Kühe leiden, Cheddar schimmelt: Käse-Chaos in den USA

Die Milchbauern in den USA produzieren zu viel Käse – selbst für amerikanische Bäuche. Schuld ist ein hungriges Wirtschaftssystem.

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Alles Käse oder was? Foto: Sean Gallup/Getty Images

„Je mehr Käse, desto mehr Löcher. Je mehr Löcher, desto weniger Käse. Also: Je mehr Käse, desto weniger Käse! Oder?“, sagte schon Aristoteles.

Das geht leider nicht auf – erst Recht nicht in Amerika. Weil die Nachfrage vor zwei Jahren gestiegen war und die Bauern damals mehr Kühe kauften, droht jetzt der Verfall hunderttausender Tonnen Käse. Denn die Massen an Milch, die sich die Nutztiere unter inakzeptablen Bedingungen aus den Körpern pumpen lassen müssen, sind spottbillig. Die Kühe leiden, während der Käse schimmelt.

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Das sind die Käse-Probleme:

    1. Problem: Laut Landwirtschaftsministerium liegen derzeit 540.000 Tonnen Käse in den Kühllagern. Das sind elf Prozent mehr Cheddar, Mozzarella und Co. als vergangenes Jahr. Tendenz steigend, kommendes Jahr werden die Kühe noch mehr Milch geben. Damit ist der weitere Preisverfall vorprogrammiert.
    2. Problem: Der gelagerte Käse wird sich nicht ewig in den Kühlhallen der Produzent*innen halten, die auf den großen Käsehunger warten.
    3. Problem: Die Europäer*innen kaufen ungern amerikanischen Käse und auch die Amerikaner*innen selbst essen lieber qualitativ hochwertige Produkte aus der Heimat des Käses. Sprich: Italien, Schweiz oder den Niederlanden.

Demzufolge ist ein Abbau des Käseberges nicht absehbar. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass jede*r Amerikaner*in diesem Jahr theoretisch mehr als 1,5 Kilogramm mehr Käse verzehren müsste, um den Überfluss an Käse zu vernichten.

Noch mehr Käse auf dem Burger

Das heißt dann wohl: Noch mehr Double-Cheese-Burger, Mac’n’Cheese und Käsebällchen bei Tacobell. Obwohl die wahrscheinlich nicht mehr viel mit richtigem Käse, sondern mehr mit zusammengestampften Pflanzenfett zu tun haben.

Die Amerikaner*innen sind Profis darin, viel Käse zu produzieren und vor allem darin, ihn zu vermarkten. Zwischen dem amerikanischen „Swiss Cheese“ und echtem Käse aus der Schweiz liegen Welten. Doch derartige Marken sind in Amerika nicht geschützt; jeder herkömmliche Käsegroßhändler kann „Feta“auf sein Massenprodukt stempeln.

Qualität versus Quantität

In Europa ist das verboten. Wenn europäische Hersteller ihr Produkt mit „Parmesan“ deklarieren, muss der Hartkäse auch im italienischen Parma oder in der Umgebung hergestellt worden sein. Das heißt Sicherung von Lebensmittelhandwerk und Qualität. Das Freihandelsabkommen TTIP würde mit dieser Qualitätssicherung brechen. Wollen wir das wirklich?

[Außerdem bei ze.tt: Zurück an den Herd!]

Klar, den Amerikanern würde das vielleicht aus ihrem käsigen Chaos helfen. Den kleinen und mittelständischen Käsereien in Europa nähme das jedoch die Lebensgrundlage. Und uns den geliebten Parmesan auf der Pasta.