Liebesbriefe aus der ze.tt-Redaktion an unsere Mütter

Mütter können beste Freundinnen, die größten Kritikerinnen, Seelenverwandte oder Fremde sein. In jedem Fall haben wir viel von ihnen gelernt. ze.tt-Redakteur*innen erinnern sich.

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Keine Frau kennen wir länger als unsere Mutter. © photocase.com/eurytos

Mittlerweile hat sie mehr Falten im Vergleich zu der Zeit, als wir sie kennenlernten. Aber immer noch ist sie die Schönste! Keine Tigerin kann so laut brüllen wie sie, keine Katze so sanft schnurren. Sie ist unsere beste Freundin, größte Kritikerin, Seelenverwandte oder eine Fremde, aber sie hat uns Lektionen fürs Leben erteilt.

PhilippPhilipp

Meine Mama hat mich alleine groß gezogen. Und da ich keine Geschwister dazubekommen habe, habe ich im Prinzip alles von ihr gelernt, was mich heute ausmacht. Mama, Oma und meine Babysitterin sind die drei Frauen, die mir erklärt haben, wie das Leben läuft.
Ich weiß noch, wie sie mein dreijähriges Ich zwischen die Schenkeln nahm und die Skipiste runterdüste, und wie sie mir mit vier Jahren mithilfe eines winzigen Luftkissens auf Samos schwimmen lernte. Meine Reisewut habe ich ganz klar von ihr. Unsere mehrwöchigen Reisen in die USA (da war ich 12) und nach Australien & Neuseeland (mit 16) werde ich nie vergessen. Sie hat mir meine Liebe zum Internationalen gegeben und meine Angst vor dem Fremden genommen. Sie hat mir gezeigt, wie schön andere Kulturen und Lebensweisen sein können, und dass Ungewohntes, Neues nicht gleich etwas Schlechtes ist. Meine erste Flugreise ging nach Paris. Da war ich 14 Monate alt. Bis heute bewundere ich, wie mutig es von ihr war, alleine mit einem Kind herumzureisen.

Meine Mama ist bis heute unglaublich wichtig für mich. Obwohl ich mit 18 sofort ausgezogen bin und der Kontakt mit dem Älterwerden naturgemäß weniger wird, muss ich sie bis heute bei allen großen Entscheidungen um Rat fragen. Sie kennt mich. Sie weiß, was ich mag, sie liest meine Mimik wie ein Buch, was teilweise recht unheimlich ist. Ich muss manche Sachen nicht mal laut aussprechen, sie weiß ohnehin schon Bescheid. Ich nenne sie dann Hexe und versuche erfolglos mein Pokerface aufzusetzen.

Till

Till

Ich weiß noch, wie ich da saß, mit diesem beschissenen Gefühl, dass ich nicht gut genug bin. Ich war 18, meine damalige Beziehung ging in die Brüche. Es war die erste. Ich hatte keine Lust mehr auf diese Gedanken, keine Lust auf Heulen und vor allem keine Lust darauf, am nächsten Tag in die Schule zu gehen. Meiner Mom sagte ich das auch genau so.

Sie blieb gefasst. Sie verstehe, was in mir vorgehe. Natürlich tat sie das, unsere Art, mit Emotionen umzugehen, unterscheidet sich bis heute nicht großartig voneinander.  Sie erklärte mir ruhig, dass so etwas einfach dazugehöre,  dass ich solche Gefühle nicht das letzte Mal gespürt haben werde und in die Schule gehen muss – weil kein Problem der Welt groß genug ist, sich selbst dafür aufzugeben.

Das klingt wahnsinnig klischeehaft. Aber ich habe dadurch auch gelernt, in schwierigen Situationen ruhiger zu werden. Und selbst wenn es mir heute nicht immer gelingt, gelassen auf Probleme zu reagieren, weiß ich doch, dass meine Mutter mir mit Verständnis und Nüchternheit damals wieder einen Boden unter die Füße geholt hat. Take it easy, no matter what comes around – meine Mutter brachte mir bei, dass das Leben immer weitergeht. Für diese Lektion werde ich ihr immer dankbar sein.

Tasnim

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Meine Mutter ist wohl die facettenreichste Person der Welt. Sie war sowohl Flugbegleiterin, Malerin als auch Kinderbuchautoren. Heute lehrt sie Yoga und hält Vorträge über Ayurveda. Egal auf welche Idee ich in meiner Kindheit als nächstes kam – eigene Schuhkollektion, Fußballstar, Tanzinternat – sie hat mich immer unterstützt. Sie wich nie von der Überzeugung ab, dass ich ein sehr kreativer Mensch sei und sah dauernd Talente in mir. Sie hat mir den Glauben daran gegeben, alles machen zu können, was ich möchte. In meinem Trotz entschied ich mich für das unkreativste Studium der Welt: Politikwissenschaften (wovon sie nicht zu 100% begeistert war). Und jetzt mache ich ja doch etwas kreatives: Ich schreibe.

Leon

Leon

Was meine Mutter mir gelehrt hat? Wie kocht man anständig, ohne dass die Gäste wegrennen. Wie pule ich Krabben, ohne dass ich mir alles vollsaue und welche Fische kann ich roh essen, ohne dass ich eine Stunde später über der Kloschüssel hänge: das und natürlich viel mehr, auch außerhalb der Küche, habe ich von meiner Mutter gelernt.

Und dafür bin ich sehr dankbar. Dabei hat mich immer erstaunt, woher sie neben ihrem Vollzeit-Bürojob noch die Zeit und Nerven nehmen konnte, um mit mir zusammen so nett zu kochen.