Korrupte Security verkauft Wartemarken vorm Lageso

Jouanna Hassoun ist Sozialmanagerin, Diversity-Trainerin, Leiterin des Zentrums für Migranten, Lesben und Schwule (Miles) und sie ist Ehrenamtlerin und Muslima. Seit Wochen hilft sie bei der Flüchtlings-Koordination des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin. Für ze.tt bloggt sie live von dort.

Foto Flüchtlinge: © Sean Gallup/Getty Images Foto Jouanna Hassoun: © Andrea Hansen

Jouanna Hassoun berichtet live vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales für ze.tt Foto Flüchtlinge: © Sean Gallup/Getty Images Foto Jouanna Hassoun: © Andrea Hansen

Mittwoch, 30. September – Korrupte Security verkauft Wartemarken vorm Lageso

Einige Mitarbeiter einer Security-Firma, die das Lageso bei der Sicherung unterstützt, sind ganz offensichtlich korrupt. Ein paar Securitys ließen sich 50 Euro und die Wartenummer der Flüchtlinge geben und versprachen ihnen, dass ihre Fälle schneller bearbeitet werden würden.

Ein einzelner Mitarbeiter soll zudem Wartemarken für je 250 Euro verkauft haben. Die Situation der verzweifelten Wartenden derart charmlos auszunutzen und Gewinn daraus zu schlagen, ist eine Frechheit. Die Sicherheitsfirma, der die Probleme schon bekannt sind, sollte dringend dagegen vorgehen.

Leere Phrasen – der Zentralrat der Muslime meldet sich endlich zu Wort, hilft aber nicht weiter

Dienstag, 29. September – Webseite, die Wartenummern anzeigt

Auf lagesonum.de können Flüchtlinge, die vorm Lageso anstehen, nachschauen, ob ihre Wartenummer schon angezeigt wurde.

Montag, 28. September – Massenschlägerei im Flüchtlingscamp

Sonntag, 27. September – Ich bekomme Mails von christlichen Fundamentalisten

Ich bin bekennende Muslima. Seit ich durch mein Engagement beim Lageso noch öfter Interviews gebe oder wie hier meine Gedanken aufschreibe, erreichen mich immer wieder Mails mit Zitaten wie diesem:

„Sehr geehrte Frau Hassoun, mein Gebet ist es, dass Gott Ihnen und allen in Ihrer Familie noch diesen rettenden Glauben schenken möge und wir uns einmal im Himmel wiedersehen.“

Danke, aber ich habe meinen Glauben schon gefunden. Das andere den anders auslegen, weiß ich. Aber das überzeugt mich, umso mehr meinen beizubehalten.

Samstag, 26. September – Gemeinden werden mit Flüchtlingsproblematik allein gelassen

Donnerstag, 24. September – Erster Festtag des Islamischen Opferfests bringt ein paar Stunden Freude

Mittwoch, 23.09.2015 – Die Sicherheitslage ist desolat

Auf dem Gelände des Lageso herrscht nach wie vor Ausnahmezustand. Viele Menschen sind mittlerweile so verzweifelt, dass sie sich selbst und ihre Angehörigen gefährden, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen:

Ein Vater wollte sein Kind über den Zaun werfen, um so hineinzukommen. Ein anderer rollte sich mit seinem Kind unter einen Bus, damit ihn die Sicherheitsleute bemerken. Es werden dringend mehr Polizisten und Sicherheitsleute gebraucht, die Lage ist desolat.

Die unzähligen Neuankömmlinge bekamen gestern nicht einmal mehr Wartemarken, weil die überlasteten Beamten des Lageso nicht mal hinterherkommen, die bereits Registrierten weiter zu bearbeiten.

Asyl-Anwärter warten auf ihre Registrierung vorm Lageso.
Asyl-Anwärter warten auf ihre Registrierung vorm Lageso. © John Macdougall/AFP/Getty Images

Die Menschen campieren bis zu 16 Stunden vor oder beim Lageso, um registriert zu werden und schlafen bei der Kälte mit ihren Kindern draußen. Die Ärzte und Pflegerinnen arbeiten weiterhin alle auf ehrenamtlicher Basis. Medikamente gibt es nur aus dem Spendentopf. Viele Pflegerinnen haben Angst alleine über das Gelände zu gehen, weil die Stimmung so gereizt ist und sie Angst haben vor aggressiven Übergriffen.

Montag, 21.09.2015 – Süßigkeiten für Flüchtlingskinder beim Islamischen Opferfest

Foto der Süßigkeiten für die Kleinsten unter den Flüchtlingen.
Süßigkeiten für die Kleinsten unter den Flüchtlingen. © Jouanna Hassoun

Das Islamische Opferfest steht vor der Tür und damit sich vor allem mal die Kleinen unter den Flüchtlingen freuen, verteilen Helferinnen beim Lageso Süßigkeiten und kleine Geschenke.

Vielleicht kommen die Kinder so zumindest für ein paar Stunden auf fröhlichere Gedanken.

 

Mittwoch, 16.09.2015 – Deutschkurse via Doodle und Merkel zeigt Emotionen

Das Haus der Weisheit organisiert Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge in Berlin. Wer sich beteiligen will, trägt sich am besten einfach hier ein.

 

© Adam Berry/Getty Images
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zur Flüchtlingsproblematik gestern in Berlin. © Adam Berry/Getty Images

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann auf den Vorwurf, sie hätte mit ihrem Verhalten den Flüchtlingsstrom nach Deutschland nur noch verstärkt: „Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Das sitzt.

 

Dienstag, 15.09.2015 – Sexuelle Übergriffe in Flüchtlingsunterkünften

Ich weiß von allen, die sich schon länger ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, dass besonders auf Frauen und Kinder Acht gegeben werden muss. Bitte seid besonders wachsam, es ist schon in mehreren Unterkünften zu sexuellen Übergriffen gekommen. Die hier beschriebenen Übegriffe in Gießen sind kein Einzelfall!

Es besteht dringender Handlungsbedarf!

Auch aus anderen Wohnheimen und Aufnahmeeinrichtungen kommen Meldungen von Missbräuchen. Frauenrechtlerinnen weisen darauf hin, dass solche Übergriffe zu Retraumatisierungen führen oder sogar neue Traumata hervorrufen können. Es kann nicht sein, dass die schutzbedürftigste Gruppe unter den Flüchtlingen, also Frauen und Kinder, die größten Leidtragenden sind.

Montag, 14.09.2015 – Frieren vorm Lageso

Samstag, 12.09.2015 – Berliner Nahverkehrsplan jetzt auf Arabisch

 Freitag, 11.09.2015 – Erstversorgung bleibt Sache der Ehrenamtler

© Jouanna Hassoun
Krankenbett und Helfer im Lageso © Jouanna Hassoun

Die medizinische Versorgung von nicht-registrierten Flüchtlingen soll noch bis Ende des Jahres durch ehrenamtliche Ärzte gewährleistet werden. Wie kann der Senat oder das Lageso davon ausgehen, dass wir das weiterhin ehrenamtlich begleiten? Wir haben bereits im Juli gefordert, dass die Versorgung in professionelle Hände kommt.

Heute konnten wir zwar glücklicherweise verkünden, dass die medizinische Koordination an eine Hauptamtliche übertragen wurde, die ab sofort im Einsatz ist, aber auch die Zehra Can ist auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen.

Das ist kein Umgang mit Ehrenamtlern und das ist auch kein Umgang mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind!

 

Donnerstag, 10.09.2015 – Ich bekomme den Landesverdienstorden #juhu

Schreiben des Berliner Senats an Jouanna Hassoun © Jouanna Hassoun

Ich werde am 1. Oktober mit dem Berliner Landesverdienstorden geehrt. Wow, ich kann es noch gar nicht fassen!

Mittwoch, 09.09.2015 – NPD-Demo vorm Lageso

Heute ab 12.00 Uhr findet in der Turmstraße vorm Lageso eine Demonstration der NPD unter dem Motto „Das Boot ist voll – Asylbetrüger abschieben“ statt. Alle, die Solidarität mit den Flüchtlingen zeigen und sich gegen den Rassismus Einzelner stellen wollen, sollten heute vor das Lageso kommen.

 

Die trauen sich wirklich ne Ansprache gegen Flüchtlinge zu halten mir wird schlecht

Posted by Jouanna Hassoun on Mittwoch, 9. September 2015