Künstlerin simuliert eigene Vergewaltigung, um männliche Dominanz aufzubrechen

Die Künstlerin Sophia Hewson will das Thema Vergewaltigung entmystifizieren und die Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft aufbrechen. Daher stellte sie selbst eine nach. Das vollständige Video ist in einem Museum in Melbourne zu sehen.

© Sophia Hewson

Sophia Hewsons aktuelle Ausstellung ist in der MARS Gallery in Melbourne zu sehen. © Sophia Hewson

Mit Performance-Kunst möchte die australische Künstlerin Sophia Hewson auf die patriarchalische Natur von sexueller Gewalt aufmerksam machen: Sie filmte sich selbst bei einer „Vergewaltigungsdarstellung“. Dafür lud sie einen fremden Mann mit dem Pseudonym „Bob“ in ihr New Yorker Zuhause ein und filmte sich beim Sex.

In dem drei Minuten langen Video ist bloß das Gesicht der Künstlerin und ein Männerarm zu sehen. In einem Statement auf ihrer Website schreibt sie, dass die Einstellung bewusst so gewählt sei, da es nicht darum ginge zu sehen, wie ein Frau geschlagen und penetriert wird. Vielmehr sollen die Zuseher*innen unmittelbar in die Augen einer Frau schauen, die gerade vergewaltigt wird –  und somit Zeuge von der emotionalen Verwüstung werden, die eine Vergewaltigung anrichtet.

1 Still - Untitled (are you ok bob)
© Sophia Hewson

Der Titel des Films Untitled („are you okay bob?“) – „Geht’s dir gut, Bob?“ – bezieht sich auf Sophias erste, uninszenierte Worte nach der Tat und soll einmal mehr auf den orchestrierten Charakter des Films verweisen. Mehr noch: Die Künstlerin möchte mit der Aussage darauf aufmerksam machen, dass Frauen das emotionale Wohlbefinden anderer oft vor ihr eigenes stellen. Das sei das Ergebnis jahrhundertelanger männlicher Unterdrückung. Mit dem Video möchte Sophia gegen diese aufopfernde und leidende Rolle der Frau kämpfen.

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Sophia stellte in einem Interview mit The Daily Beast klar, dass sie bei der Aufnahme tatsächlich Sex hatte. Bei der Suche nach einem Darsteller suchte sie bewusst einen älteren Mann an, von dem sie sich nicht angezogen fühlte. „Bob“ wusste über die Aktion Bescheid.

„Wer benutzt hier wen?“

Die 31-jährige Künstlerin thematisiert mit ihrem Video die Beziehung zwischen weiblicher „Objektivierung“ und männlicher Dominanz. Sie versteht Vergewaltigung nicht nur als ungewollten Sexualakt, sondern als Teil unserer patriarchalischen Gesellschaftsordnung. Geht es nach der Künstlerin müsse man beim Kampf gegen die männliche Dominanz in der Gesellschaft genau an dieser Stelle ansetzen. „Wenn eine Vergewaltigung die ultimative Waffe zur weiblichen Beherrschung ist, dann untergräbt jede andere Reaktion als permanentes Betroffensein diese Beherrschung.“

Die bewusste und freiwillige Entscheidung, das Gesicht einer Frau während der Vergewaltigung zu zeigen, sei laut Sophia der beste Angriff auf das Patriarchat. Damit die männliche Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft aufgehoben werden kann, müsse das Thema Vergewaltigung entmystifiziert werden.

3 Still - Untitled (are you ok bob)
© Sophia Hewson

Laut Sophia leben wir in einer Welt, in der wir gezwungen werden, bei Vergewaltigungsverbrechen eine Entscheidung zu treffen: Ist sie eine tief bestürzte Frau oder ein schuldiges Flittchen? Ist er ein diabolischer Verbrecher oder ein gequälter Mann? Gerade auch Sophias selbst gewählte Opferrolle und der Sex mit einem fremden Mann im Namen der Kunst würde die Frage nahelegen: Wer benutzt hier wen?

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Ihr Video würde sich gegen die Scham und Stigmatisierung von Opfern von sexuellen Übergriffen richten. Es sei zudem eine Hommage an all jene Künstlerinnen, die ihren Körper bewusst dazu einsetzen, die patriarchalische Gesellschaftsordnung zu destabilisieren.

In einer Stellungsnahme auf ihrer Website schreibt Sophia: „Ich hatte nie Vergewaltigungsfantasien und empfand beim Dreh keinerlei körperlichen Gefallen.“ Das vollständige Video gibt es ausschließlich im Rahmen ihrer Ausstellung in Melbourne zu sehen.

4 Still - Untitled (are you ok bob)