Seltenes Studienfach: Entschuldigung, sprechen Sie Sorbisch?

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Frauen in sorbischen Festtagstrachten tanzen.© picture alliance

Nur noch circa 20000 Menschen sind sorbische Muttersprachler. Ein einziges Institut in Leipzig versucht zu verhindern, dass die Sprache ausstirbt.

Wer schon einmal im Spreewald Kanu fahren war oder durch Bautzen, Görlitz und Cottbus gestolpert ist, hat sie womöglich gesehen: die zweisprachigen Straßenschilder – einmal auf Deutsch, einmal auf Sorbisch. 1884 gab es auf dem Gebiet des heutigen Sachsens und Brandenburgs noch 166.000 aktive Sprecher. Jetzt stirbt die Kultur allmählich aus. Zwischen 6000 und 7000 Menschen sind noch obersorbische Muttersprachler, bei Niedersorbisch dürften es mittlerweile nur noch ein paar hundert sein.

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Was ist Sorbisch?

Im Osten Deutschlands liegt die Heimat der nationalen Minderheit. Heute gibt es noch rund 60.000 Sorben, etwa 40.000 in Sachsen und 20.000 in Brandenburg. Das Gesetz sagt: Sorbe ist, wer sich dazu bekennt. So kann sich auch jeder, der nicht in einer sorbischen Familie geboren wurde, als Sorbe bezeichnen, wenn er sich der Tradition zugehörig fühlt. Die ist sehr alt und es gibt einige witzige Bräuche: „Kokot“ zum Beispiel, das sogenannte Hahnrupfen. Dabei reitet man unter einer Pforte durch, an der ein toter Hahn baumelt. Sieger ist, wer den Kopf des toten Hahns erbeuten kann. Der Kokot, also der Hahn, wurde früher geopfert, um eine gute Ernte zu bekommen.

Was unterscheidet das Sorbische vom Schwäbischen, oder vom Bayerischen? Sorbisch ist kein Dialekt und nicht von der deutschen Sprache überdacht, sondern gehört zu der Gruppe der westslawischen Sprachen und ist damit dem Polnischen oder Tschechischen ähnlich. Obersorbisch wird in der sächsischen Oberlausitz und Niedersorbisch in der brandenburgischen Niederlausitz gesprochen. Die Sprachen unterscheiden sich stark voneinander – es gibt Verständigungsschwierigkeiten wie zwischen Deutsch und Niederländisch. Beispiel gefällig?

  • Deutsch: Vater
  • Obersorbisch: nanej
  • Niedersorbisch: nanoju

Sorawie, Sorawas, Sorabistik studieren

Das Institut für Sorabistik in Leipzig versucht, das Aussterben der Kultur zu verhindern. Seit 1951 werden dort Lehrer ausgebildet. Heute umfasst das Studienangebot einen Bachelor und einen Master in Sorabistik, einen Master in Niedersorbisch sowie einen Bachelor in Minderheitensprachen. Die Anzahl der Studierenden ist nicht allzu groß: Im vergangenen Jahr haben sieben Erstsemester angefangen.

Prof. Dr. Eduard Werner, sorbisch: Edward Wornar, ist der Direktor des Instituts. Er betont, dass man sich im neuen Bachelorstudiengang Minderheitensprachen auch über die sorbischen Sprache hinaus international ausrichten kann. „Ein Siebtel der Bevölkerung in Europa spricht eine Minderheitensprache“, so Werner. Als Minderheitensprache zählt zum Beispiel auch Baskisch, Katalanisch, Galicisch, Walisisch und Manx, was die Bewohner der Isle of Man sprechen. Der Renner unter den Leipziger Studenten ist aktuell Irisch.

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ze.tt-Mitarbeiter Flo kann Sorbisch (ein bisschen)

Neben Schulen, die Sorbisch unterrichten, gibt es auch einige Zeitungen und Zeitschriften auf Sorbisch. MDR und rbb senden in Kooperation den Sorbsichen Rundfunk. Und sogar in der ze.tt-Redaktion gibt es jemanden, der Sorbisch kann: Flo. Wir bitten zur schnellen Snapchat-Stunde.