Mandel-Sesamtofu statt Brathendl: So vegetarisch ist das Oktoberfest

Auf dem Münchner Oktoberfest gibt’s nur Haxn und Ochs am Spieß? Wir haben uns umgeschaut und leckere vegetarische und vegane Alternativen entdeckt – teilweise sogar in Bioqualität.

© Anna Karolina Stock

Nudeltascherl mit Quinoa und Blattspinat gefüllt, Tomatenragout und Basilikum im Löwenbräu Festzelt, Preis: 12,50€. © Anna Karolina Stock © Anna Karolina Stock

In fast jedem Festzelt und an zahlreichen Imbissständen auf dem Oktoberfest gibt es mittlerweile vegetarische oder sogar vegane Gerichte. Das Angebot reicht von traditionellen Speisen wie Allgäuer Käsespätzle und Rahmschwammerl bis hin zu innovativen Kreationen wie geräucherter Bio-Mandel-Sesamtofu auf jungem Kressesalat, Erbsenspargel und Passionsfrucht an Chili-Dressing. Langweiliges Schnittlauchbrot mit Radi oder ein trockener Semmelknödel ist so was von 2015. Nicht nur Vegetarier und Veganer greifen auf die fleischlosen oder laktosefreien Gerichte zurück, sondern auch Allergiker und Besucher mit Unverträglichkeiten.

Nach zehn Jahren vegetarischer Probezeit setzte das Löwenbräu Festzelt in diesem Jahr zum ersten Mal ein veganes Gericht auf die Speisekarte. Der Chef Ludwig Hagn hat es höchstpersönlich erfunden: vegane Nudeltascherl mit Quinoa und Blattspinat gefüllt, Tomatenragout und Basilikum. „Unter der Woche werden täglich zirka 50, am Wochenende auch mal 80 vegane Gerichte verkauft“, berichtet seine Tochter Stephanie Spendler. Bei rund 5000 Gästen am Tag sei das zwar ein minimaler Prozentsatz, doch verhält es sich ähnlich wie mit alkoholfreiem Bier: es ist immer gut, wenn man es im Repertoire hat.

© Anna Karolina Stock
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Die Schützen Festhalle bietet bereits seit 2015 vegane Speisen an. Letztes Jahr gingen zirka 500 vegane Gerichte über die Theke, die somit sogar beliebter als so manches Fleischgericht waren. „Der Trend ist offensichtlich gegeben und sollte auch nicht belächelt werden“, meint Gastronomiedirektor Harald Schwarz. „Unser Gemüse stammt zu 80 Prozent aus der Region, gute bayerische Ware.“ Dass die Gäste wissen wollen, woher die verarbeiteten Lebensmittel kommen, kann er gut nachvollziehen.

Vegan durch die Wiesn-Wochen

Das Angebot an vegetarischen Gerichten ist mittlerweile so groß, dass man jeden Tag eine andere Speise ausprobieren könnte, ohne zweimal das Gleiche essen zu müssen. Wer die Wiesn dagegen streng vegan genießen möchte, hat es da schon schwerer und muss sich mit einer kleineren Auswahl zufrieden geben. Hier eine alphabetische Auswahl:

  • Augustiner Festzelt: vegane Gemüsepflanzerl mit Quinoa, Tomatensauce und Salat
  • Bräurosl: vegane Penne mit mediterranem Gemüse und Rucola
  • Bratwurst-Standl (vor dem Schottenhamel): vegane Bratwürstl
  • Burtscher’s Grillhaus: vegane Wraps mit Hummus-Aufstrich, gefüllt mit Grillgemüse, Bruschetta, Schwammerl- oder Couscous-Salat
  • Café Kaiserschmarrn: Flammkuchen Basilikum-Tomate mit Tomaten-Salsa, Mozzarella und Basilikum
  • Enten- und Hühnerbraterei Wildmoser: veganen Bio-Kräuterseitlinge in Sojarahm mit gebräunten Scheiben vom Serviettenknödel (zudem fünf vegetarische Speisen)
  • Fisch-Bäda: Gemüse-Powersüppchen mit Ingwer und Zitronengras; geräucherter Tofu mit Tomaten-Aprikosenchutney und Curry-Gemüse aus dem Wok
  • Fischer Vroni: Tofupfanne mit geräuchertem Tofu, gebratenen Reisnudeln und Gemüsevariationen aus dem Wok (vegan und glutenfrei)
  • Gulaschkanone (am Eingang vom Löwenbräu Festzelt): vegane Karotten-Ingwer Suppe (jeden Tag frisch geliefert vom veganen Restaurant Max Pett)
  • Hühner- und Entenbraterei Ammer: Bio-Schnittlauchweckerl mit Bio-Sonnenblumenmargarine; Maisgrießschnitten, herbstliches Gemüseragout, Kräutertupferl (Bio); Bio-Radi und Radieserlbrett’l mit Bio-Schnittlauchweckerl
  • Käfer’s Wiesn-Schänke: Bio-Mandel-Sesamtofu auf jungem Kressesalat mit Erbsenspargel und Passionsfrucht an Chili-Dressing
  • Kuffler’s Weinzelt: Mediterranes Gemüse – Grigliata di verdure, gegrillte Babyartischocken, Auberginen, Paprika, Zucchini und Fenchel, lauwarm serviert, mit Olivenöl und Kräutern verfeinert, Baguette; Tom Gha Jay, vegane thailändische Kokosmilchsuppe mit Gemüse und Pilzen; Veganes Thai Curry
  • Löwenbräu Festzelt: vegane Nudeltascherl mit Quinoa und Blattspinat gefüllt, Tomatenragout und Basilikum
  • Marstall: veganes Holzfäller-Soja-Grillsteak mit Kartoffel-Gemüsesalat, geschmolzenen Zwiebeln und Münchner Kindl Grillinger BBQ-Sauce
  • Ochsenbraterei: Pfifferling-Kartoffel-Bratling mit Mandelmilch-Spinat, Steinpilze und Radieserl (außerdem stehen vier vegetarische Gerichte auf der Speisekarte)
  • Schottenhamel Festhalle: Quinoapflanzerl auf Erbsen-Minzpüree mit Gartenkresse, dazu Gratin von der blauen Kartoffel
  • Schützen Festhalle: gegrillter grüner Spargel mit Orangen-Pistazien-Sauce; Rote-Beete-Maultaschen mit Meerrettichpesto
  • Standl von Franz und Gabriele Anthuber: veganen Leberkäse, Bayernburger, Gemüsepflanzerl und Dinkelpflanzerl
  • Winzerer Fähndl: vegane Curry-Kartoffel-Gnocchi mit buntem Gemüse, Kichererbsen und Champignons in Olivenöl-Weißbier-Sud geschwenkt, serviert mit mariniertem Rucola (plus drei vegetarische Gerichte)
  • Zum Stiftl: Tomatisiertes Pfannengemüse mit Dinkelkörnern und Kartoffelrösti; Sauerkrautstrudel mit Mandeln und Curry auf Gemüseragout
Vegetarisches Bio-Knuspergemüseschnitzel vom Imbissstandl „Zum Gaumenschmaus“, Familienbetrieb Bretz. © Anna Karolina Stock
Vegetarisches Bio-Knuspergemüseschnitzel vom Imbissstandl „Zum Gaumenschmaus“, Familienbetrieb Bretz. © Anna Karolina Stock

Vielleicht ziehen im nächsten Jahr auch die restlichen Festzelte (Hofbräu, Hacker, Ambrustschützen, Glöckle Wirt, Wildstuben und Münchner Knödelei) nach und setzen vegane Gerichte auf ihre Speisekarten. Und auch die Preise für vegane Speisen sinken 2017 hoffentlich. Aktuell kommt man mit einem Hendl (Preis um 11 Euro) nämlich immer noch günstiger weg als mit vielen vegetarischen oder veganen Gerichten. In der Fischer Vroni kostet die einzige vegane Speise satte 23,50 Euro (Steinpilze mit Kartoffelgröstl, Charlotten, Kirschtomaten, Kürbiskernen, frittierter Petersilie).

Nachtisch

Eine süße Gaumenfreude darf natürlich nicht fehlen. Während auf den Speisekarten der großen und kleinen Festzelte vor allem Klassiker wie Kaiserschmarrn, rote Grütze und Apfelkücherl im Bierteig zu finden sind, gibt es abseits davon an den kleinen Imbissbuden eine süße Auswahl für den kleinen Hunger zwischendurch oder einen Nachtisch to go:

Vegane Nougatbusserl: Achmüller Ingrid, Wirtsbuden-Straße 65

Veganer Apfelstrudel: Schiebel’s Kaffeehaferl, Wirtsbuden-Straße 76

Veganes Schokoladenherz: Tille Thomas & Nicole, Haupteingang 4

Vegane Schokospieße/-früchte:

  • Guderley und Sohn OHG, Matthias-Pschorr-Straße 50
  • Heppenheimer Roland, Straße 4, Nr. 4
  • Eckl Ernst, Wirtsbuden- Straße 96
  • Kübler Eugen, Straße 3 Ost, Nr. 8
  • Lange Norbert Junior, Matthias-Pschorr-Straße 32
  • Lange Norbert & Monika, Straße 1, Nr. 12
  • Manfred & Ingrid, Schausteller-Straße 8
  • Martl Georg, Wirtsbuden- Straße 129
Lebkuchenherzl. © Anna Karolina Stock
Lebkuchenherzl. © Anna Karolina Stock

Veganes Bier für alle

Über sieben Millionen Liter Bier werden auch dieses Jahr wieder auf dem Oktoberfest ausgeschenkt werden. Kostenpunkt für eine Maß Wiesn-Bier: Zwischen 10,40 und 10,70 Euro, mit Bedien-, aber ohne Trinkgeld. Spätestens beim Getränk sind wir alle Veganer, denn solange das Bier nach dem bayrischen Reinheitsgebot gebraut wird, ist es vegan. Wer Wein gegenüber Bier bevorzugt, wird im Fisch-Bäda-Zelt fündig. Dort gibt es veganen Rotwein, gefiltert und ohne tierische Eiweiße.

Bleibt also nur noch: An Guadn und Prosit!