Liebe zu dritt: Diese drei Jungs führen eine Beziehung

Johannes und Simon waren vier Jahre zusammen, bis sie ihre Beziehung um Matthias erweiterten. Das „Trärchen“ ist glücklich – ab und an stößt ihr alternatives Beziehungsmodell allerdings auf Unverständnis.

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Das Trärchen im Auto. menage_a_trois_cgn/Instagram

Verliebte, die auf Instagram ihr Glück zur Schau stellen? Öde! Der Instagram-Account von Johannes, Matthias und Simon ist hingegen spannend, denn darüber geben sie Einblick in ein seltenes Beziehungskonzept – eine Liebe zu dritt. Ihre Hashtags dazu: 

#trärchen, #throuple und #trirelation.

„Simon und ich haben vier Jahre Vorsprung“, beschreibt Johannes die Beziehung. Vor etwa zwei Jahren haben sie dann Matthias kennengelernt. Die drei haben sich immer besser verstanden und sich öfter getroffen. „Irgendwann hat mein bester Freund gesagt, dass das wie eine Dreierbeziehung aussieht“, erinnert sich Matthias. Da hat er noch abgewunken – den anderen beiden aber davon erzählt.

Eifersucht? Geht bei so einer Beziehungsform gar nicht

„Wir haben von Anfang an total offen miteinander gesprochen“, sagt Simon. „Sowohl zu dritt als auch nur Johannes und ich.“ Immerhin war da plötzlich ein dritter Mann. Was sind das für Gefühle? Ist das noch eine Freundschaft? Oder doch mehr? Kann das gutgehen? Könnte Matthias die Beziehung zerstören?

Das war im Sommer vor zwei Jahren. Johannes und Simon waren damals zusammen im Sommerurlaub in Südfrankreich. Sie haben Matthias vermisst – beide. Die drei haben fast täglich miteinander telefoniert und beschlossen, es einfach auszuprobieren. Während der Ausprobierphase, die nur bis zum Ende des Jahres dauern sollte, wurde den drei Studenten klar, dass dieses Beziehungsmodell perfekt für sie ist.

Damit die Dreierbeziehung der 24-Jährigen funktioniert, ist Ehrlichkeit essentiell, erklären sie. „Ich würde keinen Gedanken daran verschwenden, dass die beiden mich hintergehen würden“, sagt Simon. Und auch Eifersucht ist kein Thema. „Ohne Vertrauen und Ehrlichkeit wäre unsere Beziehungsform nicht möglich“, ergänzt Johannes.

Die Eltern haben lässig reagiert

Zwei Jahre hält die Beziehung bereits. Dem Trio ist bewusst, dass das nicht der Norm entspricht. Deshalb vergleicht Simon ihre öffentliche Dreierbeziehung mit seinem Coming-out: „Es sind dieselben Fragen, die man sich stellt: Wie läuft das später ab? Was sagen die anderen?“

Ihre Eltern haben die Beziehung ihrer Söhne heute akzeptiert. Während Matthias‘ und Simons Eltern ziemlich entspannt waren, reagierten Johannes‘ Eltern skeptisch. Sie hatten Angst, dass die Dreierbeziehung alles nur noch komplizierter machen würde. Davon ist heute nicht mehr viel übrig: Vergangenes Weihnachten haben die drei dort verbracht.

Heiraten? Wäre schön, aber das erwarten sie nicht

Kritischer sind die Stimmen, die sie in der Schwulenszene hören – einer Community, die selbst mit der Diskriminierung kämpft und Akzeptanz fordert. Auf dem Schwulen-Kontaktportal Planetromeo oder der App Grindr zeigen sie offen, dass sie ein Trärchen sind. „Das heißt aber auch, dass wir ab und an mal blöde Sprüche hören“, sagt Johannes. Am häufigsten komme der Vorwurf, beim Trio gehe es nur um Sex. „Bei anderen schwingt aber auch der Neid mit“, ist Simon überzeugt. „Die schreiben dann, sie finden gar keinen, und wir sind gleich zu dritt.“ Von vielen Nutzern bekommen sie aber auch anerkennende oder interessierte Nachrichten.

Dann sind es oft ähnliche Fragen, die sie gestellt bekommen. Ob sie nicht eifersüchtig sind, ob sie bald einen vierten Freund dazuholen oder ob sie nicht heiraten wollen. „Sag niemals nie“, sagen sie über eine Viererbeziehung und können sich ein Lachen nicht verkneifen, „aber es wäre schon ein großer Zufall, wenn sich vier Leute gleichermaßen verlieben.“ Außerdem wäre dann das 1,80-Meter-Bett, das sie sich aktuell teilen, definitiv zu klein. Und das Heiraten? „Natürlich würde ich mich freuen, wenn das irgendwann ginge, aber ich habe nicht den Anspruch, dass es jemals möglich ist“, sagt Simon realistisch.

Das Trio freut sich über die interessierten Nachfragen. Denn sie wollen zeigen, dass auch eine Beziehung zu dritt ein Modell ist, das funktionieren kann.