Mehr Latinos als Weiße in Kalifornien: Was hinter den Zahlen steckt

In Kalifornien leben mehr Latinos als Weiße. Dennoch: Im öffentlichen Leben sind sie noch immer die Randgruppe. Und in der Politik erst Recht.

Justin Sullivan/Getty Images

Aktivist protestiert gegen Einwanderungsgesetz: In Kalifornien bilden Latinos nun die größte Gruppe. Justin Sullivan/Getty Images

Im US-Bundesstaat Kalifornien leben mehr Latinos als Weiße, meldet die „LA Times“. 14,99 Millionen Menschen sind Latino (39 Prozent), 14,92 sind Weiße (38 Prozent).

Kalifornien ist nach Hawaii und New Mexico der dritte US-Staat, in dem Weiße offiziell nicht mehr die größte Bevölkerungsgruppe sind. Insgesamt leben 55,4 Millionen Latinos in den USA, von 318,9 Millionen Bürgern insgesamt.

Es drängt sich die Frage auf: Wer ist eigentlich weiß? Gemeint sind mit diesem Begriff vor allem die Nachfahren der europäischen Einwanderer. Offen bleibt die Frage, zu welcher Gruppe eigentlich Menschen gezählt werden, deren Mutter Weiß ist und der Vater Latino, oder eben umgekehrt.

Latinos in Kalifornien sind deutlich jünger als Weiße. Der Median-Latino – schaut man sich die ganze Gruppe nach Alter sortiert an und wählt den in der Mitte aus – ist 29 Jahre alt. Der Median-Weiße ist 45 Jahre alt. Auch deshalb wird der Anteil der Latinos in Kalifornien wachsen.

Erst für das Jahr 2060 erwarten Demographen, dass Latinos sich der 50-Prozent-Marke nähern. „Der Prozess wird sich beschleunigen“, sagte Roberto Suro der „LA Times“, er ist Direktor des Tomás Rivera Policy Institute an der University of Southern California.

„Dies ist der Beginn einer neuen Phase, die eine neue Generation hervorbringen wird.“ ~ Roberto Suro, USC

Und die wird auch dringend benötigt: Der Wirtschaft Kaliforniens droht – wie der Deutschen auch – ein Fachkräftemangel, weil zu wenige Kinder geboren werden. Die USA braucht Einwanderer, und sie braucht ihre Kinder, sagt Marcelo Suárez-Orozco, Forschungsdekan für Bildungs- und Informationswissenschaften der University of California, Los Angeles.

Das Problem ist ein Anderes, schreibt Michael Finnegan, ebenfalls in der „LA Times„: Viele wählen nicht. „Dadurch schwächten sie ihren Einfluss auf Regierungentscheidungen, die fundamentalen Einfluss auf ihr Leben haben.“ 39 Prozent der Bürger sind Latinos, aber nur 15 Prozent der Wähler. Das schlägt sich auch bei den gewählten Volksvertretern nieder: 10 Prozent der Chefs in Behörden sind Latino und 15 Prozent der Stadträte.

Das liegt zum Teil am Alter – viele Latinos sind schlicht zu jung, um zur Wahl zu gehen. 32 Prozent der Latinos sind unter 18, bei allen anderen Bevölkerungsgruppen sind es 19 Prozent.

Und obwohl sie eigentlich in Schulklassen in der Mehrheit sind – im Schnitt haben Latinos niedrigere Schulabschlüsse, schreibt die „LA Times“. UCLA-Politikwissenschaftler Matt Barreto wünscht sich deshalb mehr Wahlbeteiligung von den Latinos. Dann könnten sie das Schulsystem so verändern, dass Einwanderer besser lernen können.

Und in der Filmszene sieht es kein bisschen besser aus. In 73 Prozent der Filme dieses Sommers spielt kein einziger farbiger Schauspieler eine Hauptrolle. So steht es im „Hollywood Diversity Report“ der UCLA. In Kinofilmen waren im Jahr 2014 nur 10,5 Prozent der Hauptdarsteller nicht weiß, 74,4 Prozent waren männlich. Das liegt auch and en Autoren – 92,4 Prozent sind weiß, 85,9 Prozent sind männlich.

Der Tumblr „Every Single Word“ hat Filme auf die Zitate farbiger Schauspieler zusammengekürzt. Und die werden dann wirklich: Ziemlich kurz.