Kein Raum sagt so viel über dich aus wie dein Schlafzimmer

Um herauszufinden, wie jemand lebt, reicht ein Blick ins Schlafzimmer. Barbara Peacock zeigt Porträts von Menschen im intimsten Raum ihres Zuhauses.

24 Jahre und vier Monate unseres Lebens schlafen wir Deutschen durchschnittlich. Es ist kein Wunder also, dass wir uns in unseren Schlafzimmern so wohl wie möglich fühlen wollen. Also richten wir uns gemütlich ein, hängen Bilder auf und ziehen schöne Bettwäsche auf.

Damit wird das Schlafzimmer zum intimsten Raum unseres Zuhauses.

Zeig mir dein Schlafzimmer und ich sage dir, wer du bist!

Dass wir viel über eine Person lernen können, wenn wir deren Schlafzimmer ansehen, sagt Fotografin Barbara Peacock. Für ihr Fotoprojekt American Bedroom porträtierte sie US-Amerikaner*innen in ihren Schlafzimmern. „Die Bilder erzählen ganze Geschichten in einem einzigen, rührenden Moment“, sagt sie.

Die Idee dazu hatte Peacock eines Morgens, als sie – natürlich – gerade aus dem Bett stieg. Ihr Ehemann lag ausgestreckt auf dem Doppelbett, er trug seine Schnarchmaske, schwarze Socken und gepunktete Boxershorts. Sein nackter Bauch war in die Höhe gestreckt. Als sich Peacock über diesen Anblick bewusst wurde, begann sie zu kichern.

Sie stellte sich vor, wie sie wohl aussieht, wenn sie neben ihm liegt. Mit Schlafmaske, Tanktop und den funky Socken, die sie gerne trägt. Sie legte sich zurück zu ihrem Mann und begann über die Schlafzimmer anderer Menschen nachzudenken und wie man das Leben darin in einem Bild einfangen könnte. Welche Dinge liegen auf dem Nachttisch, welche auf dem Boden? Neben wem schlafen sie? Kinder, Haustiere, Waffen? Schlafen sie beim Lesen oder Fernsehen ein, oder darf im Schlafzimmer keine Art der Ablenkung sein?

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Warten auf den magischen Moment

Einige der Menschen in ihrer Fotoserie sind Peacocks Verwandte und Freund*innen, Personen aus ihrem direkten Umfeld. Andere meldeten sich auf ihren Social-Media-Aufruf oder fanden die kleinen Postkarten zum Projekt, die sie in Restaurants und Cafés hinterlegte. Nach einer ersten Kontaktaufnahme fuhr die Fotografin zu den Menschen nach Hause und ließ sich deren Geschichten erzählen.

Danach versuchte sie, die Persönlichkeiten der Teilnehmer*innen im Bild auszudrücken. Wenn sie sonst nackt schlafen, sollten sie auch im Bild nackt sein. Peacock setzte sich ihnen gegenüber und wartete auf „diesen einen Moment, wenn etwas Magisches passiert“. Das könne eine Katze sein, die plötzlich auf das Bett springt, aber auch nur eine bestimmte Kopfbewegung oder ein bestimmter Blick. „Bis das passierte, war ich still und machte mich unsichtbar. Einmal saß ich mehr als eine Stunde im Zimmer und sah einer Familie zu, wie sie Zeit auf dem Bett verbrachte“, erzählt sie. Man müsse nur lange genug warten, der magische Moment komme immer.

Was Barbara Peacock aus ihrem Projekt gelernt hat? „Zuzuhören“, sagt sie. „Und dass es viele einsame Menschen gibt und dass Menschen viele Geschichten zu erzählen haben, wenn ihnen nur jemand zuhört.“