Liebe Flexitarier, Pescetarier und Ovo-Lakto-Vegetarier: Vereint euch!

Das Vegetariertum ist gespalten. Die einen verzichten gänzlich auf Fleisch, viele essen es nur selten, andere essen ab und zu Fisch. Alle kritisieren sich gerne gegenseitig. Ein Aufruf zum harmonischen Miteinander.

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Das Veggie-Regal. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Beherzt greifst du in die Haribo-Tüte. Genüsslich willst du dir ein rotes Gummibärchen in den Mund schieben und dann… „Wie du isst das jetzt? Ich dachte du seist Vegetarier! Du weißt schon, dass da Gelatine drin ist. Gelantine wird übrigens aus Knochen hergestellt.“ Zack. Der Moment ist zerstört. Guten Appetit, weiterhin!

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Ja, es gibt sie: Die aggressiven Fronten im Vegetariertum. Die einen kämpfen für den konsequenten Verzicht von Fleisch. Die anderen, auch Flexitarier genannt, wenden sich der vegetarischen Ernährung zu, möchten aber nicht gänzlich auf den Fleischkonsum verzichten. Für die einen ist die fleischlose Ernährung Ideologie, Lebenseinstellung und politisches Statement. Für die anderen eine Sache des vielfältigen Genusses und der geteilten Verantwortung.

Fronten unter Vegetariern

Ich selbst lebe vegetarisch. Und möge noch so viel Alkohol im Spiel sein: Ein Döner kommt mir nicht in die Tüte. Da gibt es keine Ausnahmen. Ergo: Ich kann die Argumente der konsequenten Front sehr gut verstehen. Aber ich versuche auch, die Gründe der Flexitarier nachvollziehen – auch wenn es mir oft schwer fällt. Denn im Grunde möchten doch alle Unterstützer*innen der vegetarischen Ernährungsweise dasselbe: die gesunde, tier- und umweltfreundliche Lebensweise.

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Am Ende zählt das, was rauskommt: Tier und Umwelt sollen weniger unter unserem Konsumverhalten leiden. Und dazu tragen nicht nur die konsequenten Fleisch-Meider ihren Teil bei. Sondern eben auch die Flexitarier.

Eine Studie der die Gesellschaft für Konsumforschung ermittelte, dass bereits mindestens jeder dritte Haushalt in Deutschland sich als flexitarisch definiert. Diese Haushalte gibt es heute sieben Mal öfter als Haushalte mit mindestens einem Vegetarier, berichtet das Marktforschungsunternehmen.

Mehr Flexitarier, mehr Fleischersatzprodukte – weniger Fleisch?

Das wirkt sich auch auf die deutsche Lebensmittelindustrie aus. Das Sortiment veganer und vegetarischer Lebensmittel erobert immer mehr Platz auf den Regalen deutscher Supermärkte: Vom Seitan-Pulver über vegetarische Leberwurst zu veganer Grillwurst. „Der Markt boomt und ein Ende ist nicht in Sicht“, schreibt das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) in ihrem „Branchenreport Vegetarisch & Vegan: Modeerscheinung oder nachhaltiger Wachstumsimpuls?“.

Wenn in diesem Zuge zukünftig weniger Fleischwurst, Salami und Steak über die Theke gehen – bitte, weiter so! Bisher funktioniert das ganz gut: Zwischen März 2015 und März 2016 landeten 20 Prozent weniger Fleisch und 18 Prozent weniger Wurst in den Einkaufswägen – dafür aber fast 400 Prozent mehr Fleischersatzprodukte. „Flexitarier sind damit – mehr noch als Vegetarier – die eigentlichen Träger des Veggie-Booms in Deutschland“, stellen die Konsumforscher des GfK fest.

Deshalb rufe ich (selbst als eingefleischte Vegetarierin) dazu auf: Feiert den Trend! Auch wenn dem nicht alle so konsequent und mit der stärksten Grundhaltung nachgehen. Eine vegetarische Wurst mehr heißt vielleicht auch ein Tierleid weniger. Habt euch lieb und schießt nicht auf Leute in den eigenen Reihen! Wir sitzen doch eigentlich alle im gleichen Boot.