Ich entscheide selbst, ob ich Kinder bekomme

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Ohne Kinder ist man auch nicht allein. Oder?© xenia_gromak/photocase.de

Ende Zwanzig, keine Lust auf Kinder, vor allem aber keine Lust mehr, sich dauernd dafür zu rechtfertigen – ein Kommentar.

Ich will keine Kinder, na und?

„Guck mal, so toll kann es mit Kindern sein!“, ruft der junge Papa und hält mir das fröhlich quietschende Kleinkind entgegen. Der junge Papa ist in meinem Alter (Ende Zwanzig) und gehört zu meiner Familie, wo gerade alle Kinder eigene Kinder bekommen haben. Außer mir natürlich.

Das quietschende Kleinkind löst in mir nichts aus, keine Abneigung, aber auch kein Interesse. Ich hasse Kinder nicht, sie rühren mich nur auch nicht. Wie manche Fernsehserien, die mich eben einfach nicht interessieren.

(Einige Zeit später wird der junge Papa mit der jungen Mama ein bisschen lautstark darüber streiten, dass er dem Kind zu wenig Grenzen setzt. So toll kann es mit Kindern sein!)

Kinderlos und einsam

Seit ein, zwei Jahren gibt es keinen Familienbesuch mehr, bei dem nicht von irgendwem auf mich eingeredet wird, wann ich denn Kinder bekäme, und: „Bitte nicht erst, wenn du so furchtbar alt bist.“ Gerne seufzt man auch mitleidsvoll: „Ohne Kinder wirst Du später mal ganz alleine sein.”

Woher wissen die das denn? Wie meine Zukunft später mal aussieht? Vielleicht sitze ich auch mit anderen alten Leuten am See, angele und bin insgesamt recht zufrieden. Und wer garantiert eigentlich, dass die eigenen Kinder sich später gerne und viel um die Alten kümmern? Vielleicht haben sie darauf einfach keinen Bock, einen Vertrag unterschreiben sie bei Geburt jedenfalls nicht.

Beißreflex der Mütter und Väter

Ich bin niemand, der anderen ihre Lebensmodelle madig redet. Kinder, keine Kinder, Hausfrau, Arbeitstier – ich finde alles ok und nichts schlechter als das Andere. Warum also muss ich mich für mein eigenes Lebensmodell permanent verteidigen? Herleiten und begründen, warum ich gerade nicht an eigene Kinder denke? Die Attacken kommen übrigens von Männern und Frauen gleichermaßen, beim Angriff auf Kinderlose ist die Gleichberechtigung weit fortgeschritten.

Dabei schließe ich noch nicht einmal aus, dass ich vielleicht übermorgen doch ein Kind will. Das bringt die Leute dann so richtig auf die Palme. „Frauen, denen das erst mit Vierzig einfällt, die gehen gar nicht.“ Aha.

Es ist also nicht ok, dass ich mich vor einem Kind vielleicht erst selbst verwirklichen will, ein bisschen Vermögen anhäufen oder einfach reisen oder Hamster züchten? „Das ist so eine egoistische Denkweise!“ Mein Leben darf also nicht danach ausgerichtet sein, was ich mir wünsche? Und wer sich für Kinder entscheidet, denkt dabei rein altruistisch?

„Ohne Kinder kannst du dich doch sozial engagieren“

Es gibt aber nicht nur diejenigen, die sagen, dass ich unbedingt ein Kind bekommen muss, sondern auch die Gönnerhaften, die der Meinung sind, kinderlose Frauen könnten sich in der gewonnenen, da kinderlosen Zeit, dann ja gut in gemeinnützigen Projekten engagieren oder sonst etwas Gutes für die Gesellschaft leisten.

Hallo, geht’s noch? Müssen sich dann auch alle kinderlosen Herren für ihr eigenes Ansehen verpflichtend irgendwo engagieren? Pustekuchen, danach fragt keiner. Aber kinderlose Frauen sollen doch bitte eine Ausgleichsbürde auf sich nehmen, weil sie ansonsten der Gesellschaft etwas schuldig bleiben. Hui, schon wieder Mittelalter!

Lassen wir uns doch einfach gegenseitig in Ruhe

Wie wäre es, wir ließen wirklich alle Leute zufrieden mit ihren Lebensentscheidungen – wie es einer wirklich modernen, gleichberechtigten Gesellschaft gut anstehen würde?

Auch wäre es schön, wenn insbesondere Frauen, die nach außen hin so sehr bemüht sind um Anerkennung und Gleichberechtigung, aufhören würden, aufeinander rumzuhacken. Die Kinderlosen ebenso wie die Mütter. Und den Kindern ist es sicherlich auch lieber, wenn sie nur solche Mütter haben, die auch wirklich Kinder wollen.

 

Von Anne Hufnagl auf EDITION F.

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