Keine Satire: So hetzte AfD-Mann Björn Höcke gestern in Dresden

Der thüringische Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD Björn Höcke hat gestern Abend in Dresden auf einer Veranstaltung des Parteinachwuchses eine Hetzrede gehalten. Er plädierte für eine Neuinterpretation der deutschen Geschichte und inszeniert die AfD als einzige Retterin des Vaterlandes.

Höcke während seiner Rede in Dresden. © Youtube/Campact

Dresden, die Hauptstadt des Widerstandes. So nennt zumindest das rechte Blatt Compact die Stadt auf Youtube. Dort hielt gestern Abend Björn Höcke (AfD) bei einer Veranstaltung der Jungen Alternative (JA) eine Hetzrede, die einen unweigerlich an Reden von Goebbels oder Hitler aus den 1930er Jahren erinnert.

Diese zehn Sätze (und einige mehr) hat Höcke tatsächlich gesagt und teilweise frenetischen Beifall bekommen. Keine Pointe.

„Wenn ich heute […] in diesem Saal, […] eine reine, ehrliche, bescheidene und tief begründete Vaterlandsliebe spüre, […] dann meine ich: Eigentlich müsste Dresden die deutsche Hauptstadt sein.“

In Dresden begannen die Pegida-Proteste. Höcke sieht in den vielen Menschen, die dort gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“ und die Flüchtlingspolitik der Regierung demonstrieren, wahre Patrioten, an denen sich jedes andere Bundesland ein Beispiel nehmen sollte. Diese „Mutbürger“ seien keine „wirtschaftlich abgehängten“, sondern „anständige Menschen“. Anständige Menschen, die mit einem Galgen demonstrieren, an dem Merkel- und Gabrielschilder hängen.

„Unser liebes Volk ist im Inneren tief gespalten und […] durch die Masseneinwanderung in seiner Existenz das erste Mal elementar bedroht.“

Höcke zeichnet das Bild eines durch Invasoren bedrohten Landes. Die Flüchtlingszahlen sind 2016 extrem gesunken – von Masseneinwanderung kann keine Rede sein. Außerdem ist Deutschland ein alterndes Land, dass gezielte Zuwanderung durchaus gebrauchen kann – Deutschland ist also eher ohne Einwanderung bedroht.

„Ich möchte, dass ihr euch im Dienst verzehrt – ich möchte euch als neue Preußen.“

Als preußische Tugenden gelten Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Disziplin, Ordnungssinn und Aufrichtigkeit. Immer wieder wird an ihnen die Wissenschafts- und Kunstferne kritisiert. Ursprünglich galten die preussischen Tugenden vor allem für das Militär und die soldatische Ausprägung, reduziert auf „Befehl und Gehorsam“ bis hin zur negativen Ausprägung von blindem Gehorsam und Demokratiefeindlichkeit.

Dass sich Höcke offenbar die Remilitarisierung Deutschlands wünscht, machte er auch an folgender Stelle deutlich:

„Unsere einst geachtete Armee ist […] zu einer […] Eingreiftruppe im Dienste der USA verkommen.“

„Die Bombardierung Dresdens war ein Kriegsverbrechen, […] sie ist vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki.“

Das vor der Bombardierung Dresdens Auschwitz, der Blitzkrieg gegen England, der Überfall auf die Sowjetunion und unzählige andere Greueltaten der Nazis standen, deren Todesopfer in keinem Verhältnis zu den deutschen Opfern der Bombardierung Dresdens stehen, davon sagt Höcke kein Wort, stattdessen:

„Mit der Bombardierung Dresdens und anderer deutschen Städte, wollte man nichts anderes, als uns unserer kollektiven Identität berauben […] Man wollte uns mit Stumpf und Stiel vernichten.“

Die kollektive Identität vor der Bombardierung Dresdens war der Nationalsozialismus, der Millionen Menschen den Tod brachte.

„Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande ins Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Damit spielte Höcke auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin an, das daran erinnert, wozu rechtes Gedankengut in letzter Konsequenz einmal führte.

„Anstatt die Nation mit seinen großen Wohltätern […] in Berührung zu bringen, […] wird die deutsche Geschichte mies und lächerlich gemacht.“

Höcke plädiert für eine andere Geschichtsschreibung, in der es nicht mehr nur deutsche Täter, sondern auch deutsche Opfer geben muss.

„Bis heute sind wir nicht in der Lage unsere eigenen, deutschen Opfer zu betrauern.“

„Diese dämliche Bewältigungspolitik lähmt uns heute noch […]. Wir brauchen, so dringend wie niemals zuvor, diese erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“

Die Aufarbeitung der Nazivergangenheit nennt Höcke eine „systematische Umerziehung“. Dabei hätten wir die moralische Pflicht, dieses Land, diese Kultur an die kommende Generation weiterzugeben. „Wir müssen wieder wir selbst werden“, sagt Höcke und „Wir werden diese innere Erneuerung [eine andere Geschichtsschreibung, Anm. d. Red.] um unser Vaterland willen auch durchsetzen.“

„Die AfD ist die letzte, friedliche Chance für unser Vaterland.“

Höcke trat zusammen mit anderen, sächsischen AfD-Politikern auf, die seinen Reden in nichts nachstanden. Jens Maier, der AfD-Bundestagskandidat für Dresden, erklärte beispielsweise „diesen Schuldkult [um die Shoa, Anm. d. Red.] für endgültig beendet.“ Es kamen mehrere hundert Gäste, gegenüber dem Brauhaus, in dem die Veranstaltung statt fand, versammelten sich circa 250 Gegendemonstranten.

Die ganze Rede – ohne redaktionelle Kürzungen – kann hier angeschaut werden:

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