Junge Menschen erzählen, wie sie ihren Trennungsschmerz verkraftet haben

Die Beziehung ist vorbei, das Schlusswort gesprochen – aber verliert man die Expartner*innen dann für immer aus den Augen? Wir haben acht junge Leute gefragt, wie sie mit Trennungen umgegangen sind.

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Zwei Wochen lang weinen und der Liebeskummer ist überstanden? Jeder hat eine andere Strategie. Pixabay/CC0

Für jeden bedeutet eine Trennung etwas anderes, für die einen heißt es: Bei Facebook löschen, nie wieder Kontakt haben, und den Namen der*des Ex nie wieder nur in den Mund nehmen. Für die Anderen ist es ganz selbstverständlich, die Exfreund*in nach einiger Zeit noch einmal auf einen Kaffee zu treffen, einander in schwierigen Zeiten beizustehen oder sogar weiterhin Sex zu haben. Clear Cut oder beste Freunde – welche Strategie die richtige ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir haben acht Leute nach ihren Strategien gefragt: Vier von ihnen halten das Wiedersehen mit dem*der Ex für ein No Go, vier halten den Kontakt, auch wenn er noch so schmerzlich sein mag.

Sarah, 23: „Auf der Strecke zwischen Sonnenallee und Greifswalder Straße fange ich immer noch jedes Mal an zu weinen.“

Als ich ein Austauschjahr in Berlin verbrachte, wollte ich einen attraktiven Deutschen kennenlernen, der mir die Stadt zeigen und mir helfen würde, mein Deutsch zu verbessern. Dass ich mich total verlieben und eine neunmonatige Beziehung führen würde, hatte ich nicht erwartet. Leider musste ich nach einem Jahr wieder zurück nach New York, er wollte aber keine Fernbeziehung. Wir hatten dann nur noch wenig Kontakt. Ein halbes Jahr später kam ich für zwei Wochen Urlaub nach Berlin. Ich überlegte ewig lang, ob ich meinen Ex treffen sollte. Auch, weil ich in der Zwischenzeit zu Hause jemand anderes kennengelernt hatte. Als ich ihm dann endlich doch schrieb, erklärte er sich sofort bereit, mich vom Flughafen abzuholen.

Eine absurde Situation: Mein Freund in den USA brachte mich zum Flughafen, und mein Exfreund aus Deutschland holte mich ab. Die Situation war seltsam – natürlich ganz anders als vorher, weil so viel Zeit vergangen war. Wir trafen uns während meines Urlaubs fast jeden Tag. Weil ich aber auf keinen Fall wissen wollte, ob er eine neue Freundin hatte, verliefen unsere Gespräche immer sehr oberflächlich. Es war trotzdem schön, meine erste echte Liebe wiederzusehen, aber weil sich so viel verändert hatte, weinte ich jede Nacht. Ich komme aus New York, und wenn du ein echter New Yorker bist, kannst du ohne Schamgefühl auf der Straße in der Öffentlichkeit weinen. Ich habe in diesen Wochen überall in Berlin geweint – in Cafés, in Parks, auf der Straße. Wenn ich heute in Berlin bin und Ringbahn fahre, fange ich immer auf der Strecke zwischen Sonnenallee und Greifswalder Straße an zu weinen. Dort hat er gewohnt.

Ferhat, 25: „Ich habe mich nie wieder bei ihr gemeldet.“

Die Trennung von meiner letzten Ex hat mich sehr viel schwerer getroffen als die davor – immerhin hat sie mit mir Schluss gemacht. Sogar zweimal. Ich habe mich nie wieder bei ihr gemeldet und mich stattdessen auf mich und auf Freunde konzentriert, viel Sport getrieben und mich in die Arbeit gestürzt. Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Durch diesen konsequenten Cut habe ich alte Freundschaften verstärkt, neue Freunde gefunden, viel Spaß mit Hobbys gehabt und bessere Uni-Leistungen erzielt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass „Cold Turkey“ die beste Vorgehensweise bei einer Trennung ist: Brecht den Kontakt komplett ab, löscht ihre Nummer, blockt sie bei Facebook. Es gibt einen Grund, warum diese Person eure Ex ist. Und es gibt „plenty of fish in the sea“: Warum mit einer Person beschäftigen, die euch Ärger oder Trauer bereitet, wenn es da draußen noch so viel mehr gibt? Warum versuchen, mit dieser Person befreundet zu bleiben, wenn man stattdessen die gleiche Energie auch in Freundschaften stecken kann?

Svea, 23: „Mein Exfreund gibt mir einen Halt, den mir sonst niemand geben könnte.“

Mit meinem Exfreund war ich drei Jahre zusammen, jetzt herrschte erst einmal Funkstille. Nach einer so langen und intensiven Beziehung war es uns wichtig, zunächst etwas Distanz zu gewinnen. Das erste Wiedersehen fand ein Jahr später statt. Ich war nervös und wusste nicht, ob es komisch werden würde. Aber diese Sorgen waren unbegründet: Vor mir stand immer noch der Mensch, den ich besser kenne als mich selbst. Deshalb verlief unser Gespräch auch auf einer sehr intimen Ebene ab, ganz genauso wie noch vor einem Jahr. Eigentlich schockiert es mich, wie wohl ich mich mit ihm fühlte.

Er versprach mir sogar, jederzeit für mich da zu sein und dass ich ihn immer anrufen könne, zum Reden oder zum Schweigen. Zwar fällt es mir schwer, das in Anspruch zu nehmen. Ich habe Angst, dass es ihn verletzen könnte, wenn wir wieder regelmäßig Kontakt haben. Aber ich weiß, dass er sein Angebot ernst meint und bin froh, ihn weiterhin in meinem Leben zu haben. Er gibt mir einen Halt, den mir sonst niemand geben könnte. Vor wenigen Wochen haben wir uns sogar zusammen mit anderen Freunden getroffen und uns Fotos von unserer gemeinsamen Zeit im Ausland angeschaut. Wir konnten beide darüber lächeln. Diese tiefe emotionale Beziehung wegen einer Trennung aufs Spiel zu setzen, fände ich sehr schade.

Lesly, 23: „Auch meine Freundinnen dürfen meinen Exfreund nie wieder sehen!“

In meiner Familie haben wir die Regel: Wenn sich jemand trennt, müssen die anderen Familienmitglieder den Exfreund sofort auf allen anderen Social-Media-Kanälen löschen. Das Gleiche erwarte ich auch von meinen engen Freunden. Wir reden in der Regel nur noch schlecht über Exfreunde, und meist dürfen sie auch nicht mehr mit dem richtigen Namen erwähnt werden, sondern nur noch mit einem fiesen Spitznamen, „der Nerd“ oder „der Zwerg“. Mir hilft das total, die ganze Sache nicht so dramatisch und gefühlsintensiv zu sehen, sondern den Kummer mit Humor zu nehmen und zu spüren, dass ich nicht alleine bin. Die Solidarität meines Umfelds ist mir sehr wichtig.

Zwei Mal ist es mir schon passiert, dass meine Freundinnen mit meinen Exfreunden befreundet bleiben wollten. Ein No Go. Ich war so verletzt, dass ich den Kontakt zu beiden Freundinnen abgebrochen habe. Ich hätte es schwierig gefunden, mich weiter mit ihnen zu treffen und dabei ständig unter der dumpfen Ahnung zu leiden, dass sie über die neuen Liebschaften meines Ex Bescheid wissen. Viele sagen, ich wäre kalt, kontrolliert und willensstark, weil ich mich nie dazu hinreißen lasse, einem Exfreund doch mal wieder zu schreiben und weil ich sogar mit Freundinnen für immer brechen kann. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur der schwächste Mensch der Welt, weil ich alles andere, jedes Zwischending und alles Halbe, sogar einen Kaffee mit dem Ex drei Jahre nach Beziehungsende, sogar wenn ich Schluss gemacht habe, nicht ertragen würde.

Daniela, 23: „Am liebsten würde ich alle meine Exfreundinnen für immer in meinem Leben haben.“

Meine Idealvorstellung ist es, für immer mit allen meinen Freundinnen und Exfreundinnen wertvolle Beziehungen zu führen. Mit einer Freundin klappt das schon seit Jahren sehr gut. Wir waren damals etwa ein halbes Jahr zusammen, seitdem hatten sowohl sie als auch ich andere feste Beziehungen. Trotzdem haben wir es geschafft, auf einer intimen Ebene sehr gut befreundet zu bleiben. Hin und wieder haben wir Sex. Einfach, weil es geht, weil es unkompliziert ist, und weil wir uns so gut kennen und vertrauen. Es tut gut, zu wissen, dass wir uns für immer haben werden, dass unsere Beziehung nie aus Eifersucht oder anderen Problemen zu Ende gehen wird, obwohl wir nicht mehr offiziell zusammen sind.

Ein Problem hat sich erst ergeben, als ich dann meine neue Freundin kennenlernte. Wir waren monogam zusammen, etwa ein Jahr. Sie machte dann Schluss, weil ich sie mit meiner Exfreundin betrogen habe. Dabei hat es sich gar nicht wie Betrug angefühlt, es war einfach so normal und natürlich, dass ich wieder mit ihr geschlafen habe. Haben wir ja immer gemacht. Jetzt frage ich mich allerdings, ob ich mein Ideal, dass alle Menschen, die mir einmal wichtig waren, wirklich für immer wichtig sein können. Oder vielleicht habe ich nur noch nicht den richtigen Menschen gefunden, der mit diesem Ideal umgehen kann?

Erin, 23: „Er tauchte einfach überall auf.“

Es war eine Fernbeziehung, also konnten wir uns nicht persönlich wiedersehen. Aber jedes Mal, wenn seine Instagram-Fotos oder Facebook-Posts auf meiner Timeline auftauchten, fühlte es sich so an, als würde ich ihm unverhofft auf der Straße begegnen. Ich wollte ihn nicht treffen, aber er tauchte einfach überall auf, an all diesen zufälligen, unerwarteten, digitalen, aber doch sehr realen Orten. Immer, wenn ich seine Fotos sah, fragte ich mich, mit wem er sie gemacht hatte und was seine Worte bedeuteten, welche versteckte Botschaft er mir damit vermitteln wollte. Aber jedes Mal verletzte und frustrierte es mich, zu erkennen, dass es unmöglich war, herauszufinden, was er wirklich dachte. Also traf ich eine Entscheidung. Ich löschte ihn bei Instagram und Facebook. Diese Momente, in denen ich den „Unfollow“-Button drückte, waren die ermächtigendsten und unvergesslichsten Momente des Trennungsprozesses.

Florian, 23: „Manchmal haben wir Sex, manchmal auch nicht.“

Im Großen und Ganzen habe ich es geschafft, meinen Exfreundinnen immer ziemlich freundschaftlich zu begegnen. Normalerweise denke ich: Wenn die Zuneigung einmal groß genug war, und wenn man es geschafft hat, zusammenzukommen, dann ist die Zuneigung wahrscheinlich auch groß genug ist, um langfristig befreundet zu bleiben. Ich war immer gerne mit Exfreundinnen befreundet. Mit manchen eher locker, mit ein oder zwei auch sehr gut. Die Freundschaften funktionieren ganz normal: Manchmal schreiben wir uns und manchmal nicht. Meistens sehen wir uns, wenn wir in derselben Stadt sind. Manchmal haben wir Sex, manchmal auch nicht. In einer Welt, die immer mehr von Hass und Gleichgültigkeit geprägt ist, sollte es uns doch zumindest möglich sein, den Menschen freundlich zu begegnen, die uns einmal etwas bedeutet haben. Aber um ganz ehrlich zu sein: Wirkliche Liebe war es in all diesen Fällen nie.

Anastasia, 23: „Seine radikale Konsequenz war das Beste, was mir passieren konnte.“

Mein Exfreund begann sein Schlussmachgespräch über Skype mit dem Satz „Ich liebe dich“. Ich fiel also aus allen Wolken und bildete mir wirklich ein, dass ich ihn nur einmal zu schütteln brauchte, damit er sich wieder an alle Magie und Leidenschaft zwischen uns erinnern würde. Am nächsten Arbeitstag meldete ich mich krank und fuhr von Berlin nach Hamburg. Als er mir dann live noch einmal ins Gesicht sagte, dass er für unsere Beziehung keine Zukunft mehr sehe, war ich genauso überrascht und ratlos wie am Tag zuvor. Ich reiste noch am gleichen Abend wieder ab. Meine Schütteltechnik hatte nicht funktioniert. Später las ich in diversen Online-Ratgebern, dass sie sogar genau das Falsche gewesen war: Da stand, dass ich die Entscheidung meines Expartners temporär hätte respektieren sollen, um dann nach sechs Wochen langsam wieder Kontakt aufzubauen. Aber es war noch nicht zu spät für diesen Strategiewechsel.

So tat ich also genau wie geraten. Sechs Wochen lang versuchte ich, mich mit Sport abzulenken, mit Filmen, Arbeit und Gesprächen mit Kollegen und Freunden. Nach sechs Wochen hatten wir wieder Kontakt. Es kam zum Wiedersehen, bei dem wir in seinem Hotelzimmer übereinander herfielen. Ich war super glücklich und fand alle Online-Ratgeber und mich selbst einfach nur genial. Doch nach einer Woche machte er wieder Schluss und löschte mich sogar bei Facebook. Zuerst hielt ich die Aktion für unreif, doch letztendlich war es das Beste, was mir passieren konnte. Mit der letzten Verbindung war auch meine letzte Hoffnung gekappt. Endlich konnte ich ihn vergessen. Das Aus mit meinem Exfreund ist zwei Jahre her und ich bin seitdem nie wieder auf sein Facebook-Profil gegangen.