Londons neues Szeneviertel liegt auf dem Wasser

Die Mieten in der britischen Hauptstadt sind in den letzten Jahren stark angestiegen, sodass sich viele junge Leute eine Wohnung in der Innenstadt nicht mehr leisten können. Viele ziehen daher aufs Hausboot und leben Seemannsromantik mitten in der Stadt.

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Die Hausboot-Siedlung auf dem Grand Union Canal nennen die Londoner liebevoll ihr "kleines Vendig" © picture alliance / robertharding

Wer auf diesen Schiffchen lebt, muss keine Knoten können und kein Seemann sein, denn aufs offene Meer fahren sie nie. Ihre Bewohner genießen das sanfte Schaukeln auf Londons Binnengewässern – und die niedrigen Wohnkosten, die sie für ihre Behausung zahlen. Ein Vagabundenleben führen sie nicht: Ihr Hausboot ist genauso modern wie eine Wohnung auf dem Festland. Stromgeneratoren, Solaranlagen und Wlan machen es einfach, auf dem Wasser mobil zu sein.

Wie The Atlantic berichtet, liegen mittlerweile 3255 Schiffe an permanenten Liegeplätzen. Weitere 1225 tuckern die Kanäle auf und ab. Damit hat sich die Anzahl der maritimen Bewohner in den letzten Jahren verdoppelt, sagt die Organisation Canal & River Trust. Die Londoner lieben ihre Narrowboats, die extra für Englands schmale Kanäle gebaut sind.

Mittlerweile entwickelt sich an einigen Plätzen eine lebendige Nachbarschaft – sogar mit schwimmenden Geschäften wie dem Bücherladen Word on the Water. An sonnigen Tagen kommen viele Londoner aus der Innenstadt vorbei, um bei Live-Musik zusammen zu sitzen.

Manche Bewohner sorgen selbst dafür, dass der Kai zu einem attraktiven Ausflugsort geworden ist.

Wer nicht auf Dauer mieten will, kann sich auch ein Hausboot kaufen. Für den Traum von urbanen Seeleben muss man allerdings etwas Geld in die Hand nehmen: Mit einer begehbaren Terrasse kostet dieses hier zum Beispiel umgerechnet 212.736 Euro.