Keine Schauspielausbildung? So schafft ihr es trotzdem vor die Kamera

Ohne Schauspielausbildung in einem Film oder einer Serie mitspielen? Das geht – als Kompars*in. Aber wie kommt man an einen Job?

Pexels/CC0

Ab vor die Kamera! Pexels/CC0

Die Zufallsrolle

Stefan Haget ist etwas gelungen, von dem viele „Game of Thrones“-Fans träumen: Er war nicht nur live am Set mehrerer Folgen in Belfast dabei. Der 24-Jährige hat in der Fantasy-Serie sogar selbst mitgespielt – als Komparse. An der Seite von circa 500 weiteren Statist*innen zog er in eine Massenschlacht.

[Außerdem auf ze.tt: Datenprojekt: So diskutiert das Netz über „Game of Thrones“]

Schnappschuss vom "Game of Thrones"-Dreh: Stefan (Mitte) hat Iwan Rheon vor die Kamera bekommen, der in der Serie den verhassten Ramsay Bolton gibt.
Schnappschuss vom „Game of Thrones“-Dreh: Stefan (Mitte) hat Iwan Rheon vor die Kamera bekommen, der in der Serie den verhassten Ramsay Bolton spielt.

Den Job hat Stefan zufällig ergattert. „Im November 2014 habe ich für wenige Wochen ein Praktikum für mein Englischstudium gemacht und mit Freunden in einem kleinen Hostel in Belfast gearbeitet“, erzählt er. Dort habe er mehrere „Game of Thrones“-Statisten kennengelernt, die ihn weitervermittelten. Ein halbes Jahr später kam per Anruf die Anfrage, ob er bei der neuen Staffel mitmachen wolle. Dafür musste Stefan nur ein paar optische Anforderungen erfüllen: Rasur und Haarschnitt waren verboten. „Ich sollte authentisch aussehen und nicht durch einen modernen Haarschnitt auffallen.“

Circa 30 Drehtage verbrachte Stefan mit Vollbart am Set. „Kurioserweise war es in den ersten Wochen der Dreharbeiten, sehr unüblich für Nordirland, unheimlich heiß“, erzählt er. Täglich 30 Grad führten dazu, dass in jeder Pause Mitarbeiter*innen über das Set spurteten, um den Darsteller*innen Sonnencreme auf die Haut zu schmieren.

[Außerdem auf ze.tt: Mit welchem Charakter aus „Game of Thrones“ solltest du ins Bett?]

In den Pausen hatte Stefan ab und an die Gelegenheit, auf Tuchfühlung mit den Stars der Serie zu gehen. „Auch wenn sie sich abgeschottet haben, um sich auf neue Szenen vorzubereiten und Texte durchzugehen, fand ich es erstaunlich, dass sie in den kürzeren Drehpausen den Kontakt auch mehrfach gesucht haben“, erzählt er.

Für die Mitarbeit bekam Stefan gerade so viel Kohle, dass er sich die Flüge und Übernachtungen leisten konnte und am Ende ein kleines Taschengeld übrig blieb. Das Erlebnis war ihm aber schon Lohn genug.

Der Agentureinstieg

13624537_1092783810768637_1267853521_n
Linda hat sich bei Agenturen beworben, um an Komparsinnenrollen zu kommen. Irgendwann möchte sie auch mal einen Film mitsynchronisieren. Foto: privat

Linda Drescher ist nicht durch Zufall in ihre Rollen gestolpert. Die 22-Jährige stand schon bei „GZSZ“ als Konzertgängerin in der Menge und lief bei „Anna und der König von Dresden“ durchs Bild. Um die Mini-Rollen zu bekommen, bewarb sie sich bei Agenturen.

Tipps, die sie mitgeben kann: „Am wichtigsten sind aktuelle und gute Fotos, weil die Agenturen dich anhand von denen an die Produktionsfirmen vermitteln“, erzählt die Dresdnerin. „Wenn Massenszenen gedreht werden, ist es meist relativ egal, aber für bestimmte Gesuche sind die Fotos von großer Bedeutung.“

Wer sich den großen Durchbruch als Schauspieler*in durch eine Statistenrolle erhofft, den holt Linda allerdings auf den Boden der Tatsachen zurück. Das Honorar von Kompars*innen orientiert sich in der Regel am Mindestlohn. „Und man muss sich bewusst sein, dass man im Endeffekt nur das Bild füllt und keine tragende Bedeutung für den Film darstellt“, sagt sie.

[Außerdem auf ze.tt: Dein Leben nach der Uni – Mythos vs. Realität]

Das große Glück, sich wie ein Johnny Depp von Komparsen- zu Nebenrolle zu hangeln und den Leuten damit im Gedächtnis zu bleiben, haben nur wenige. Linda will die Komparsinnenrollen langsam aber sicher hinter sich lassen. Neben ihrem Medienmanagement-Studium versucht sie, in Zukunft mehr als Schauspielerin gebucht zu werden. „Ich hätte auch mal voll Lust auf einen Auftrag als Synchronsprecherin für einen Film“, sagt sie.

Die andere Seite

Franz Müller kennt die andere Seite des Jobs. Der 25-Jährige arbeitet als Kompars*innen-Betreuer an Sets. „Eine klassische Ausbildung gibt es wie bei vielen Berufen in der Filmbranche nicht“, sagt er. Er sei durch Praktika in dem Job gelandet. Zu seinen Aufgaben am Set gehört es, sämtliche Vorbereitungen für die Teilnahme der Kompars*innen am Dreh zu treffen: Franz empfängt die Darsteller*innen, weist sie ein, passt auf, dass das Kostüm passt und probt mit ihnen.

[Außerdem auf ze.tt: Korsett statt BH: Diese Studentin trägt Kleider wie vor 200 Jahren]

„Die größte Sorge ist immer, wie lange der Dreh dauern wird“, erklärt Franz. Den Kompars*innen werde angesagt, sie sollen den ganzen Tag für den Dreh freischaufeln. Manchmal weiß Franz auch selbst nicht, wie lange der Arbeitstag wird. „Man kann zwar durch die berufliche Erfahrung abschätzen, wie viel Zeit für diese oder jene Szene benötigt wird, aber es kann so viel Unvorhergesehenes passieren, dass ich mir abgewöhnt habe, Prognosen zu stellen.“

Ein Komparse sei mal um acht Uhr morgens zu einem Dreh geladen worden, habe dann aber acht Stunden ohne Einsatz warten müssen. Am Ende habe der Regisseur sich gegen seine Rolle entschieden. „Der Komparse wurde zwar bezahlt“, berichtet Franz. „Es war aber trotzdem schade für ihn, kein einziges Mal im Bild zu sein. Ich hab ihn dann an einem anderen Tag nochmal rein bekommen. Er nahm’s locker.“

Hier findet ihr Stellen

Wer sich auch mal als Kompars*in versuchen möchte, findet Gesuche auch in Facebook-Gruppen wie dieser, dieser oder dieser. Crew United gibt als wichtigstes Filmnetzwerk ebenfalls eine Übersicht über aktuelle Projekte, für die Leute gesucht werden, ebenso beim Casting-Network.