Ist dieser Berliner ein fieser Abzocker?

Vor den Bürgerämtern: meterlange Schlangen. Und die Online-Termine: alle ausgebucht. Wie nervig! Drei Berliner wollen helfen, indem sie spontan freigewordene Bürgeramt-Termine über eine Website verkaufen.

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Mateus Kratz verkauft mit zwei Kollegen über eine Website Termine bei den Berliner Bürgerämtern. Ist das okay? ze.tt/Mark Heywinkel

Ein fröhliches Lächeln, ein fester Händedruck, ein wacher, freundlicher Blick: Wie ein Arschloch sieht Mateus Kratz eigentlich nicht aus.

Trotzdem drücken einige Medien dem 29-Jährigen und seinen zwei Kumpels Jörn Kamphuis (Fun Fact: Mr. Germany 2013) und Martin Becker zurzeit genau dieses Image auf. Das Trio würde Menschen abzocken, schreibt die Berliner Zeitung. Die drei hätten ein Arschloch-Unternehmen gestartet, grummelt Gründerszene.

Was steckt dahinter?

Das Trio verkauft über eine Website Termine für die Berliner Bürgerämter. Die Slots sind eigentlich kostenfrei – allerdings auch hart umkämpft. In Berlin-Mitte gibt’s beispielsweise erst im September wieder die Möglichkeit, etwa einen Perso zu beantragen oder sich zu melden.

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Den Wert dieses knappen Gutes verwandeln Kratz und Co. mit ihrem Service in Cash. Auf ihrer Seite gibt man eine Präferenz an, in welchem Zeitraum man am liebsten einen Termin haben möchte. Und für 25 oder 45 Euro checkt ein cleverer Algorithmus die Kalender der Ämter und bucht einen passenden Slot, sobald er frei wird.

Im Interview erklärt Mateus Kratz genauer, wie das System funktioniert.

Den Verkauf eines eigentlich freien Gutes kann man verwerflich finden.

Mateus Kratz verteidigt die Idee hingegen als Protest gegen die ineffiziente Arbeit der Bürgerämter.

Vor allem kritisiert er, dass die Ämter es bislang nicht geschafft haben, ihre Arbeit mithilfe digitaler Tools zu vereinfachen.

Die Kritik, die das Team um Kratz zurzeit aushalten muss, werde sie nicht daran hindern, weiterzumachen.

Der Berliner Senat heißt die Aktion nicht gut. Es fehlt allerdings die Grundlage, um rechtlich gegen den Terminverkauf vorzugehen.

Im Moment nehmen die drei Berliner trotzdem keine weiteren Bestellungen entgegen. Aber nicht aus Angst: Durch die große Medienpräsenz sind in den vergangenen Tagen an die 300 Anfragen eingetrudelt, die das Trio jetzt erst einmal korrekt abarbeiten will. Doch danach soll’s weitergehen – solange, bis die Bürgerämter ihre Termine selbst organisieren können.

Was haltet ihr von der Idee?

Würdet ihr einen Termin bei den drei Berlinern kaufen, um schneller an euren Perso zu kommen oder euch umzumelden? Schreibt uns in die Kommentare oder mir an mark.heywinkel@ze.tt oder via Twitter.