Künstler*innenkollektiv will Geflüchtete Tigern zum Fraß vorwerfen

„Wir werden Flüchtlinge an Tiger verfüttern!“ droht die Kunstgruppe „Zentrum für politische Schönheit“ der Bundesregierung. Mit einer Performance-Kampagne fordern die Aktivist*innen die Änderung eines Gesetzesparagrafen.

Vor dem Interview müsse sie sich noch Kohle ins Gesicht schmieren, sagt Cesy Leonard vom Zentrum. „Die darf bei einem öffentlichen Auftritt der Gruppe nicht fehlen“. Sie soll den Ruß der verbrannten Hoffnung Deutschlands darstellen. Was wie Kohle aussieht, ist in Wirklichkeit Schminke.

Echt sind aber die libyschen Tiger in dem Käfig, den die Künstler*innen für ihre Aktion in Berlin Mitte aufgestellt haben. Hier sollen Geflüchtete am 28.06. den Tigern zum Fraß vorgeworfen werden, wenn die Bundesregierung nicht eine Bestimmung in den Einreisebedingungen ändert.

Der Paragraf 63 Absatz 3, über den diese Woche entschieden wird, untersagt Beförderungsunternehmen Menschen ohne Visum zu transportieren. Bislang dürfen Menschen ohne Visum also offiziell nicht mit einem Flugzeug nach Deutschland reisen. „Das führt überhaupt erst dazu, dass Menschen unsichere Wege übers Mittelmeer wählen.“, sagt Cesy Leonhard.

Tiger in einen Käfig sperren – Ändert das die Politik?

Mit ihrer Aktion setzt sich das Zentrum für politische Schönheit für sichere Transportbedingungen für Flüchtende ein. Im ersten Teil der Aktion wird das durch Crowdfunding finanzierte Flugzeug „Joachim 1“ aus Berlin in die Türkei fliegen, um Geflüchtete abzuholen. Sollte die Gesetzesänderung abgelehnt werden, wird das Flugzeug ohne Passagiere zurückkehren.

In diesem Fall wird es in Berlin zum Finale kommen: Freiwillige Flüchtlinge sollen dann Tigern zum Fraß vorgeworfen werden. Bisher hat sich eine syrische Schauspielerin hat dazu bereiterklärt. Wie die Aktion ablaufen wird, verrät das Zentrum nicht.

Kritische Stimmen fragen: Heiligt der Zweck die Mittel? Sie sehen den Tierschutz durch die Aktion verletzt. Die Bestimmungen vom Veterinäramt sind jedoch erfüllt: Für einen Tiger ist eine Mindestfläche von 55 qm vorgesehen, der bestehende Käfig ist 110 qm groß. „Die Tiger liegen uns sehr am Herzen“ sagt Cesy Leonard.

Es scheint, als habe das Zentrum mit ihrer kontroversen Aktion schon jetzt deutlich mehr Medienaufmerksamkeit bekommen, als sie mit einer einfachen Demonstration erreicht hätten. Für das Anprangern politischer Missstände scheint die Gruppe in der Kunst ein geeignetes Mittel gefunden zu haben.