Menschen mit ausgeprägtem Neandertaler-Gen sind eher depressiv

Laut einer neuen Studie könnte das Neandertaler-Gen in dir mitverantwortlich sein, warum du depressiv oder ängstlich bist.

Neandertaler im National Museum of Prehistory. Dieses Gen könnte dich gerade unglücklich machen. PIERRE ANDRIEU/AFP/Getty Images

Die Spezies der Neandertaler und ihr Aussterben zählt zu einem der großen Rätsel der Menschheit. Genau wie der heutige Mensch, der Homo sapiens, stammt der Neandertaler von afrikanischen Vorfahren der Gattung Homo ab. Warum aber die Neandertaler vor rund 30.000 Jahren ausstarben, ist bis heute ungeklärt und umstritten. Bekannt ist aber, dass der moderne Mensch Spuren des Neandertaler-Genoms in sich trägt. Nun wollen amerikanische Forscher*innen herausgefunden haben, wie es unsere Persönlichkeit und Psyche beeinflusst.

Menschen mit Neandertaler-Gen sind eher depressiv

Ein Team von Forscher*innen der staatlichen Universität von New York bei New Paltz verglich den Neandertaler-Quotienten von rund 200 Freiwilligen. Dabei ermittelten sie den Prozentsatz des Neandertaler-Gens in der DNA und stellten ihnen Fragen zu ihrem Verhalten, ihrer Persönlichkeit und Sexualität. Dabei fand das Team heraus, dass Menschen mit höherem Quotienten eher an sozialer Angst, depressiven, bipolaren und autistischen Tendenzen leiden und zudem weniger fantasievoll sind.

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„Wenn man viel Neandertaler in seinem Genom hat, spiegelt sich das im Verhalten wieder“, erklärt Glenn Geher, einer der Autoren der Studie, dem Nachrichtenmagazin NewsweekAllerdings warnt er auch davor, vorschnell Verbindungen zwischen dem Neandertaler-Gen und bestimmten Persönlichkeits- und Geistesgesundheitsmerkmalen zu ziehen. „Der Zusammenhang ist da, aber weil es Korrelationsdaten sind, müssen wir vorsichtig sein.“

Der Neandertaler-Quotient in dir

Vor 60.000 Jahren begegneten und gefielen sich in Eurasien die Homo sapiens und die Homo neanderthalensis. So wurde eine kleine Menge ihrer DNA in den modernen menschlichen Genpool eingeführt. Darum trägt heute jede*r eine kleine Menge Neandertaler als Reliquie dieser alten Begegnungen in sich. Bei Europäer*innen liegt das Neandertaler-Erbe zwischen 2,5 und 4 Prozent.

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Vieles rund um unsere DNA bleibt unerforscht. Auch warum beispielsweise nur die Gene von Neandertaler-Frauen in unserer DNA zu finden sind und keine von Neandertaler-Männern. Dass dieses rätselhafte Gen Auswirkungen auf den Menschen hat, ist klar. Welche genau, wird die Zukunft zeigen. Der Mythos rund um den Neandertaler bleibt erhalten.

Forscher Glenn Geher hofft dabei, dass seine Studie die Menschen nicht abschrecke, den eigenen Neandertaler-Quotienten herausfinden zu wollen. Vielmehr sollen die Erkenntnisse einen Blick in das Leben unserer Vorfahren ermöglichen und zeigen, dass ihre Entscheidungen uns noch heute beeinflussen.