Käse macht süchtig: Ich zieh mir mal ’ne Line Parmesan

Wenn der Käse Fäden zieht, das Messer seicht durch den Camembert schneidet und der würzige Geruch eines Bergkäses in die Nase steigt – dann kommt der Moment, in dem wir schwach werden. Zu Recht, denn eine amerikanische Studie hat herausgefunden, dass Käse tatsächlich Suchtpotential hat.

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Schön süchtig? © picture alliance / Arco Images

Käse – ein Produkt, das mittlerweile zu den weltweiten Grundnahrungsmitteln gehört – hat eine steile Karriere hinter sich. Die ursprüngliche Idee hinter dem Produkt: Milch haltbar zu machen. Und so entstand schon vor Christi Geburt eine sehr primitive Art von Käse, dessen Herstellung sich mit der Zeit zu einer wahren Kunst entwickelte – der heutige Industriekäse ist davon ausgeschlossen.

Fragt man einen Vegetarier, warum er nicht ganz auf tierische Produkte verzichtet, ist wohl die meist gegebene Antwort: „Käse!“. Warum Gouda, Camembert und Co. uns nicht aus dem Kopf gehen, haben Mitarbeiter der Universität Michigan aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive betrachtet.

Käsen ist eine alte Handwerkskunst

In ihrer Studie prüften die Wissenschaftler, ob hoch verarbeitete Lebensmittel, also Pizza statt Rohmilchkäse, in hohen Mengen ähnliches Suchtpotenzial haben wie Drogen. Sie fanden heraus, dass insbesondere Essen mit hohen Fett- und Kaloriengehalt zu suchtähnlichem Verhalten führt. Ein ausschlaggebender Faktor sei auch der Verarbeitungsgrad der entsprechenden Nahrungsmittel – wie viele Stationen hat die Kuhmilch wohl durchlaufen, bis sie auf der Pizza landete?

Besonders fielen den Wissenschaftlern die Beliebtheit von Gerichten, die Käse beinhalten, auf. Neben dem hohen Gehalt von Fett und Kalorien, die den Käse geschmacksintensiv machen, sind es Aminosäureverbindungen, die sogenannten Casomorphine, die uns immer wieder zum Käsebrot greifen lassen.

Casomorphine entstehen, wenn wir Casein, die im Käse enthaltenen Milchproteine, verdauen. „Casomorphine stimulieren unsere Dopamin-Rezeptoren und lösen Suchtverhalten aus“, berichtet der Ernährungswissenschaftler Cameron Walls in der Tech Times.

Casomorphine mache gute Laune

Dopamin, auch bekannt als Glückshormon, spielt auch beim Drogenkonsum eine tragende Rolle. Es funktioniert ähnlich wie das Hormon Serotonin. Beide Stoffe sind außerdem Neurotransmitter, also Botenstoffe, die in unserem Hirn funktionieren und auf diese Weise unser Befinden beeinflussen.

Doch bei der Recherche nach glücklich machenden Lebensmittel, stoßen wir auf immer mehr Produkte, die uns vermeintlich das Leben erleichtern. Nüsse gegen Depression, Bananen und Schokolade gegen schlechte Laune, Kürbisse gegen Stress – ist das alles wahr oder bloße Spekulation?

Die Wirkung von sogenanntem Mood-Food sollte immer vorsichtig betrachtet werden. Thomas Ellrott, Ernährungsmediziner und Leiter der Ernährungspsychologischen Forschungsstelle der Universität Göttingen zweifelt an der Wirkung von Serotonin, das von vielen Ratgebern hochgelobt wird.

„Serotonin im Essen kommt gar nicht dahin, wo es glücklich machende Wirkung haben könnte, nämlich ins Gehirn. Und darum ist es ein Trugschluss, zu glauben, dass man Serotonin essen kann und dann glücklich wird“, erklärte er dem SWR.

Dopamin statt Serotonin

Der Ernährungsmediziner glaubt daran, dass uns die positiven Erinnerungen, die wir mit der Aufnahme bestimmter Lebensmittel verbinden, glücklich machen. „Man koppelt den Geschmack eines Lebensmittels an eine parallele, ganz positive Lebenssituation. Und später, wenn man dieses Lebensmittel zu einer anderen Situation isst, kann man dieses positive Gefühl mit dem Geschmack des Lebensmittels automatisch wieder abrufen.“

Glücklich macht Käse also nur, wenn es uns auch schmeckt – was aufgrund des hohen Fett- und Kaloriengehalt naheliegend ist. Dann empfinden wir Freude beim Verzehr und assoziieren diese Gefühle mit Käse.

Es spielen viele Faktoren zwischen der Aufnahme der Nahrung bis zum Glücklichsein eine Rolle. Was, wie genau und wo wirkt, ist umstritten. Letztendlich sollte jeder das essen, auf was er Hunger hat – denn das macht ihn meistens glücklicher als irgendwelche Ernährungs-Ratgeber.