Junge Leute erzählen von ihren Lebensträumen – und wie es wirklich kam

Welche Lebensvorstellungen hat man in den 20ern – und wie verändern sie sich im Laufe der Zeit? Wir haben junge Menschen auf den Straßen von Berlin befragt.

© Svea-Malina Landschoof

Junge Menschen in Berlin erzählen von ihrer Lebensplanung. © Svea-Malina Landschoof

Als Teenager hat man große Träume. In den 20ern bastelt man daran und in den 30ern dreht man sich oft um und fragt sich, was davon man schon erreicht hat. Muss es immer der gerade Weg sein oder sind Umwege nicht viel schöner? Und ist es nicht doch manchmal so, dass das Leben seine eigenen Pläne macht, während man selbst zusieht? Wir haben uns auf den Straßen Berlins umgehört: Was waren und sind eure Vorstellungen vom späteren Erwachsenenleben? Wie sieht es jetzt in der Realität aus? Und was würdet ihr eurem jüngeren Ich raten? So viel sei schon mal verraten, die Berliner sind sich relativ einig: Tut das, worauf ihr Lust habt, nicht das, was andere von euch erwarten und traut euch auf Umwege!

Guillaume, 21

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Guillaume lebt seit letztem Sommer in Berlin und arbeitet in einem französischen Restaurant. Sein Traum ist es, mit 30 eine Künstleragentur gegründet zu haben. Zumindest ist er dafür schon mal in seiner favorisierten Stadt. Mit seinem jüngeren Teenager-Ich ist er sehr zufrieden und es gibt keinen mahnenden Zeigefinger, sondern ein gelassenes: „Keep it this way!“

Marco, 25

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Marco hatte damals in der Schule tausend Ideen, was er mal werden könnte. Einige davon probierte er aus. Zum Beispiel studierte er zwei Jahre lang Physik. Und macht jetzt etwas ganz Anderes: Modedesign. Momentan studiert er das in Berlin und will später im Designbereich arbeiten. Allerdings sieht er sich dann nicht mehr in Berlin. Was würde er seinem jüngeren Selbst raten? Ein konkretes Ziel früher ins Auge zu fassen. Nicht so rumspringen, sondern forcierter überlegen, in welche Richtung man gehen möchte.

Adjy, 23

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Adjy wollte zu Schulzeiten irgendwas in Richtung Psychologie, Medizin und Sozialarbeit machen. Hat geklappt. Jetzt studiert sie Soziale Arbeit in Graz und ist zufrieden. Und wo sieht sie sich mit 30? Toll wäre ein fester Job als Sozialarbeiterin im Bereich Familie, Kinder und Jugendliche. Außerdem möchte sie gern eine eigene Familie haben. Ihrem jüngeren Ich rät sie dringend in punkto Lebensplanung: „Gechillter sein!“

Pierre, 33

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Pierre ist Professor für Marketing in Montreal. Was sein Traumjob mal war, weiß er nicht mehr genau, aber jetzt habe er einen wundervollen Job gefunden. Der junge Prof ist Single und wünscht sich keine Kinder, das seien nämlich kleine Monster, die zu viel Zeit klauen. Seine Ratschläge an den 20-jährigen Pierre: Nicht so viel darum kümmern, was andere über einen denken, sondern einen eigenen Weg basteln und die Dinge tun, die man mit Leidenschaft angeht. Und auch wenn man irgendwann einen Weg einschlagen muss, der nicht die erste Wahl gewesen ist, sollte man damit nicht zu viel hadern: „Try to surf live!“


Linda, 26

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Linda absolvierte zuerst eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete als solche einige Jahre lang, obwohl sie da gar nicht wirklich Lust darauf hatte. Dann wagte sie einen Neuanfang und macht jetzt eine Ausbildung zur Grafikdesignerin. Deshalb rät sie ihrem jüngeren Ich, doch lieber gleich das zu tun, worauf man eigentlich Lust hat, statt jahrelang einen Job zu machen, der nicht erfüllt. Mit 30 würde sie gern in einer Grafikdesign-Agentur arbeiten oder im Bereich Film und Fernsehen. Familie und Kinder sind nicht geplant, stattdessen könnte sie sich eher vorstellen, in einer großen WG zu wohnen, aber sie sieht gelassen in die Zukunft: „Mal sehen, was auf einen zukommt.“


Olja, 37

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Olja ist gelernte Heilpraktikerin und Mutter von fünf Kindern. Dass sie mal eine Familie haben möchte, das war für sie schon immer klar. Momentan ist sie ganz für die Kinder da, vor allem, weil das Kleinste noch ein Baby ist. Wie genau ihr Leben in den Dreißigern aussehen soll, wusste sie mit 20 noch nicht. Auch wenn Olja mit ihrem jetzigen Beruf als Heilpraktikerin zufrieden ist, hätte sie im Nachhinein lieber Medizin studiert, um Ärztin zu werden. Deshalb rät sie auch ihrem jüngeren Ich, doch bitte hartnäckig am Studium zu bleiben.

Nils, 36

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Nils studiert Gartenbau und radelt für einen Essenslieferanten durch Berlin. Sein großer Wunsch mit 20 war es, später mal in einer großen Kommune zu leben. Jetzt lebt er in einer Zwei-Zimmer-Wohnung samt kleiner Tochter und toller Frau und der Ambition, bald eine Kommune zu gründen. Berufsideen hatte er früher viele, vor allem eine große Leidenschaft fürs Kochen. Passt zu seinem jetzigen Herzensthema Pflanzen und Pflanzenmedizin, dem er mit seinem Studium auf der Spur ist. Nils findet, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet. Sein Tipp lautet aber, schneller den eigenen Traum zu verwirklichen: „Ich habe paar Kurven gemacht, auf die bin ich nicht unbedingt stolz bin. Aber letztlich haben die mich auch zu dem gemacht, der ich bin und ich mag mich!“

Sarah, 29

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Mit 20 studierte Sarah noch Architektur und brach das Studium nach zehn Jahren ab. Was sie jetzt macht, fühlt sich für sie richtig an: Vor eineinhalb Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und übernahm ein kleines Café in Kreuzberg. Ihrem jüngeren Ich rät sie, vieles auszuprobieren, um das Richtige zu finden und das zu tun, worauf man Lust hat: „Klar ist es blöd, jetzt ohne Abschluss dazustehen, aber ich weiß auch, dass ich nie in dem Beruf arbeiten würde und die zehn Jahre Studium waren prägend und haben mir auch etwas gegeben.“ Und wie geht’s weiter? Irgendwann will Sarah vielleicht mal eine Familie mit Kindern, aber das sei noch entfernte Zukunftsmusik.


Alex, 34

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Alex wählte schon in der Realschule ein technisches Profil, studierte schließlich Maschinenbau und arbeitet jetzt als Konstrukteur im Bereich Technische Redaktion in Chemnitz. Er ist glücklich, weil er seinen Beruf mit seinen Hobbys Schreiben und Fotografieren vereinbaren kann, indem er zum Beispiel Kataloge für Maschinenbauunternehmen designt. Alex bereiste in seinen 20ern die Welt, hat bis jetzt als Single noch nicht seinen Ruhepol gefunden und wünscht sich irgendwann mal eine Familie. Sein Tipp fürs jüngere Selbst ist, sich nicht von anderen einschüchtern zu lassen, sondern das eigene Ding durchzuziehen: „Das habe ich die letzten Jahre gemacht und bin jetzt so glücklich wie nie.“


Marius, 28

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Der Onlineredakteur arbeitet in einer Werbeagentur und ist in einer festen Beziehung. Wie hat der 20-Jährige Marius sich sein Leben mit 30 vorgestellt? Mit eigenen Kinder auf keinen Fall, vielleicht eher mit zwei Katzen, und genau dem, was er grade macht: in Berlin arbeiten und Spaß haben. Einzig das Gehalt könnte noch ein bisschen besser sein, sodass irgendwann mal eine Eigentumswohnung und mehr Urlaub drin sind. Sein Tipp für den jüngeren Marius: „Ich habe Grafikdesign und Kommunikationswissenschaften studiert und hatte das Glück, in die Marketingecke zu rutschen, aber es ist schon schwierig in dem Feld, was zu finden. Wenn ich nochmal studieren könnte, dann vielleicht eher was Saves.“


Rike, 25

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Mit 20 hatte Rike noch ganz andere Pläne als heute, sie studierte Kommunikationswissenschaften und Politik. Dann merkte sie, dass das gar nicht ihr Ding ist, es folgten viele Praktika im sozialen Bereich und schließlich die Entscheidung, Ergotherapeutin zu werden. Jetzt studiert sie Ergotherapie und macht endlich das, was ihr Spaß macht. Und wie soll ihre Welt mit 30 aussehen? Ein absolviertes Studium, ein fester Job als Ergotherapeutin und vielleicht schon Kinderplanung, wünscht sich Rike. Rückblickend lautet ihr Ratschlag, mehr man selbst zu sein und rauszufinden was man gern macht, anstatt drauf zu gucken, was andere so tun.

Katja, 29

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Katja studiert Ergotherapie und hat mit Freund und Hund eine kleine Familie an ihrer Seite, wo sich irgendwann noch Kinder dazugesellen könnten. Mit 20 dachte sie, heute an einem ganz anderen Punkt zu stehen: „Ich wollte mit 30 zwei Kinder haben und dachte, dass ich dann fett Karriere mache und gut Geld verdiene. Die Realität sieht jetzt anders aus, aber ich bin sehr zufrieden.“ Sie rät der jüngeren Katja, weniger auf Geld und Anerkennung gepolt zu sein und stattdessen mehr das zu tun, was ihr liegt, was sie braucht und schön findet. Vor allem sollte man nicht so viel Wert drauf legen, was andere über einen denken.