Kriege und Revolutionen lassen Bienen sterben

Nicht nur Pestizide sind eine Gefahr für Bienen, sondern auch die Krisen, die der Mensch verursacht. Bürgerkriege und Revolutionen sind gefährlich für die Insekten. Vielleicht sogar gefährlicher als Pestizide und Parasiten.

© Georges Gobet/AFP/Getty Images

Bienen im Garten. © Georges Gobet/AFP/Getty Images

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Aber warum reagieren die Honigsammler so empfindlich auf das Weltgeschehen?

Gefahr für Welternährung

Neben Rind und Schwein ist die Honigbiene eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere. Sie hilft den Pflanzen bei der Bestäubung, indem sie ihre Pollen weiterträgt. Das ist besonders aus makro-ökologischer Sicht relevant: viele Pflanzen dienen Tier wie Mensch als Nahrungsquelle und tragen zur biologischen Vielfalt bei.

Etwa 90 Prozent der Wildpflanzen und 75 Prozent der Nutzpflanzen sind laut Schätzungen auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Die Insekten werden damit auch zum Wirtschafsfaktor: denn die von ihnen bestäubten Nutzpflanzen haben immerhin einen Wert von 153 Billionen Euro pro Jahr.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) sieht das Bienensterben deswegen als akute Gefahr für die globale Nahrungsversorgung: 70 der 100 wichtigsten Nahrungsmittel werden schließlich von Bienen bestäubt.

Historische Wende lässt Bienen sterben

Auffällig ist der Populationsrückgang der Bienen seit den späten 1980ern. So sind in Europa sieben Millionen Bienen in einem Zeitraum von nur sechs Jahren verschwunden. Die Autoren der Studie aus Halle sehen einen Zusammenhang von politischen Krisen und der zurückgehenden Bienenpopulation, zumindest indirekt.

Beispielsweise führte das Ende der Sowjetunion in den 1990ern zu einem sozialen und demografischen Wandel. Viele Imker aus der DDR, die vor der Wiedervereinigung staatliche Zuschüsse erhielten, verloren nach dem Mauerfall das Interesse an der Honigproduktion. Mit dem Bevölkerungsrückgang im Osten Deutschlands nahm außerdem die Zahl der Imkereibetriebe ab.

Ist das Bienensterben eine Frage der politischen Situation in der Menschenwelt? Über den Zusammenhang zwischen globalen Krisen und der Zahl der Bienen hat detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller hat mit Silvio Erler gesprochen. Er ist Biologe und forscht an der Martin-Luther Universität in Halle über die Bienen.

Redaktion: Zülal Yildirim