Kaiserslautern-Fans kämpfen mit ihrer eigenen Brause gegen Kommerz im Profifußball

Zwei Männer aus Rheinland-Pfalz nervt die Kommerzialisierung des Profifußballs durch einen österreichischen Blubberbrause-Hersteller. Deshalb haben sie jetzt ihren eigenen Fan-Drink entwickelt.

Pälzer Deivel/Facebook

Bei den Amateuren des SV Rot-Weis Göcklingen kommt die Anti-Red-Bull-Brause gut an. (links: Hugo Marceca rechts: Emiliano Mahe) Pälzer Deivel/Facebook

Der Streit schwelt seit Jahren in der Fußball-Fan-Welt. Spätestens aber seit Rasenballsport Leipzig mit den Sponsorengeldern eines österreichischen Energy-Drink Herstellers in die Zweite Fußball-Bundesliga aufstieg, ist er richtig entbrannt:

Auf der einen Seite Fußball-Traditionalisten, die seit Generationen für ihren Herzensverein ins Stadion gehen, auf Auswärtsspiele mitfahren und unter logo-beflockter Bettwäsche einschlafen.

Auf der anderen Seite Fans von Vereinen wie Hoffenheim, Leipzig und Salzburg, die sich genau wie die anderen über einen Fußballverein freuen wollen, den sie in den oberen Ligen beklatschen dürfen.

Andreas Garecht und Carmelo Pirrello gehören zu Ersteren und sind stolz darauf. „Alle Fußballklubs, die eine Fanszene haben, die über Jahrzehnte gewachsen ist, verachten diese Kommerzgeschichte wie sie durch die TSG Hoffenheim, Red Bull Salzburg oder auch RB Leipzig entstanden ist“, sagt Andreas Garecht.

Schon lange sind die beiden Männer Anhänger des 1. FC Kaiserslautern. Und sie trinken gerne Energy-Drinks, genau wie viele andere Fußballfans. Damit sie aber nicht das „Kommerz-Gesöff mit den zwei Flügeln“ trinken müssen, entwarfen sie ihre eigene Fan-Limonade „Pälzer Deivel“.

Carmelo Pirrello, 39, (links) und Andreas Garecht, 44, (rechts) verkaufen ihren regionalen Energy-Drink „Pälzer Deivel“ als Gegenentwurf zu „Red Bull“.

Wie ihre Limonade produziert wird, verraten sie nicht. Nicht so süß soll sie schmecken, keinen „Gummibärchengeschmack“ haben, dafür aber viel Kohlensäure und einen hohen Anteil an Molke beinhalten – das macht die Dose pfandfrei.

Logo und Claim erinnern an den 1. FC Kaiserslautern

„Dosen kann man ja eh nicht im Stadion kaufen, deshalb geht es uns mehr um den Weg dorthin und die Kultur ums Fußballspiel herum“, sagt Carmelo Pirrello. Und Kultur findet sich auch auf den silber-schwarzroten Dosen wieder: Das Logo ist eng an das des FCKs angelehnt und der Spruch zur Limo „So laafd die Geschicht“ selbst eine kleine Fangeschichte in sich:

In einem Youtube-Video lieferte sich Presi, ein regional-bekannter Punk-Sänger und bekennender Anhänger Kaiserslauterns, ein angeheitertes Wortgefecht mit einem Karlsruhe-Fan. Dabei fiel auch der Satz „So laafd die Geschicht“ und das Video erlangte in Fan-Kreisen solch einen Kultstatus…

…, dass Presi mit seiner Band ein Lied darum dichtete.

Pälzer Deivel als regionale Fan-Limo vielleicht auch bald auf St. Pauli und bei Dynamo Dresden?

Obwohl die beiden Erfinder des Energy-Drinks in ganz Deutschland „ein Zeichen für Fußballkultur und -tradition setzen wollen“, bleibt „Pälzer Deivel“ vorerst eine regionale Limonade: „Dieses Getränk ist in Hamburg und Berlin nicht zu verkaufen. Aber wir spinnen den Gedanken später vielleicht gerne weiter und sagen, dass Fans aller Klubs mit Tradition, ob nun St. Pauli, Dynamo Dresden oder Union Berlin, eine regionale Limonade Red Bull vorziehen würden“, sagt Garecht.

Dass er damit nicht so ganz Unrecht haben könnte, zeigen die Reaktionen der FCK-Fans, die schon jetzt mit der Betzenberg-Brause posieren: