Leerstand melden und Flüchtlingen ein Zuhause geben

Der Sommer ist längst passé und während ihr die Heizung aufdreht und euch mit Tee auf die Couch mummelt, machen Flüchtlinge was? Auf ein neues Zuhause hoffen. Deshalb ruft leerstandsmelder.de jetzt dazu auf, leerstehende Wohnungen und Häuser zu melden.

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Ihr kennt Wohnungen, die leer stehen oder Häuser, in denen niemand mehr wohnt? Dann meldet die doch bei leerstandsmelder.de und helft so vielleicht Flüchtlingen. Pexels

Am vergangenen Wochenende rief die Erfurter Staatskanzlei via Twitter zu Leerstandsmeldungen auf,  um ungenutzten Wohnraum als mögliche Flüchtlingsunterkünfte nutzbar zu machen. User von leerstandsmelder.de scrollen sich schon länger über eine Google-Maps-Karte, die ihnen Leerstände in ganz Deutschland zeigt und tragen selbst welche ein.

Freitagmittag riefen die Initiatoren der Webseite nun dazu auf, den Leerstandsmelder nicht mehr nur dafür zu nutzen, schönen Altbauten neue Besitzer zu vermitteln, sondern Flüchtlingen möglicherweise ein Zuhause zu geben.

„Der Winter steht vor der Tür und wir möchten auf die Diskrepanz aufmerksam machen, dass in ganz Deutschland Geflüchtete in Zelten provisorisch untergebracht werden, während gleichzeitig Millionen von Quadratmetern leer stehen“, sagt Kristina Sassenscheidt, Initiatorin der Webseite.

Die Idee des Leerstandsmelders ist nicht neu: Die Webseite ging Ende 2010 in Hamburg online. Ein Jahr später gründeten sich auch in anderen Städten Leerstands-Initiativen. Bis heute meldeten über 3500 User ungenutzten Wohnraum in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg.

Wohnraum nutzen und helfen, statt leer stehen lassen, um Profit zu machen

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Kristina Sassenscheidt, Denkmalschützerin und Kulturmanagerin in Hamburg ist Initiatorin von leerstandsmelder.de. © Foto von privat

Die Verantwortlichen der unterschiedlichen Leerstands-Initiativen haben erkannt, dass sie mit ihrer Plattform helfen können, schneller möglichen Wohnraum an Flüchtlinge zu vermitteln. Dabei appellieren sie gleichzeitig auch an Eigentümer, die ihren Besitz ungenutzt lassen oder lieber auf Profit, als auf Wohnungssuchende warten:

„Bei dem knappen Wohnraum, den wir in der Stadt haben und der Menge an Geflüchteten, die untergebracht werden müssen, spielt auch das Thema möglicher Enteignungen eine Rolle und die Frage, wie Eigentümer Wohnfläche nutzen oder eben nicht“, sagt Sassenscheidt.

Als Negativbeispiel führt sie eine Hamburger Wohnungsgesellschaft an, die schon seit Jahren einen ganzen Straßenzug leer stehen lässt und darauf wartet, dass auch die verbliebenen Mieter noch wegziehen, damit dann aufwendig saniert und teuer vermietet werden kann. „Da fragt man sich schon, ob es nicht sinnvoller wäre, die momentan leeren Wohnungen einfach für Flüchtlinge zu nutzen“, sagt die 38-Jährige.

Ab wann steht eine Wohnung oder ein Haus leer?

Natürlich solltet ihr jetzt nicht lossurfen und die Wohnung eurer Nachbarn melden, nur weil die einen Monat Backpacking in Südamerika machen. Sassenscheidt sagt Leerstand heißt: „Ungenutzter Raum. Das kann zum Beispiel eine einzelne Wohnung sein, von der die Nachbarn wissen, dass sie jetzt schon seit fünf Jahren leer steht, aber auch ein ganzer Gebäudekomplex oder Straßenzug.“

Screenshot der leerstandsmelder.de-Karte

Wer also auf seinem wöchentlichen Sonntagsspaziergang an leer stehenden Häusern vorbei läuft, kann sich einfach auf der Webseite einloggen, einen kurzen Steckbrief zu Art, Zustand und Länge des Leerstands des Gebäudes ausfüllen, vielleicht noch ein Bild hochladen und schon wird der mögliche Wohnraum auf der Karte angezeigt.

Und wie kommt der Wohnraum dann zum Flüchtling? „Wir hoffen, dass unser Aufruf dazu führt, dass auch verantwortliche Stellen großes Potenzial für Flüchtlingsunterkünfte bei leerstandsmelder.de sehen und vorgeschlagene Leerstände prüfen“, sagt Sassenscheidt und ist auf die Resonanz gespannt.