Junge Frauen über die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof

Die Ausschreitungen in der Silvesternacht haben uns schockiert. Deshalb haben wir sechs junge Frauen gefragt, wie sie über die Geschehnisse zum Jahreswechsel denken.  

© Philip Buchen

© Philip Buchen

Nadja und Miriam (18)

© Philip Buchen
© Philip Buchen

Die Freundinnen Nadja und Miriam aus Velbert sind zum Shoppen nach Köln gefahren. Miriam erzählt: „Meine Mutter hat uns vor der Fahrt noch gewarnt. Wir sollten gut auf uns aufpassen. Ich habe zuerst auf Facebook von den Vorfällen am Hauptbahnhof erfahren und kann das alles gar nicht glauben. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie schrecklich das für die Frauen gewesen sein muss.“ Nadja ergänzt: „Eigentlich tragen wir kein Pfefferspray bei uns, aber seit dem Chaos am Hauptbahnhof denke ich darüber nach. Ich will gar kein Pfefferspray mitnehmen, denn ich finde die Vorstellung schlimm, dass ich mich als Frau bewaffnen sollte, um abends wegzugehen. An sowas will ich lieber nicht denken.“

Marisa (21)

© Philip Buchen
© Philip Buchen

Die Kölnerin Marisa beschäftigen die Übergriffe am Hauptbahnhof heute noch: “ Ich habe Silvester in Tirol verbracht – heute kann ich sagen: zum Glück! Besonders erschreckend finde ich, dass der Mob aus so vielen Menschen bestand. Viele junge Frauen sind jetzt verängstigt und auch ich bin heute mit einem mulmigen Gefühl zum Bahnhof gelaufen. Dieses Gefühl sollten wir einfach nicht haben müssen. Bei jedem Spiel des 1. FC Köln stehen mehr Polizisten als am Hauptbahnhof. Ich kann nicht verstehen, warum die Polizei den Bahnhof nicht besser sichert. Früher, als ich noch nachts gearbeitet habe, hatte ich mein Pfefferspray immer in der Tasche. Gut möglich, dass ich es nun auch wieder jeden Tag mitnehme.“

Sabine (23)

© Philip Buchen
© Philip Buchen

Sabine kennt die unsichere Situation für junge Frauen in Köln schon seit Jahren: “Es ist einfach unglaublich dreist, was da in der Neujahrsnacht passiert ist. Ich bin schon öfters von Männern mit Migrationshintergrund am Bahnhof angepöbelt geworden, das gehört in Köln für Frauen schon fast dazu. Seit meinem 16. Lebensjahr geht das schon so. In einem Monat ist Karneval, da wird das noch schlimmer, dann fallen bei den meisten die Hemmungen. Bei den Ausländern genauso wie den Deutschen. Aber wer mich falsch anmacht, soll bloß aufpassen. (Lacht) Ich hab eine große Klappe: Und lasse mir keine Angst machen. Ich werde mich wehren!”

Helena (22)

© Philip Buchen
© Philip Buchen

Die Berlinerin Helena ist nur für ein kurzes Bewerbungsgespräch in Köln, die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof erinnern sie an die Hauptstadt: “In Berlin habe ich immer Pfefferspray mit dabei, bei dem Rummel in der Stadt sollte jede Frau dort Pfefferspray bei sich haben. Aus den Medien habe ich von den Kölner Übergriffen erfahren, aber auch in Hamburg und Stuttgart sollen schlimme Sachen passiert sein. Es ist wirklich schockierend, wie das an Silvester ausgeartet ist.”

Gabriela (22)

© Philip Buchen
© Philip Buchen

Gabriela arbeitet in Köln, und kennt die Situation auf den Straßen gut: “ Es wird immer schlimmer, wie mit Frauen umgegangen wird. Vor 1,5 Jahren hat mich ein älterer Mann im Zug gegrabscht, der auch Migrationshintergrund hatte. Mittlerweile denke ich, dass bei solchen Vorfällen die Nationalität der Täter schon eine Rolle spielt. Was in Köln und den anderen Städten an Neujahr passiert ist, hat eine neue Dimension angenommen. Eine gewisse Unsicherheit schwingt immer mit.”