Liegt der Schlüssel zum sportlichen Erfolg in den Fäkalien?

US-amerikanische Forscher*innen haben vielleicht eine Alternative zum Proteinshake gefunden: Scheiße.

Mit Supermans Aa zum Erfolg. © Mark Metcalfe/Getty Images

Manchmal ist der Beruf von Mikrobiolog*innen keine saubere Angelegenheit. Zum Beispiel dann, wenn sie Bakterien untersuchen wollen, die im menschlichen Verdauungstrakt leben. Um da ranzukommen, müssen sie wortwörtlich in die Scheiße greifen.

Jonathan Scheiman hat das bereits gemacht. Er ist Mikrobiologe an der Harvard Medical School und der Meinung, er könne die Kraft von professionellen Langstreckenläufer*innen und Ruderbootfahrer*innen in Form winziger Mikoorganismen ernten und in eine probiotische Tablette packen. Ziel sei es, anderen, weniger schnellen Sportler*innen diese Tablette zu verabreichen und sie damit schneller zu machen.

Die Bakterien, die in unseren Fäkalien leben, haben nämlich eine ganze Menge Fähigkeiten. Sie helfen uns, Nährstoffe aus dem verdauten Essen aufzunehmen und schützen uns vor Krankheitserregern. Geht es nach Scheiman, helfen sie langfristig auch unseren Muskeln, sich besser zu bewegen.

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Vergangenen Montag präsentierten Scheiman bei der American Chemical Society’s Annual Conference einige der Ergebnisse seiner Forschungsarbeit. Für einen dieser Tests nahm er täglich Stuhlproben von 20 Läufer*innen, die beim Boston Marathon 2015 teilgenommen haben, jeweils eine Woche vor und eine Woche nach dem Lauf. Bei der Analyse fand er eine Bakterienansammlung, die Milchsäure zersetzen konnte.

Milchsäure ist ein Nebenprodukt von Muskelanstrengung und Grund dafür, dass wir nach hoher Belastung so müde sind. Bei der Pressekonferenz sagte Scheiman: „Im Grunde haben wir einen Bazillus identifiziert, der diesen Metabolismus unterbricht.“

Zusätzlich haben Scheiman und sein Team auch die Fäkalien von olympischen Ruderer*innen verglichen. „Bei Langstreckenläufern konnten wir eine erhöhte Anzahl an Bakterien finden, die Kohlenhydrate und Ballaststoffe spalten.“ Im Gegensatz zu den Ruderer*innen, bei denen sie eine weit niedrigere Anzahl fanden. „Wenn jemand 160 Kilometer rennt, ist eine mikrobielle Flora, die dabei hilft, aus Nahrung Energie zu gewinnen, sehr nützlich“, sagt Scheiman. Bei Ruderern sei das nicht notwendig, da deren Belastung nur über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum anhält. Langstreckenläufer*innen müssten ihr Durchhaltevermögen hingegen maximieren und dabei würden diese Bakterien helfen.

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Scheiman wolle nach weiterer Forschung diese Bakterien extrahieren, reproduzieren und in winzige Pillen packen, um sie anschließend anderen Sportler*innen zu verabreichen. Noch dieses Jahr solle ein biotechnisches Start-up gegründet werden, um diese Pläne umzusetzen. Ob das tatsächlich funktionieren wird, ist allerdings derzeit noch fraglich. Seine Forschungsergebnisse müssen erst weitere Test bestehen.