Manche Filme liebst du über alles – und diese Youtuber erklären, warum

Es gibt Filme, die lassen uns kalt – andere beglücken uns hingegen noch nach Jahren. Woran liegt das? Youtuber analysieren in Video-Essays die vielen Facetten, Fehler und Kniffe des Filmemachens. Hier kommen ihre spannendsten Erkenntnisse.

Heath Ledgers Joker ist körperlich schwächer als Batman, aber trotzdem ein hervorragender Fiesling. Wie kommt das? Quelle: Giphy

Drehbuch, Regie, Kamera, Licht, Ton, Schauspiel, Musik, Schnitt … Ob eine Geschichte zündet, hängt beim Film von zig Faktoren ab. Auf Youtube spüren Video-Essayisten den entscheidenden Qualitätskriterien nach und analysieren sie.

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Meist sind es selbst Filmemacher*innen, die ihr Wissen mit ihren Followern teilen – etwa der Cutter Tony Zhou oder der Drehbuchautor Michael Tucker. Sie machen in ihren Videos auf Kniffe im Storytelling aufmerksam, schlüsseln auf, was eine spannende Kameraeinstellung ausmacht oder wie der Schnitt eine Geschichte nachträglich komplett verändern kann.

Am besten sind die Essayisten, wenn sie unsere Lieblings- und Hassfilme auseinandernehmen. Dann wird einem erst bewusst, warum bestimmte Filmmomente so großartig sind und warum unsere Lieblingsfilme unsere Lieblingsfilme sind.

Bock auf cleveres und verständliches Filmfachwissen?

Hier kommen einige der spannendsten Erkenntnisse aus den sehenswerten Essays der Youtuber Every Frame A Painting (veröffentlicht alle zwei Monate mal was), The Nerdwriter (neue Essays jeden Mittwoch, auch zu anderen Themen), Lessons from the Screenplay (etwa monatlich), Now You See It (circa zwei Mal im Monat) und Channel Criswell (unregelmäßig).

Ein guter Böser trifft die Helden da, wo’s richtig weh tut

Ein*e gute*r Antagonist*in muss eine möglichst große Herausforderung für die Helden darstellen. Das heißt, sie*er muss mächtig sein. „Der Teufel trägt Prada“ wäre beispielsweise nur halb so gut, wenn sich Anna Hathaway nur mit einem mittleren Vorgesetzten statt mit der gefeierten Vogue-Chefredakteurin herumschlagen müsste. „Independence Day“ wäre kaum so beeindruckend, wenn die Aliens für ihre Erdinvasion statt in riesigen Raumschiffen nur mit ein paar Fußsoldat*innen angerückt wären.

Aber ein*e gute*r Antagonist*in kann auch abseits von Geld, Ruhm oder Feuerkraft auf eine andere Weise mächtig sein – und ist dann eine noch größere Bedrohung: Wenn sie*er moralisch eine Bedrohung für die Helden ist. Michael Tucker alias Lessons from the Screenplay erklärt das sehr anschaulich an der Figur des Jokers aus „The Dark Knight“.

Ein Witz wird langweilig, wenn man ihn erzählt

Klassiker: Du erlebst etwas furchtbar Lustiges, alle Anwesenden lachen. Dann erzählst du später von dem Moment und niemand findet die Geschichte auch nur ansatzweise komisch. Was im echten Leben gilt, gilt auch für Filme: Lustige Momente funktionieren dann am besten, wenn man sie sieht und mit dabei ist. Nicht viele Regisseur*innen kriegen es hin, gute Comedy zu produzieren – Tony Zhou alias Every Frame A Painting zeigt am Beispiel von Edgar Wrights Filmen („Scott Pilgrim“, „Sean of the Dead“), wie es richtig geht.

Auch auf die Verpackung kommt es an

Der Ersteindruck ist entscheidend – nicht nur, wenn wir neue Leute kennenlernen, sondern auch beim Film. Es gibt Intros, die sich in die Erinnerung einbrennen; der Rolltitel in „Star Wars“ beispielsweise oder die künstlerischen Vorspänne der „James Bond“-Filme. Was einen guten Einstieg ausmacht, erklärt Evan Puschak alias The Nerdwriter.

Gruselig ist nicht der Schockmoment, sondern der Weg dorthin

Wie schockt man sein Publikum richtig? Mit einem schnellen Schnitt auf etwas Gruseliges. In Filmfachkreisen nennt man diesen Effekt „Jump Scare“. Jack Nugent aka Now You See It erklärt in einem Essay, dass nicht jeder Jump Scare gut ist und zeigt Beispiele, die wirklich schocken.

Charaktere werden mit der richtigen Kamera-Einstellung glaubhafter

Gespräche sind das Herzstück eines jeden Films. Visuell geben sie allerdings nicht viel her; zwei Menschen, die miteinander sprechen, sonst aber nichts tun, sind auf Dauer reichlich öde. Den Coen-Brüdern gelingt es in ihren Filmen mit einer frontalen Kameraeinstellung dennoch, diese Szenen spannend zu gestalten: Indem sie die Figuren in ihrer alltäglichen Umgebung zeigen, werden sie glaubhafter.

Wie gut ein Film wird, entscheidet sich im Schnitt

Hätte sich Regisseur Sam Mendes 1:1 an das Drehbuch zu „American Beauty“ gehalten, der Film wäre ein komplett anderer geworden (hier erklärt von Lessons from the Screenplay). Im Schnitt wurde ein Meisterwerk daraus, das Mendes fünf Oscars einholte. Wie wichtig die Bearbeitung des Filmmaterials ist, arbeitet Lewis Bond aka Channel Criswell in einem Essay heraus.

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