Liebe mit Altersunterschied: „Nein, er ist nicht mein Vater“

Wie ist es, wenn der Partner über zehn Jahre älter ist? Zwei Paare erzählen von den Vorzügen – aber auch von unangenehmen Situationen. 

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Zu alt? Zu jung? Egal. eurytos/photocase.de

Zwischen Lisa* und Mark* war schon immer dieses leichte Knistern in der Luft. Lisa ist 23, Mark 38 Jahre alt. Als sie sich vor drei Jahren kennenlernten, machte Lisa ihre kaufmännische Ausbildung im Betrieb von Marks Vater. Mark begann dort seinen Job als kaufmännischer Leiter. „Er war nicht mein direkter Vorgesetzter, aber wir mussten immer mal wieder zusammen arbeiten“, erzählt Lisa. So entstand die erste Sympathie zwischen den beiden. Auch nach ihrer Ausbildung arbeitete Lisa weiter in dem Betrieb. Als sie dann aber bekannt gab, dass sie in der Firma aufhören wird, um zu studieren, schrieb Mark sie an. „Wir haben uns dann näher kennengelernt und jede Woche getroffen“, erinnert sie sich. Nach nur einem Monat Beziehung haben sie zusammen an der Ostsee Urlaub gemacht. „Wir wollten wissen, ob das mit uns auch klappt, ohne dass wir ständig über die Arbeit reden.“ Es hat geklappt. Ein Jahr sind sie jetzt zusammen.

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Monika* war 18 Jahre alt, als sie Ralf* kennenlernte. Er war ihr Fahrlehrer und 19 Jahre älter. „Ich war schon immer ein bisschen in ihn verliebt“, erzählt die heute 46-Jährige. Sie war 22 als sie mit Ralf zusammenkam. „Nachdem ich mich von meinem damaligen Freund getrennt hatte, rief ich Ralf an.“ Ihre Liebe blühte schnell auf. Nach nur zwei Wochen intensiven Kennenlernens, zog sie bei ihm ein. Zwei Jahre später heirateten die beiden und wurden ein paar Jahre später Eltern eines Sohnes und einer Tochter. 

„Für mich hat es nur Vorteile: Mark weiß, wo er im Leben steht“

Lisa und Monika haben keinen Vaterkomplex, sagen sie beide. Das Alter war für sie immer Nebensache und über dumme Sprüche sehen sie hinweg. „Für uns ist es die normalste Sache der Welt“, sagt Monika und deshalb haben sie sich auch nie Gedanken gemacht. „Wir sind jetzt 24 Jahre glücklich miteinander, das spricht Bände“, sagt Monika. Lisa empfindet ähnlich: „Für mich hat es nur Vorteile. Mark weiß, wo er im Leben steht, er muss sich nicht erst noch finden und weiß, was er will. Das ist sehr angenehm.“ Mark mag an seiner Freundin, dass sie so unternehmungslustig ist und Lisa schätzt seine Lebenserfahrung, dadurch kann er ihr auch viel erzählen und helfen. „Aber viel wichtiger als jede Erfahrung von der er mir erzählen kann, sind die, die wir zusammen machen“, sagt sie. Davon haben die beiden viele gesammelt,  durch mehrere Urlaube, Wochenend- und Tagesausflüge und all  die alltäglichen Kleinigkeiten einer Beziehung.

„In unserer Familie ist ein größerer Altersunterschied völlig normal“

Lisa und Mark haben ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen, als sie ihre Beziehung öffentlich machten. Ihre Eltern haben sich sehr gefreut. „In unserer Familie ist ein größerer Altersunterschied völlig normal. Der Mann meiner Tante ist zehn Jahre älter und der von meiner Cousine sogar 17 Jahre.“ Es wissen zwar noch nicht alle ehemaligen Arbeitskollegen davon, aber die, die es wissen, haben es locker aufgenommen. „Am Anfang hatte ich Angst, dass es blöde Sprüche gibt und mir jemand unterstellt, ich hätte mich hochgeschlafen. Das ist aber Quatsch, denn wir kamen ja erst nach meinem Arbeitsverhältnis zusammen und jetzt studiere ich.“ Monikas Eltern waren zunächst nicht erfreut, aber auch das hat sich schnell gelegt, denn zwei Menschen zusammen glücklich zu sehen, verändert schnell die Sicht der Dinge.

„Den Leuten ist ihr Irrtum meist peinlich“

Sowohl Lisa, als auch Monika spüren im partnerschaftlichen Zusammenleben nichts von dem Altersunterschied. „Zwischen uns passt es einfach“, sagt Lisa. „Auch mit 65 Jahren ist Ralf durch seinen Beruf und seine Kinder im Herzen jung geblieben“, sagt Monika. Allerdings kommt es ab und zu mit anderen Menschen zu komischen Situationen, sagt Lisa. „Wenn Mark sich mit seinen Freunden trifft und ich dabei bin, fühle ich mich immer etwas komisch. Die sind alle schon verheiratet und haben Kinder, da passe ich nicht so gut rein.“ Monika und Ralf waren schon öfter in der Situation, dass andere Menschen glaubten, sie wären Vater und Tochter. „Wenn ich dann sage: nein, er ist nicht mein Vater, sondern mein Ehemann, ist den Leuten ihr Irrtum meist peinlich.“ Böswillige Kommentare gibt es selten. Monika vermutet aber, dass manche Menschen hinter ihrem Rücken schon mal blöde Kommentare abgegeben haben.

„Wir haben überlegt, nach meinem Studium zusammenzuziehen“

Was in 20 Jahren ist, daran denkt Lisa heute noch nicht. Sie hat keine Angst davor, dass irgendwann der Punkt in ihrem Leben kommt an dem sie und Mark unterschiedliche Dinge vom Leben wollen könnten. „Wir haben schon überlegt nach meinem Studium zusammenzuziehen und auch irgendwann zu heiraten“, sagt sie. Am Anfang hatte Mark noch Angst, dass sich ihre Beziehung durch Lisas Studium und die Fernbeziehung verändert oder gar enden könnte, aber daran ist nicht mehr zu denken. „Wir sehen uns jeden Donnerstag und immer am Wochenende. Wir sind einfach glücklich, alles andere lassen wir auf uns zukommen.“

Monika hat bereits ihr halbes Leben mit Ralf verbracht. Für sie beide ist die Frage, wie die Zukunft mit dem Älterwerden aussieht. „Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem körperliche Beschwerden das Leben beeinträchtigen, aber es ist müßig darüber nachzudenken.“ Sie haben keine Angst, sie machen es wie immer, leben und die Situation gemeinsam bewältigen, wenn sie dann kommt. „Ralf ist jetzt in Rente gegangen, dadurch hat er auch mehr Zeit für die Kinder, das hat auch Vorteile.“

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Dass nicht jede Beziehung mit Altersunterschied so schwerelos verläuft wie ihre eigene, weiß Lisa. „Ein guter Freund von mir, den ich noch aus der Schule kenne, hatte eine Freundin, die 14 Jahre älter ist. Bei denen war die Beziehung sehr kompliziert. Sie hatte ihre Scheidung noch nicht durch und noch dazu ein kleines Kind. Am Ende hat es nicht funktioniert. Ich bin froh, dass das bei Mark nicht so ist, denn ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen würde.“

* Namen geändert