Köln lernt von Flüchtlingen kochen

Wir reden viel über Integration. Aber wie gelingt sie denn nun? Wenn es nach der Bürgerinitiative „Küchenfreund“ aus Köln-Ehrenfeld geht: mit Kochen. Drei Flüchtlinge aus Nigeria haben gemeinsam mit Kölnern Gerichte aus ihrer Heimat zubereitet.

© Philip Buchen

Anita, Mohmad und Patricia zeigen den Kölnern Gerichte aus ihrer Heimat. © Philip Buchen

Nigerianische Teigtaschen, Yam, Vegetable Stew und gegrillte Kochbananen mit Erdnüssen standen auf der Speisekarte. Kein Wunder, dass bei so vielen unbekannten Gerichten die Einkaufsplanung schon mal schiefgeht. Bei ihrer Ankunft stellt die nigerianische Köchin Patricia Micheat (23) fest: Die Bananen, die die „Küchenfreund“-Organisatoren Felix Mindl (24) und Lisa Schöffel (27) gekauft haben, sind viel zu grün – fürs Grillen völlig ungeeignet.

„Genaue Rezepte sind sowieso total deutsch.“

Schnell zurück in den Supermarkt, denn die Zeit drängt: Am Abend will die Gruppe rund 60 Kölnern ein nigerianisches Buffet präsentieren. Während Patricia Richtung Supermarkt spurtet, bleibt Lisa mit dem Rest der Gruppe im Kölner „Quäker Nachbarschaftsheim“ und nimmt’s locker: „Wir haben die Zutaten vorher abgesprochen, aber genaue Rezepte sind sowieso total deutsch.“


Vegetable Stew

© Philip Buchen
© Philip Buchen

Zutaten: 4-5 Tomaten, 2 Paprika, frische Chilis, 2 Zwiebeln, Öl, Fisch (zum Beispiel Taitos), 2 Packungen Greenleaves, Brühwürfel

  • Tomaten, Zwiebeln und Paprika kleinschneiden und jeweils die eine Hälfte pürieren
  • püriertes Gemüse kochen, restliches Gemüse in einem anderen Topf anbraten und zur Gemüsesuppe dazugeben
  • Greenleaves in kleine Streifen schneiden, ohne Wasser in einen Topf geben und erhitzen
    abtropfen lassen und zur Gemüsebrühe geben
  • Fisch mit Brühwürfeln einreiben, anbraten, salzen und dann in kleinen Stücken zur Suppe geben
  • alles 10 min weiterkochen

Der Terror von Boko Haram, hohe Arbeitslosigkeit, keine Ausbildungsmöglichkeiten: Das sind die Gründe, warum die jungen Frauen Nigeria verlassen haben. Patricia hat es mit einem Boot nach Europa geschafft, die schwangere Anita Benjamin (26) ohne ihre Familie. Und doch ist die Stimmung wie an jedem anderen Kochabend auch: herzlich und fröhlich. Dass die jungen Frauen nach diesen Strapazen ihre Lebensfreude nicht verloren haben, grenzt an ein Wunder.

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr findet ein solcher „Küchenfreund“-Abend statt, erzählt Lisa und fügt hinzu: „Wir würden Küchenfreund gerne öfter veranstalten, nur leider fehlt uns Organisatoren die Zeit dazu.“ In Köln leben viele Flüchtlinge, die gerne einmal für die Deutschen Gerichte aus ihrer Heimat kochen würden, meint Lisa. Gedacht ist die Aktion nicht etwa als Hilfsprojekt für arme Flüchtlinge – stattdessen will die Bürgerinitiative den Austausch zwischen den Kulturen fördern, Wissensaustausch ermöglichen.


Nigerianische Teigtaschen

© Philip Buchen
Das Buffet des Abends mit den Teigtaschen links im Bild. © Philip Buchen

Zutaten: 2 Karotten, 1 Zwiebel, 2 Kartoffeln, 250g Rinderhack, 1 TL Thymian, 1 TL Currypulver, 1-2 Brühwürfel, 3 EL Erbsen, ½ kg Mehl, ½ Packung Margarine, Salz, etwas Milch, 1 TL Backpulver, 1 Eiweiß

  • für die Füllung 2 Karrotten, 1 Zwiebel und 2 Kartoffeln ganz klein hacken
  • in einem Topf 250g Rinderhack mit Zwiebeln anbraten, mit 1 Tasse Wasser ablöschen und 1 TL Thymian, 1 TL Currypulver sowie 1 -2 Brühwürfel zugeben, gut rühren
  • Karrotten, Kartoffeln und 3 EL Erbsen zugeben, 10min zusammen kochen
  • Wasser durch ein Sieb abgießen, dann alles in etwas Öl nochmal anbraten
  • einen Teig kneten aus ½ kg Mehl, ½ Packung Margarine, Salz, Milch und 1 TL Backpulver
  • Teig ausrollen und Kreise von 15cm Durchmesser ausschneiden
  • etwas Füllung auf den Kries geben, dann zu Halbkreisen zusammenklappen, mit der Gabel am Rand zudrücken und mit Eiweiß bestreichen
  • im Ofen bei 200 Grad 15 Minuten backen, bis sie leicht braun sind
  • dann wenden und nochmal 15 Minuten backen

Anita freut sich, dabei zu sein: „Ich liebe es, zu kochen, und freue mich, wenn es meinen Gästen schmeckt!“ In Nigeria arbeitete sie als Friseurin und Stylistin, ob sie diesen Beruf auch in Deutschland ausüben kann, weiß sie nicht. Derzeit lebt sie, wie die anderen Frauen, auch im Kölner Hotel Mado, das im November 2014 zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde. Mehr als 130 Flüchtlinge leben hier, das Hotel hat seinen Regelbetrieb geschlossen und beherbergt nun ausschließlich Flüchtlinge.

„Ich hoffe, dass ich bald mein eigenes Zimmer bekomme.“

Ehrenamtliche bringen den Flüchtlingen hier Deutsch bei, es gibt einen eigenen Fußball-Club, den FC Mado United. Doch an Urlaub erinnert hier wenig, einige Zimmer müssen sich bis zu vier Flüchtlinge teilen, Privatsphäre gibt es kaum. „Uns geht es gut in dem Hotel“, sagt Patricia, „aber ich hoffe, dass ich bald mein eigenes Zimmer bekomme.“ Doch ob die Frauen überhaupt in Deutschland bleiben können ist ungewiss. Ihre Asylanträge sind in der Prüfung, die deutschen Behörden nehmen nur wenige nigerianische Asylbewerber auf.

Doch daran denkt kaum einer, als das Essen auf den Tisch kommt: Nach mehreren Stunden Grillen, Hacken, Kochen und Schnibbeln sind die Gerichte fertig und das Nachbarschaftsheim füllt sich. Zufriedene Gesichter des Koch-Teams treffen auf neugierige Gäste, kontaktscheu ist hier keiner. Integration kann mit gutem Essen ganz schon einfach sein.


Gegrillte Kochbananen mit Erdnüssen

© Philip Buchen
© Philip Buchen
  • reife Kochbananen (braun, weich, keinesfalls grün!) pellen und mehrmals schräg einschneiden
  • in den Ofen oder auf den Grill legen
  • mit gesalzenen Erdnüssen am besten warm servieren oder in Palmöl dippen („red oil“)