennt nach wenigen Tagen das Gelände und die Plätze, hat schon Freund*innen gefunden und tobt sich aus. Natürlich hat so ein Festival auch Seiten, die vielleicht problematisch für Kinder sein können. Menschen sind hier natürlich auch um zu feiern, das nehmen die Kids unterschwellig wahr. Aber sie sehen auch zu Hause in den Straßen wie getrunken und geraucht wird. Eltern können Kinder nicht vor allem beschützen, wichtig ist es, sie über solche Dinge aufzuklären.

[Auch auf ze.tt: Das sind die Menschen, die uns unsere Festivals ermöglichen]

Die positiven Einflüsse auf die Kinder überwiegen aber für mich. Soma kann sich hier relativ frei bewegen, ist nicht so abhängig von mir wie zu Hause, entwickelt also auch ein Gefühl von Selbstständigkeit. Ich fühle, dass es ihm wirklich gut tut und ihn stärkt. Auch für mich ist es eine Abwechslung zum Familienalltag und die Stunden vergehen hier wie im Flug. Wir haben dieses Jahr das Glück, dass mein Mann hier arbeitet und wir somit eine Art VIP-Pass haben. Das ist das erste Festival, auf dem ich nicht selber für die Familie kochen muss, was natürlich eine riesige Erleichterung ist. Aber mit einer durchdachten Planung funktioniert das auch in Eigenregie.

Daphne und Juna (1) aus Österreich

Daphne und ihre Tochter Juna. © Jane Nagler

Daphne: Da meine Eltern auch immer mit uns auf Festivals waren, ist das für mich etwas total Normales. Ich würde Eltern auf jeden Fall empfehlen, mit dem Auto anzureisen. Zum einen wird es sonst für die Kinder zu anstrengend, und zum anderen lässt sich das ganze Gepäck mit Essen, Trinken, Sonnenschutz, Reiseapotheke und Windeln kaum mit der Bahn transportieren.

Vergangenes Jahr war ich zum ersten Mal mit Juna hier, da war sie drei Monate alt. In so einem Alter und auch jetzt noch, ist es mir wichtig, Leute bei mir zu haben, die mir nahe stehen und denen ich mein Kind anvertrauen kann, wenn ich duschen gehe oder kurz etwas besorge. Dieses Jahr ist meine Schwester dabei, bei ihr weiß ich sie in guten Händen. Feiern gehe ich trotzdem nicht. Als bei einem anderen Festival ihr Papa mit dabei war, sind wir schon mal abwechselnd zur Musik. Aber eigentlich genieße ich lieber jede Sekunde, die wir hier zusammen erleben. Und ich merke, dass auch Juna hier aufblüht, erste Freundschaften schließt, und es genießt, den ganzen Tag draußen in der Natur zu sein.